14.10.2015 | Serie Kuriose Fälle vor Gericht - Auch das noch

Teures Gras

Serienelemente
Stromversorger deckt Cannabisplantage auf.
Bild: Michael Bamberger

Kuriose Fälle vor Gericht: Über 50.000 Euro Stromnachzahlungen muss ein Hobbygärtner für ein ganz besonderes Gartenprojekt leisten.

Teuer zu stehen kamen einen Mieter seine gärtnerischen Aktivitäten in einem Fall, den das OLG Hamm auf dem Tisch hatte.

In einer seit Juli 2007 gemieteten Wohnung hob die Polizei im August 2009 eine Cannabisplantage aus. Der Stromzähler war so manipuliert, dass dieser den Strom für Lampe, Ventilatoren usw., die die Pflanzen zum Wachstum anregten, nicht erfasste. Der Stromversorger schätzte den Verbrauch der vorgefundenen Gerätschaften und verlangt für 2007 bis 2009 über 50.000 Euro Stromkosten. Der Mieter behauptet, er habe erst 2009 mit dem Anbau begonnen und die Geräte keineswegs im Dauerbetrieb gehabt.

„Der Mieter muss zahlen“, sagte das OLG Hamm (Urteil v. 7.12.2012, I-19 U 69/11). Bei einem manipulierten Zähler darf der Versorger den Verbrauch schätzen. Ist der Verbraucher mit der Schätzung nicht einverstanden, liegt es an ihm nachzuweisen, dass er weniger verbraucht hat. Pech für den Mieter: Da er weder beweisen konnte, dass er die Wohnung nicht von Anfang an zum Cannabisanbau verwendet hat noch die Gerätschaften nicht ununterbrochen in Betrieb hatte, geht die Stromrechnung größtenteils mit ihm nach Hause. Nur eine „Aufbauzeit“ von 7 Wochen ohne Stromverbrauch gestand das Gericht dem Mieter zu.

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