Die PropTech-Branche ist den Kinderschuhen entwachsen. Nach der durch das Bestellerprinzip ausgelösten Euphorie sind Ruhe und Sachlichkeit eingekehrt, und das Interesse von bewährten Unternehmen und Startups aneinander wächst. Experten erwarten weitere Konsolidierung.

Bei einem PropTech-Pitch in Köln haben etablierte Unternehmen vor kurzem sogar Eintrittsgeld gezahlt, um dabei sein zu dürfen. Blackprint-Geschäftsführer Alexander Ubach-Utermöhl klingt selbst ein wenig verwundert, als er davon erzählt: Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass „PropTech“ als Begriff aufkam und Startups in der Immobilienwirtschaft überhaupt erst wahrgenommen wurden. Inzwischen wetteifern Startups bereits darum, wer das innovativste Jungunternehmen Europas ist.

PropTech: Startup-Szene hat sich professionalisiert

Innerhalb dieser Zeit haben sich die jungen Gründer in der Branche verankert – eine rasante Karriere angesichts der oft als behäbig und satt beschriebenen Struktur der Immobilienwirtschaft.

Egal ob Jahrestagung der Immobilienverwalter, Wohnungswirtschafts- oder Immobilienverbandstag, ein Speed-Dating oder Mini-Pitch von PropTechs dienen mittlerweile jedem Szenetreffen als dekorative Beigabe.

Hinter dem Erfolg steckt nicht nur die allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung, die zunehmend digitaler wird. Auch die Startup-Szene hat sich strukturiert und professionalisiert.

Rund 170 PropTech-Startups in Deutschland

An die 170 Proptech-Startups und Acceleratoren zählt das Blog gewerbe-quadrat.de, noch einmal deutlich mehr als vor einem Jahr.

Trotzdem: „Die Zahl der Neugründungen nimmt tendenziell ab“, beobachtet Blogbetreiber Jonas Haberkorn.

Die „German Prop Tech Initiative“ (GPTI), die Ubach-Utermöhl mitorganisiert hat, ist bei einer Bestandsaufnahme auf mehr als 340 Gründungen im deutschsprachigen Raum gekommen, 200 davon nur in Deutschland. „Etwa zehn Prozent haben sich mittlerweile wieder vom Markt verabschiedet“, bilanziert Ubach-Utermöhl. Auch er nimmt eine Konsolidierung wahr. „Die Gewinner von Preisen sind jetzt häufig alte Bekannte, was zeigt, dass die Zahl der Neuen auf dem Markt eher zurückgeht“, sagt Ubach-Utermöhl.  

Erfolgreiche Startups wie McMakler lassen sich öffentlich längst von PR-Firmen vertreten und profitieren darüber hinaus davon, dass Kommunikation auf allen (sozialen) Medienkanälen zu ihrem Kerngeschäft und Grundverständnis gehört.

Mit der GPTI hat sich ein Branchenverband etabliert, der bei traditionellen Veranstaltungen wie selbstverständlich vertreten ist, eine Meetup-Gruppe lädt zu regelmäßigen Austauschtreffen bundesweit ein, mehrere Einzelinvestoren und Booster unterstützen Gründer bei den ersten Schritten mit Geld und Erfahrung. Mit der Aufmerksamkeit steigt auch die – zunächst abstrakte – Nachfrage von etablierter Seite, wie Ubach-Utermöhl beobachtet.

„Wir erhalten vermehrt Anfragen von Verbänden, die bestimmte Strukturen und Entwicklungen verstehen wollen.“ Blackprint-Geschäftsführer Alexander Ubach-Utermöhl

 

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