Neben sinkenden Verbräuchen und zunehmender Digitalisierung droht den Messdienstleistern auch noch Ärger von ganz anderer Seiter: dem Bundeskartellamt. Eine Sektoruntersuchung, die von 2015 bis 2017 lief, kam zu dem Schluss, dass der Markt unter wenigen Firmen aufgeteilt ist.

„Die beiden größten Anbieter Techem und ista haben einen Marktanteil von 50 bis 60 Prozent.“ Schätzung des Bundes der Energieverbraucher

Die beiden größten der Messdienstleister erleben zudem turbulente Zeiten. Ista wurde letztes Jahr von dem Hongkonger Milliardär Li Ka-shing für geschätzte 5,8 Milliarden Euro gekauft. Für Techem wird derzeit ein Käufer gesucht. Als Gründe nennen Experten eine ungewisse Zukunft sowohl durch die Digitalisierung als auch die Kartellamtsvorgaben.

Nähme man noch Brunata und Minol hinzu, dann hätten diese vier Unternehmen einen Marktanteil von 70 bis 80 Prozent und gelten somit als marktbeherrschend im Sinne des Kartellrechts (§ 18 Abs. 6 GWB), so der Bund der Energieverbraucher weiter. Diese machten sich logischerweise wenig Konkurrenz, was letztlich zu überhöhten Preisen führte.

Die Verbraucherschützer sprechen gar von „Traumrenditen“.

Kartellamt empfiehlt Aufweichen der Marktstruktur

Auch wenn es keinen Missbrauch erkennt, empfiehlt das Bundeskartellamt Maßnahmen, mit denen diese Marktstruktur aufgeweicht werden kann. Dazu zählen die Interoperabilität von Zählern, sodass diese auch von anderen Anbietern genutzt werden können, die Vereinheitlichung der Eichfristen und Nutzungsdauern sowie eine verbesserte Transparenz für die Wohnungsmieter durch Informationsrechte und Ausschreibungspflichten. All das sind auch Bereiche, die sich mit der Digitalisierung überschneiden.

Stimmen aus der Branche

Die Messdienstleister selbst sehen im Übrigen die Untersuchung des Kartellamtes überwiegend positiv. Einige Stimmen aus der Branche:

Dr. Torben Pfau, Senior Manager Media Relations, ista International:

„Der Bericht ist aus unserer Sicht positiv, weil er bestehende Vorurteile gegen die Submetering-Branche widerlegt. Die umfassende Untersuchung ergab erwartungsgemäß, dass die Anbieter sich wettbewerbskonform verhalten. Es gibt keinen Marktmissbrauch. Die Empfehlungen, den Submetering-Markt noch transparenter und verbraucherfreundlicher zu gestalten, unterstützen wir. Transparenz für den Verbraucher ist dabei ebenso wichtig wie eine einheitliche und verlässliche Definition von Interoperabilität.“

 Oliver Geer, Technischer Geschäftsführer, Brunata-Metrona:

„Wir stehen zu freiem Wettbewerb in einem offenen Markt. Wir gehen davon aus, dass die Interoperabilität von Zählern steigen wird. Treiber hierfür ist die Digitalisierung. Bereits heute harmonisieren wir Austauschfristen unterschiedlicher Geräte. Dadurch halten wir Kosten und Aufwand für Verwalter und Nutzer so gering wie möglich. Unser Anspruch ist Qualitätsführerschaft zu wettbewerbsfähigen Preisen. Wir werden auch dann erfolgreich am Markt agieren, wenn die Anregungen des Bundeskartellamts umgesetzt würden.“

 Beate Reins, Senior Corporate Communications Manager, Techem Energy:

„Die Impulse des Bundeskartellamtes zur Veränderung des Marktumfelds in Richtung stärker vereinheitlichter Standards sind positiv. Damit gehen mehr Möglichkeiten für alle Marktteilnehmer einher. Interoperabilität von Geräten schafft für die Anbieter neues Differenzierungspotenzial. Techem hat in den vergangenen Jahren in einer europäischen Initiative die Entwicklung eines einheitlichen, europaweit offenen Standards für Funkfernerfassung mit vorangetrieben. Darauf hat auch das Bundeskartellamt in seinem Bericht hingewiesen.“

 Frank Peters, Communications,  Minol Messtechnik W. Lehmann:

„Mit neuen Technologien ist Minol schon heute bestens aufgestellt. Der Bereitsteller von Verbrauchsergebnissen muss nicht mehr zwingend der Abrechner sein. Die Vereinheitlichung der Eichfristen und Nutzungsdauer von Zählern befürworten wir. Die Ausschreibung von Serviceleistungen ist schon  gang und gäbe. Wir sehen es unkritisch, wenn unsere Angebote nicht nur beim Verwalter und Vermieter, sondern auch beim Mieter im Wettbewerb bestehen müssten.“

Schlagworte zum Thema:  Immobilienverwaltung, Energiemanagement