10.03.2017 | Digitalisierung

Integrierte Betriebskostenabrechnung: Neue Chancen für Energiedienstleister

Aktuelle Heizungssteuerungsanlagen bieten funk- oder internetgesteuerte Auslesung.
Bild: Corbis

Integrierte Betriebskostenabrechnungen sind eine angenehme Begleiterscheinung der Digitalisierung. Denn der Vollaustausch der Daten steigert die Qualität, senkt die Kosten und ermöglicht neue Servicemodelle. Davon können Energiedienstleister profitieren.

Der Geist ist aus der Flasche: Die Branche steht einer zunehmend größer werdenden Erscheinung namens Digitalisierung gegenüber. Auch die Immobilienwirtschaft wird auf vielen Gebieten davon profitieren. Das gilt besonders für die geforderte Umsetzung vieler gesetzlicher Vorgaben im Rahmen der Energiepolitik, etwa für die Einführung des Smart Metering. Ein zentrales Element der Prozessautomatisierung ist die integrierte Verbrauchsabrechnung. Die technischen Voraussetzungen für den dazu nötigen Datenaustausch zwischen Wohnungsunternehmen und Messdienstleister über standardisierte Schnittstellen sind in den allermeisten wohnungswirtschaftlichen Softwarepaketen heute bereits implementiert.

Betriebskostenabrechnung auf verschiedene Weise möglich

Die konkrete Gestaltung der Abrechnung kann auf verschiedene Weise erfolgen. Die Heizkosten können etwa auf Seiten des Messdienstleisters ermittelt und digital an das Wohnungsunternehmen übertragen werden. Dieses speist sie dann automatisiert zur weiteren Verarbeitung in sein ERP-System oder ein spezielles Verwaltungsprogramm ein. Alternativ pflegt der Dienstleister die fertige Heizkostenabrechnung selbst in die Kundensoftware ein, die dann automatisiert die Betriebskostenabrechnung erstellt. Viele Messdienstleister bieten darüber hinaus die komplette Übernahme der Abrechnungsprozesse an (wie etwa Zusammenführung von Heiz- und Betriebskosten).

Daten werden direkt ins Kundensystem eingestellt

Dabei werden die entsprechenden Daten über speziell für den individuellen Kunden geschaffene Schnittstellen direkt in die Kundensysteme eingestellt. Falls erwünscht und mit der Firmenpolitik vereinbar, betreiben sie sogar die Softwareabläufe der Abrechnungen im System des Kunden. Das setzt allerdings voraus, dass der Dienstleister in gewissem Umfang auf dessen Software zugreifen kann. Basis dieser Verfahren ist ein Vollaustausch der Daten. Das hat den Vorteil, dass die erhobenen Informationen nicht doppelt vorgehalten werden müssen. Zudem sind sie stets auf aktuellem Stand und erlauben sehr kurzfristige Anpassungen.

Energiewende erzwingt Digitalisierung

Doch um die modernsten integrierten Abrechnungsmodelle auch effizient zu nutzen, muss das Wohnungs- oder Verwaltungsunternehmen ein entsprechendes IT-System einsetzen. Auch muss das dafür erforderliche Know-how vorhanden sein. Beides ist erfahrungsgemäß bei vielen Betrieben nicht der Fall. Dennoch sehen die meisten Experten in den digitalisierten Abrechnungsverfahren die Zukunft. Zu eindeutig sind die Vorteile dieser Technologie wie die Verringerung von Aufwand und Kosten sowie ein Gewinn an Transparenz und Flexibilität. Die Fülle und Qualität der im Zusammenhang damit erhobenen Daten ermöglicht es Hausbesitzern und Wohnungsgesellschaften zudem, Verbräuche zu analysieren, wodurch Vorschläge und Handlungsoptionen zur Verbrauchsoptimierung oder Vergleiche und Standardisierungen zwischen unterschiedlichen Liegenschaften möglich werden. Bernd Bosch, technischer Geschäftsführer beim Dienstleistungsunternehmen ABM-Mess Service GmbH, sieht aus diesen Gründen für die Messdienstleister in den kommenden Jahren volle Auftragsbücher voraus.

Transparenz schafft Effizienz

Hartmut Michels, Vorstandsmitglied von Measure-Net, einem Netzwerk unabhängiger Messdienste mit rund 115 mittelständischen Mitgliedern, sieht es ähnlich: „Die Digitalisierung der Verbrauchs- und Abrechnungsprozesse ist ein entscheidendes Element der Energiewendepolitik." Doch es geht laut Michels nicht nur um die Energieverbrauchsproblematik: „Weitere Dienstleistungen können einem einzigen Serviceunternehmen übertragen werden. Dazu zählen etwa die Überprüfung der Trinkwasserqualität und die Installation und Wartung von Rauchmeldern. Für Hausverwaltungen, Immobiliengesellschaften und Eigentümer vereinfachen sich damit die Abrechnungs- und Messprozesse, unnötige Kosten entfallen und die Transparenz der komplexen Abläufe erhöht sich enorm."

Weitere Geschäftsoptionen sind möglich

Eine solch hohe Kompetenz eröffnet den Dienstleistern im Zuge der zunehmenden Integration des Energie- und Ressourcenmanagements weitere Geschäftsoptionen. Experten sehen zukünftig ein großes Potenzial für eine noch viel weitergehende Integration aller in der Wohnungs- und Immobilienbranche tätigen Akteure.  Analysen, Servicelevelkontrollen und Organisation von Mieterwechseln – all dies könnte bald eine selbstverständliche Aufgabe für Messdienstleister sein. Außerdem droht die Smart City. Dort werden neben dem viel zitierten Smart Home auch die Bereiche Mobilität, Gesundheitsversorgung und Verwaltung mit integriert werden.

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Betriebskostenabrechnung

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