Deutschland ist noch Entwicklungsland in Sachen Elektromobilität Bild: Kurt F. Domnik ⁄

Eine Million – eine beinahe schon magische Zahl. Eine Million Euro können Sie bei Spielshows gewinnen, eine Million Euro sind oft im Jackpot und eine Million Elektroautos sollen bis 2020 auf deutschen Straßen fahren: Geräuschlos, emissionsarm und klimafreundlich. Doch zum 1.1.2017 waren gerade einmal rund 34.000 Stromer unterwegs. Die politische Zielmarke der Bundesregierung von einer Million E-Fahrzeugen rückt somit in weite Ferne. Ein Kommentar.

Peinlich! Vor allem für die Klimakanzlerin, die mit dieser Zielsetzung die neue Mobilität auf die Straße bringen wollte. In Anbetracht der vielfältigen Probleme, denen sich die Autofahrer gegenübersehen, ist dies jedoch nicht verwunderlich. Die Anschaffungskosten für E-Fahrzeuge sind hoch, die Reichweiten oftmals mau und die Ladeinfrastruktur steckt noch immer in den Kinderschuhen.

Was muss sich ändern?

In Sachen Reichweite sind die Autohersteller und die Batterieentwickler gefragt. Die Bundesregierung und die Hersteller unterstützen Kaufwillige zwar mit einem „Umweltbonus“ von bis zu 4.000 Euro und Steuererleichterungen, aber das eigentliche Problem löst diese Finanzspritze nicht:

Wo lade ich das Fahrzeug, wenn ich in einem Mehrfamilienhaus wohne und die nächste öffentliche Ladesäule rund einen Kilometer entfernt ist?


Die private Ladeinfrastruktur wird somit zur „Achillesferse“ der E-Mobil-Wende. Zwar fördert die Bundesregierung den Ausbau öffentlicher Ladestationen mit 300 Millionen Euro, aber ein Kaufanreiz ist das für den privaten Nutzer kaum. Schließlich parken wir Deutschen unsere Autos am liebsten vor der eigenen Haustür – und nicht vier Ecken weiter. Doch genau hier schlummert wertvolles Potenzial! Vor allem in Wohnungseigentümergemeinschaften.

Rechtslage nicht eindeutig

Doch die rund 1,8 Millionen Wohnungseigentümergemeinschaften in Deutschland bleiben zurückhaltend. Kein Wunder, denn die Rechtslage ist nicht eindeutig. Und auch das häusliche Stromnetz ist zumeist nicht für das Aufladen von Stromern geeignet.

Sollte mehr als ein Eigentümer oder Mieter ein E-Fahrzeug zur gleichen Zeit aufladen wollen, drohen Sicherheitsrisiken und der „Blackout“.


Das bedeutet: Umbau und damit Kosten, denn die häuslichen Ladestationen benötigen einen entsprechend starken Stromanschluss. Diese Kosten scheuen jedoch viele Eigentümer. Die Folge ist: Miteigentümer verweigern ihre Zustimmung zu den erforderlichen Maßnahmen in der Tiefgarage oder auf dem Parkplatz. Nach aktueller Rechtslage kann ein Umbau aber ohne „grünes Licht“ der Miteigentümer nicht durchgeführt werden.

Sofort- oder Anreizprogramm von der Bundesregierung gefordert

Wir fordern daher von der Bundesregierung ein Sofort- oder Anreizprogramm in Höhe von 100 Millionen Euro, das speziell Wohnungseigentümergemeinschaften in Mehrfamilienhäusern bei der Installation privater Ladeinfrastruktur finanziell fördert. Nur so können die Besitzer der mehr als neun Millionen Eigentumswohnungen in Deutschland zu einem Katalysator der E-Mobil-Wende werden. Jede Menge Hausaufgaben für die neue Bundesregierung also. Sonst bleibt Deutschland Entwicklungsland in Sachen Elektromobilität.

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Schlagworte zum Thema:  Elektroauto, Wohnungseigentumsrecht

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