| Mietrecht

Mieter muss Schäden durch Hund vermeiden

Auch wenn der Hund noch so treu schaut: Schäden muss der Vermieter nicht akzeptieren
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Der Mieter einer Wohnung muss auch bei erlaubter Hundehaltung dafür sorgen, die Mietsache im Rahmen des ihm Zumutbaren vor Schäden durch den Hund zu bewahren.

Hintergrund

Der Vermieter und der Mieter einer Wohnung streiten um Schadensersatz wegen Schäden, die der Hund des Mieters verursacht hat.

Der Mieter hielt in der Wohnung mit Einwilligung des Beklagten einen Labrador. Während des elfmonatigen Mietverhältnisses verursachte der Hund durch seine alltäglichen Bewegungen mit seinen Krallen erhebliche, teilweise 10 cm lange Kratzer auf dem Parkett. Der Mieter ersetzte die Kosten, die für die Instandsetzung des Bodens erforderlich waren und verlangt nun vom Vermieter, dass er diese zurückzahlt. Er meint, bei den Kratzern handle es sich um eine normale Abnutzung der Mietsache.

Entscheidung

Die Klage auf Rückzahlung hat keinen Erfolg, denn der Vermieter konnte wegen der Kratzer auf dem Parkett Schadensersatz verlangen. Der Mieter hat schuldhaft gegen seine Obhutspflicht verstoßen.

Ebenso wie der Vermieter ist auch der Mieter zu Schutz und Fürsorge hinsichtlich seines Vertragspartners und der Mietsache verpflichtet. Er muss die Mietsache schonend und pfleglich behandeln und alles unterlassen, was zu einem Schaden führen kann. Die Obhutspflicht beschränkt sich nicht nur auf das Unterlassen von Beschädigungen der Mietsache, sondern verlangt im zumutbaren und gebotenen Umfang auch ein positives Tun des Mieters zur Schadensvermeidung bzw. -abwendung.

Eine Verletzung dieser Obhutspflicht und damit auch Schadensersatz kommen nicht in Betracht, wenn es sich um eine Abnutzung der Mietsache im Rahmen des vertragsgemäßen Gebrauchs gehandelt hätte. Das ist hier aber nicht der Fall. Denn die Frage danach, welchen Inhalt und Umfang die vertragsgemäße Nutzung hat, ist unter Berücksichtigung des Interesses des Mieters an einer möglichst uneingeschränkten Nutzung der Wohnung einerseits, und des Interesses des Vermieters am Erhalt der Mietsache andererseits zu beantworten. Das dabei entstehende Spannungsverhältnis ist unter Berücksichtigung des konkreten Vertragsinhalts aufzulösen.

Erlaubnis zur Hundehaltung entbindet nicht von Verantwortung für Schäden

Zwar war dem Mieter die Haltung des Labradors ausdrücklich erlaubt worden, jedoch stellt ihn diese Erlaubnis nicht von jeglicher Verantwortung für Schäden, die durch den Hund hervorgerufen werden können, frei. Er blieb vielmehr aufgrund seiner Obhutspflicht aufgefordert, im Rahmen des ihm Zumutbaren die Mietsache vor Schäden auch durch den Hund zu bewahren. Der Mieter hätte daher Gegenmaßnahmen ergreifen müssen, nachdem er festgestellt hatte, dass der Hund mit seinen Krallen Kratzer verursacht.

Der Mieter hätte etwa den Hund nur in bestimmten Räumen halten können oder den Boden mit Teppich abdecken können. Alternativ hätte er die Krallen des Hundes mit Kratzschutz, etwa im Handel erhältlichen Hundesocken ausstatten können. All dies hätte das Recht des Mieters, die Wohnung mit seinem Hund zu nutzen, nur unwesentlich eingeschränkt.

(LG Koblenz, Urteil v. 6.5.2014, 6 S 45/14)

Schlagworte zum Thema:  Tierhaltung, Hundehaltung, Mietrecht, Schadensersatz

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