27.11.2014 | Digital Real Estate

Kolumne: Die neue Konvergenz in der Immobilienwirtschaft

Der Autor: Nicolas Schulmann, Vorstand FIO SYSTEMS AG
Bild: Kai Bergmann

Die Branche kann sich auf die neuen Technologien freuen. Denn sie lassen sich auch in der Immobilienwirtschaft gewinnbringend einsetzen.

Der technologische Fortschritt hat nicht nur unser Privatleben beeinflusst, sondern auch zu einem Wandel der Arbeitswelt geführt. Die Anforderungen an IT-Lösungen steigen zunehmend. Dies geschieht nicht nur in prozessualer Hinsicht, sondern wird zusätzlich durch die an Schlagzahl zunehmenden Vorschriften seitens der Gesetzgebung forciert. Hier seien exemplarisch nur die neue Energieeinsparverordnung (EnEV 2014), die neue Verbraucherrichtlinie oder die SEPA Umstellung genannt. Zudem müssen sich die Systeme flexibel an Unternehmensanforderungen anpassen und gleichzeitig immer stärker werdenden Sicherheitsaspekten gerecht werden. Die Lösungen sollten auch in der Arbeitswelt von überall aufrufbar sein und zentralen aber gesicherten Zugriff auf die stets aktuellen Daten gewährleisten. Nicht zu vernachlässigen ist des Weiteren die Usability. Die Software muss auf einer Vielzahl unterschiedlichster Endgeräte korrekt angezeigt werden und intuitiv erlernbar sein, um die Bedienbarkeit sicherzustellen. In der Immobilienwirtschaft kann die Mehrzahl der schon länger auf dem Markt existierenden Lösungen mit dieser Entwicklung nicht mehr Schritt halten. Das gilt insbesondere für die Immobilienwirtschaft entwickelten Kernsysteme.

Gerade in der Immobilienwirtschaft ist mobiles Arbeiten besonders wichtig, viele Tätigkeiten sollten direkt vor Ort stattfinden, wenn es die genutzte Software unter Usability-Aspekten zulässt und nicht mit Sicherheitsvorkehrungen konterkariert. Wohnungsabnahmen, Besichtigungs- und Vermietungsprotokolle, die Aufnahme von Schäden oder das Ablesen von Zählerständen können so bequem an der Immobilie durchgeführt und sofort in die Anwendung geschrieben werden. Die Daten werden dann sofort im System aktualisiert und können bei Bedarf umgehend im Büro weiter bearbeitet werden. Dieses medienbruchfreie Arbeiten spart Zeit, steigert die Servicequalität und minimiert gleichzeitig Fehlerquoten. Hier entsteht endlich wieder eine echte win-win-Situation für alle Anwender.

Sicher in der Cloud. Ein Widerspruch?

Ohne webbasierte Systeme sind die soeben genannten Prozesse so aber kaum noch möglich. Bisher verwendete Virtualisierungslösungen stellen keine wirkliche Alternative dar, da sie weder das Kernproblem lösen, nämlich eine für den mobilen und dezentralen Betrieb optimierte Software bereitzustellen, noch unter Usability-Gesichtspunkten eine echte Alternative für die mobilen Prozesse darstellen. Das Vertrauen in webbasierte Systeme nimmt inzwischen auch bei konservativen Unternehmen zu. Eine zentrale Datenhaltung über die Cloud ist sehr sicher, wenn die Daten an einem sicheren Standort und mit transparenter Struktur gehostet werden. Immer wichtiger wird dabei, dass die Daten in Deutschland gehostet werden. In einigen Fällen sind die Rechenzentren von Anbietern webbasierter Systeme hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit zertifiziert (z. B. nach IDW PS 951). Den gleichen hohen Maßstab wie für das Hosting von Daten in der Cloud sollte man für den sicheren Austausch der Daten zwischen Browser und Server ansetzen. Hier wird heute als Mindeststandard auf das Verschlüsseln des Datenstroms mittels ssl gesetzt.

HTML 5 auf dem Vormarsch

Dass die Nutzung von Apps auf Smartphones oder Tablets durch die damit verbundene lokale Datenhaltung nicht besonders sicher ist, hat so manches Unternehmen bereits schmerzhaft erfahren müssen, so dass dieser Trend rückläufig ist und immer mehr Unternehmen auf die klassischen Apps verzichten. Dabei muss aber nicht auf den Vorteil verzichtet werden, den diese Softwareapplikationen mit sich bringen, da sie mobiles Arbeiten auf kleinen und leichten Geräten ermöglichen. Die klassischen nativen Apps werden zunehmend von WebApps abgelöst. Bei den WebApps werden die Vorteile der nativen Apps mit der Möglichkeit einer sicheren, zentralen Datenhaltung verbunden. Zudem müssen sie nicht für jedes Betriebssystem individuell programmiert werden, was die Entwicklungszeiten drastisch verkürzt. Die Webcommunity in Form des World Wide Web Consortiums (W3C) hat sich inzwischen auch zu einem neuen Standard für HTML5 durchgerungen, welcher seit dem 28. Oktober 2014 beschlossen ist. Dadurch werden vor allem schnelle Antwortzeiten und die Touchfähigkeit von Anwendungen in Hinblick auf den mobilen Betrieb berücksichtigt und so Softwareherstellern die Entwicklung solcher Anwendungen auf einem einheitlichen Standard ermöglicht. Aber auch die optimale Darstellung von Anwendungen auf unterschiedlichsten Endgeräten vom Smartphone über Tablets bis hin zu großen Monitoren mit 4K Auflösungen wird durch die Unterstützung von Javascript Rechnung getragen. Dadurch ist die Bereitstellung von intelligenten Oberflächen möglich, welche sich jeweils optimal an das gerade benutzte Endgerät anpassen (Responsive Design), das lästige Scrollen und Zoomen durch die Anwendung entfällt.

Neue Software, neue Hardware?

Im Gleichschritt zur Konvergenz der Softwarelandschaft kommen nun auch die Hardwareanbieter mit den passenden Endgeräten. Viele Hersteller, die den Tabletboom nicht mitgemacht oder verschlafen haben, sehen nun ihre Chance, den Businessanwender mit einer neuen Generation von Geräten zu beglücken. Und die Chancen dafür stehen gut, denn wer eine einheitliche Softwareumgebung in seinem Unternehmen erreichen möchte, möchte weder heterogene App-Landschaften noch verschiedene Betriebssysteme in seinem Hardwarepark sehen. Da kommt die neue Generation der Convertibles gerade zum richtigen Zeitpunkt. Ein Notebook, gleichzeitig dünn wie ein Tablet und trotzdem in einem Handgriff zum Multimediatablet umfunktionierbar? Genau das leistet die neue Geräteklasse von Herstellern wie Lenovo (YOGA, Helix), ASUS (Transformer), Microsoft (Surface 3) und einiger anderer. Die laufenden Kosten für Hardware und Administration werden so langfristig in Grenzen gehalten, ohne auf den neuen Bedienluxus der Mobilität verzichten zu müssen. Die meisten Geräte befinden sich dabei in der 1000 g Klasse und sind somit bequem in einer Hand zu tragen. Viele Hersteller bieten auch passende Dockinglösungen für den Bürobetrieb an, so dass auch der bequeme Arbeitsplatz mit großer Tastatur und Bildschirm nicht zu einer Steckerorgie wird.

Natürlich hat alles seinen Preis und ein gut ausgestattetes Gerät mit Zubehör kostet auch hier leicht 1300-1600 Euro. Doch wer alleine die Einmalkosten für Tablet und PC vergleicht, stellt fest, dass sich der Betrieb schon bei den Anschaffungskosten rechnen kann. Und wem das noch nicht reicht, der kann mit der Investition auf Anfang nächsten Jahres warten, denn dann sind bereits neue Geräte etwa von Lenovo angekündigt, welche die Preise für die jetzige Produktreihe deutlich verringern werden.

Fazit

Systemlandschaften, die Sie gleichzeitig in die Lage versetzen, mobil und kosteneffizient zu arbeiten, die sich dabei optimal auf verschiedenste Endgeräte anpassen und zugleich hohen Sicherheitsvorschriften gerecht werden, sind keine Zukunftsmusik, sondern kommen zunehmend auf den Markt und geben Ihnen die richtigen Antworten auf die Herausforderungen des mobilen Arbeitens.

Diese Kolumne ist Teil einer Serie zum Thema "Digital Real Estate". Klicken Sie, um die anderen Beiträge zu lesen.

Schlagworte zum Thema:  Digital Real Estate, Immobilien-App, Immobilien-Software, Cloud

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