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Datenanalysen und Dienstleistungen stehen im Fokus der neuen Startup-Generation. Bild: Corbis

Während die Anfangswelle von Bestellerprinzip und Startups im Maklerbereich angeschoben wurde, stehen bei neuen Unternehmen inzwischen eher einzelne Dienstleistungen oder Datenanalysen im Fokus. Catella-Analyst Thomas Beyerle schätzt, dass 80 Prozent der Gründer nicht aus der Branche kommen, sondern von extern – etwa aus dem Konsumgüterbereich.

„Die Gründer entdecken die Immobilienbranche als relativ trägen Gegenstand“, sagt Beyerle. Folglich handele es sich bei vielen Dienstleistungen und Produkten um Ableitungen aus Themen der Digitalisierung allgemein.

„Die meisten Gründer schneiden sich ein Stück aus dem Wertschöpfungszyklus heraus.“ Catella-Analyst Thomas Beyerle

Dazu passt die Klage mancher Interessenvertretung, die angebotenen Digitallösungen passten häufig nicht zu den Problemen der Branche – etwa in der Immobilienverwaltung, in der sich seit einiger Zeit besonders viele Startups tummeln.

Mieter-Apps, digitale Pinnwände und eine Ablese-Software können zwar erheblich dazu beitragen, Unternehmen zu modernisieren. Wenn allerdings Daten-Schnittstellen nicht aufeinander passen, erweisen sich Datenlösungen schnell als schöner Schein.

Nachhaltige Erfolge verbuchen somit vor allem Firmen, die sowohl technische Voraussetzungen als auch die Mentalität in der Branche kennen – wie die mehrfach ausgezeichneten Türschließ-Lösungen von Kiwi.ki oder die Aufzugssoftware simplifa, die Verwalter, Mieter und Wartungsfirmen zusammenbringt. Letztere stehen beispielhaft für den Trend nach Vernetzung zwischen Nutzer- und Kundengruppen, mit dem Startups den Nerv der Zeit treffen wollen.

PropTech-Startup: Dienstleistungen und Datenanalysen stark gefragt

Auch das ausgezeichnete Ratinger Jungunternehmen Animus hat sich dem verschrieben. „Die Vision ist es, alles rund um die eigene Wohnung mit einer einzigen App zu lösen“, beschreibt die Marketingverantwortliche Ronja Baumann die Idee hinter dem Digitalunternehmen. Das Spin-off aus dem Projektentwickler Interboden bündelt Dienstleistungen im Quartier in einem Softwarepaket, schafft quasi einen virtuellen Service-Punkt. Die IT-Infrastruktur ist so offen gehalten, dass sich örtliche Dienstleister einklinken können. „Wir wissen, dass die persönliche Identifikation der Bewohner beziehungsweise Nutzer mit einem Standort entscheidend ist“, sagt Baumann.

Ein ähnlicher Gedanken liegt dem Startup Allthings zu Grunde. Das Schweizer Unternehmen bietet eine Art Modulkasten an, aus dem Unternehmen sich ihnen sinnvoll erscheinende Funktionen auswählen können. So begegnet es einer der großen Herausforderungen von Software-Anbietern – der Heterogenität der Immobilienbranche, in dem die Bandbreite vom lokal aufgestellten Familienunternehmen bis zum international tätigen Konzern reicht. 

Aufbereitung von Daten als Fundus

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Das Team von geospin etwa, einer Ausgründung aus der Universität Freiburg, verknüpft Unternehmensdaten mit statischen und dynamischen Umgebungsdaten und entwickelt daraus Prognosemodelle – etwa für die Mietpreisentwicklung. „Wir wurden aktiv von etablierten Unternehmen, die offen für neue und innovative Ideen sind, in Bezug auf eine gemeinsame Zusammenarbeit angesprochen“, erklärt Mitgründer Christoph Gebele. „Dabei können beide Seiten profitieren: Wir von der Immobilienbranchen-Expertise unserer Partner sowie unsere Partner von unseren geographischen Big-Data-Analysen.“ 

PropTech-Startup: Blockchain als Trend

Marktbeobachter verweisen außerdem unisono auf die Entwicklung bei Blockchain, wenn es um sich abzeichnende Trends im PropTech-Bereich geht. Jüngst erst kündigten Startups an, einen eigenen Bundesverband Blockchain als Interessenvertretung gründen zu wollen. Die dezentrale Datenstruktur könnte in der verästelten, vielschichten und mäßig transparenten Immobilienwirtschaft erstmals für echte strukturelle Veränderungen sorgen. Derzeit nämlich seien disruptive PropTech-Modelle noch Fehlanzeige, sagt Catella-Analyst Beyerle. „Die meisten Startups sind Weiterentwicklungen des Bestehenden.“ Es entstünden ausschließlich Dinge, die keinem in der Branche weh tun. „Wirkliche Innovationen werden eben nur geboren, wenn der Markt am Boden ist, wenn man nicht mehr weiter weiß.“

 

Schlagworte zum Thema:  PropTech, Startup, Digitalisierung, Makler

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