13.11.2015 | Mietrecht

Stehpinkler haftet nicht für Schäden am Marmorboden

Urinieren in einer aufrechten Körperhaltung ist bei männlichen Personen nicht unüblich... Diese Einsicht wurde nun auch vom Landgericht Düsseldorf bestätigt.
Bild: MEV Verlag GmbH

Entwarnung für Stehpinkler - vorerst. Auch das Landgericht Düsseldorf als Berufungsgericht will den Stehpinkler nicht "in die Knie zwingen", sprich zum Sitzen verdonnern. Jetzt gibt es erste Diskussionen, ob das Problem im Vorfeld mit einer Mietvertagsklausel geregelt werden könnte.

In einer Mietwohnung waren rund um die Toilettenbecken in Bad und Gäste-WC die edlen Marmorböden stumpf und fleckig geworden. Laut eines Experten das Werk eines notorischen Stehpinklers. Dessen Urin hätte im Laufe der Jahre die Oberflächen des Marmorbodens regelrecht verätzt. Bei Auszug des Mieters wollte sich die Vermieterin schadlos halten und behielt wegen der Schäden 2.000 Euro von der Kaution ein. Der Vermieter ließ sich das aber nicht gefallen und zog vor Gericht.

Entscheidung des Landesgerichts Düsseldorf

Das LG Düsseldorf gab dem Mieter Recht und die Vermieterin bleibt auf ihrem Schaden sitzen. Das Gericht verweist in seiner Begründung darauf, dass das Urinieren in einer aufrechten Körperhaltung bei männlichen Personen nicht unüblich ist. Deshalb müsse ein Vermieter mit Stehpinklern rechnen. Vom Stehpinkler dagegen könne nicht erwartet werden, dass ihm die Empfindlichkeit dieses Bodens bekannt ist. Verbaut deshalb ein Vermieter einen derart empfindlichen Bodenbelag, geschieht das auf eigenes Risiko.

Das Gericht will seine Entscheidung aber nicht als Präzedenzfall verstanden wissen. Es weist auch darauf hin, dass dieser Fall womöglich anders entschieden worden wäre, wenn die Vermieterin im Mietvertrag ausdrücklich auf die Empfindlichkeit des Bodens hingewiesen hätte.

Entscheidung der Vorinstanz

Schon das Urteil der Vorinstanz hatte im Januar ziemliche "Wellen" geschlagen, und zwar nicht nur in Deutschland. Wörtlich hatte es in diesem Urteil geheißen: "Trotz der in diesem Zusammenhang zunehmenden Domestizierung des Mannes ist das Urinieren im Stehen durchaus noch weit verbreitet. Jemand, der diesen früher herrschenden Brauch noch ausübt, muss zwar regelmäßig mit bisweilen erheblichen Auseinandersetzungen mit - insbesondere weiblichen - Mitbewohnern, nicht aber mit einer Verätzung des im Badezimmer oder Gäste-WC verlegten Marmorbodens rechnen."

Das Berufungsurteil des LG Düsseldorf bestätigt nun die Kernaussage dieses vorangegangenen Urteils.

(LG Düsseldorf, Urteil v. 12.11.2015)

Schlagworte zum Thema:  Mietrecht, Wohnung

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