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Mehrwert entsteht im Dialog

Immobilienwirtschaftliche Softwaresysteme. Der Vorstandsvorsitzende der Aareon AG im Interview über das erklärte Ende von WohnData, den Zulauf zu Wodis Sigma und ein neues Konzept für den diesjährigen Aareon-Kongress vom 19.–21. Mai 2010.

Herr Dr. Alflen, wie stehen Sie zum geplanten Ende von WohnData im Jahr 2011.
Dr. Alflen: Wir haben zu unseren WohnData-Kunden seit vielen Jahren ein ausgesprochen vertrauensvolles Verhältnis. Das zeigte sich auch bei den 2006 abgeschlossenen Dienstleistungsverträgen für die Software-Pflege, die nach wie vor laufen. Dabei wurde vereinbart, die weitere Laufzeit im Jahr 2009 zu besprechen. Das haben wir dann auch getan. Im Ergebnis stimmten WohnData-Beirat und Aareon überein: Die Kunden sollten ihre neue IT-Strategie festlegen, ihre Software-Auswahl treffen und ein Umstellungsprojekt für 2010/2011 vereinbaren.

Überwiegt Bitternis angesichts erheblicher Abwanderungstendenzen seitens der Kunden?
Dr. Alflen: Zahlreiche Kunden folgen diesem Rat. Mit der WBG Nürnberg GmbH hat sich einer der größten WohnData-Kunden für Wodis Sigma entschieden - übrigens unter der Geschäftsleitung des WohnData-Beiratssprechers. Und auch der jüngste Kundengewinn, die Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft mbH, Berlin, zählt zu den renommierten Adressen in der deutschen Wohnungswirtschaft. Ich sehe darin ein klares Zeichen des Vertrauens.

Kann nicht bei einem Systemwechsel jeder Kunde genauso gut auch zu einem anderen Anbieter wechseln?
Dr. Alflen: Wir haben die Notwendigkeit eines Systemwechsels erläutert und bieten unseren WohnData-Kunden eine langfristige und zukunftssichere Perspektive. Dies ist von unseren Kunden verstanden worden. Anders als bei anderen Systemhäusern haben sie bei Aareon die Wahl, entweder eine SAP®-basierte Lösung einzusetzen oder ein Branchenprodukt, das auf einer modernen und zukunftsorientierten Technologieplattform entwickelt wurde.

Sehen Sie sich vom Markt bestätigt in Ihrer Investitionszurückhaltung bei Blue Eagle?
Dr. Alflen: So, wie ich den Markt überblicke, investiert kein anderer SAP-Partner auch nur annähernd so viel in die Weiterentwicklung seiner Lösungen wie Aareon. Seitens SAP ist kommuniziert worden, dass die Re-Entwicklung als abgeschlossen angesehen wird.

Das heißt, Sie entwickeln nun selbst weiter?
Dr. Alflen: Vor diesem Hintergrund haben wir erheblich in die Entwicklung von Beraterlösungen investiert. Diese haben wir gemeinsam mit Kunden in Projekten entwickelt und sie stoßen auf eine sehr positive Resonanz im Markt. Die Beraterlösungen können von unseren SAP®-Kunden, aber auch von den Kunden anderer Systemhäuser implementiert werden. Ein besonders gutes Beispiel für den Mehrwert unserer Beraterlösungen ist die WEG-Verwaltung, die sich gerade bei unseren Pilotkunden bewährt. Aber auch die Beraterlösung rund um das Thema Mietverträge und Beschwerdemanagement schafft deutliche Mehrwerte, die wir weiter ausbauen werden. Auch das pünktlich fertiggestellte und ausgelieferte Blue-Eagle-Release 6.0 hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet. All das ist nur mit erheblichen Investitionen in die Infrastruktur und in das Know-how unserer Mitarbeiter möglich. Das Ergebnis spricht dabei auch für sich: Die größte SAP®-Mannschaft der Immobilienwirtschaft in Deutschland erwirtschaftet einen signifikanten Umsatzbeitrag für die Aareon-Gruppe.

Aber Sie setzen dennoch investitionsseitig verstärkt auf Ihre Neuentwicklung Wodis Sigma?
Dr. Alflen: Dank unserer Größe und Finanzkraft haben wir die Möglichkeit, im Sinne unserer Kunden in erheblichem Maße in unsere Lösungen zu investieren. Dabei haben wir einen Investitionsschwerpunkt auf Wodis Sigma gelegt und unser Branchenprodukt Wodis auf die zukunftsorientierte Plattform „.NET™" von Microsoft® portiert. Das Ergebnis ist unsere neue Produktgeneration Wodis Sigma.

Ist das mehr als alter Wein in neuen Schläuchen?
Dr. Alflen: Die Entwicklung von Wodis zu Wodis Sigma liegt voll im Trend der Software-Technologie, wie uns unabhängige Experten und unsere Kunden bestätigen. Wodis Sigma schafft die Voraussetzung dafür, Immobilienunternehmen effizienter zu führen und zu verwalten. Unter anderem wurde ein neues Bedien­konzept realisiert. Die Entwicklung zielte darauf ab, die Arbeitsproduktivität und die Zufriedenheit der Anwender zu verbessern. Bei allen Neuerungen wurde das Ziel verfolgt, Benutzerfreundlichkeit, Transparenz und Flexibilität des Systems zu erhöhen, unnötige Arbeitsschritte zu vermeiden sowie Schulungs- und Implementierungskosten zu senken.

Wie viele Systeme sind bereits produktiv?
Dr. Alflen: Nicht einmal neun Monate nach der Ankündigung der neuen Produktgeneration arbeiten bereits 14 Kunden mit Wodis Sigma und sind begeistert. Wir haben nicht nur viel Geld, sondern auch jede Menge Zeit und Herzblut in Wodis Sigma investiert.
Wie viele Vorverträge haben Sie bereits abgeschlossen?
Dr. Alflen: Die Dynamik, mit der Wodis Sigma im Markt aufgenommen wurde, ist phänomenal! Wir haben inzwischen bereits rund 240 Verträge mit mehr als 750.000 Wohneinheiten für Wodis Sigma abgeschlossen. Das sind in diesen Krisenzeiten ganz neue Dimensionen. Die große Mehrheit sind Unternehmen, die bereits auf Wodis setzten.

Wie teilen diese sich in Neukunden und Wechsler?
Dr. Alflen: Wir konnten zahlreiche Neukunden gewinnen: Unter anderem die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft „Stadt Cottbus" eG, die Kölner Hausbau GmbH, die Volkswohl Bund Versicherungen a.G., die Krüger Immobilienservice GmbH und viele weitere mehr. Die sonstigen Wodis-Sigma-Kunden sind überwiegend WohnData-Anwender. Wir freuen uns über diesen großen Auftragsbestand. Unsere erfahrenen Berater werden einen Großteil der Implementierungen im Jahr 2010 realisieren.

Wie verändert sich der diesjährige ­Aareon Kongress mit dem ambitionierten Motto „Zeitenwende"?
Dr. Alflen: Wir haben anlässlich seines 20. Jubiläums das gesamte Veranstaltungskonzept auf den Prüfstand gestellt. Ziel ist es, klare Mehrwerte zu liefern, die die Entscheider der Immobilienunternehmen so komprimiert nur in Garmisch erhalten. Unter dem Motto „Zeitenwende" haben wir ein spannendes Paket geschnürt.

Welcher Mehrwert wird denn thematisch geboten?
Dr. Alflen: In den Themenblöcken „Informationstechnologie", „Wirtschaft & Politik" sowie „Gesellschaft & Ökologie" diskutieren hochkarätige Redner wie Joschka Fischer, Bundesaußenminister a. D., Dr. Gerhard Knies, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Desertec Foundation (Projekt: Strom aus der Sahara), oder Ralph Haupter, Chief-Operating-Officer und Mitglied der Geschäftsleitung, Microsoft Deutschland GmbH, mit den Entscheidern der Immobilienwirtschaft Lösungsansätze für die wichtigsten Fragestellungen der Zukunft. Der Fokus liegt dabei auf Nachhaltigkeit - in all ihren unterschiedlichen Facetten. Krönender Abschluss des Kongresses ist eine spannende Podiumsdiskussion der Hauptreferenten mit Lutz Freitag, Präsident des GdW, und Sven Korndörffer, Sprecher des Vorstands der Wertekommission - Initiative Wertebewusste Führung e.V.

Was bedeutet der Mehrwertansatz für die Workshops bis in den Abend hinein?
Dr. Alflen: Der Aareon-Kongress wird ein Ort der Begegnung führender Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sein. Statt zu einer IT-Messe empfangen unsere Berater unsere Kunden zum Dialog. Wir interessieren uns für die Ziele unserer Kunden und zeigen auf, welchen Beitrag wir mit unserem Wissen leisten können, Immobilienunternehmen bei der Erreichung ihrer Ziele wirkungsvoll zu unterstützen. Last, not least sorgen das Rahmenprogramm und die Abendveranstaltungen für Entspannung und gute Laune: Die Besucher erleben den Auftakt vor der Kulisse der neuen Olympia-Skisprungschanze. Höhepunkt des Galaabends ist neben einer besonderen Inszenierung der Verleihung des DW-Zukunftspreises die britische Pop-Ikone Kim Wilde. Meine Mitarbeiter und ich freuen uns jedenfalls sehr, Gastgeber für die Branche in Garmisch-Partenkirchen zu sein. |

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