PropTechs haben oft das zentrale Problem vieler Verwaltungen nicht im Blick: die Schnittstellen zwischen Daten. Bild: Haufe Online Redaktion

Zahlreiche Startups versuchen, Immobilienverwaltern die tägliche Arbeit zu erleichtern. Wichtige Betätigungsfelder sind Schließsysteme, Gemeinschaftswaschmaschinen und das Management von Aufzügen sowie Apps zu Kommunikation und Vernetzung. Wer von den PropTechs aber am Markt auf Dauer erfolgreich sein will, braucht Branchenkenntnis – und die Lösung für konkrete Probleme, die zur Unternehmensstruktur des Kunden passen.

Die Situation ist so allgegenwärtig wie nervenaufreibend: Auf dem linken Arm sitzt ein Kind, an der rechten Hand zieht die Einkaufstüte, und der Wohnungsschlüssel versteckt sich irgendwo in der Schultertasche mit den Bürosachen.

"Die Marktlücke war so groß, dass sich uns das Problem förmlich aufdrängte", erzählt Christian Bogatu.

Fünf Jahre später ist seine Lösung preisgekrönt: Kiwi, ein schlüsselloses Zugangssystem zu Mehrfamilienhaustüren. Damit war Bogatu einer der PropTech-Pioniere im Verwaltungsgeschäft, lange bevor der Begriff rund um digitale Makler-Alternativen Karriere machte.

Mittlerweile tummeln sich im Umfeld von Immobilienverwaltern Dutzende Startup- und Softwareunternehmen, die mit ihrer schlanken Struktur und innovativen Angeboten die Branche aufmischen. Neben konkreten Anwendungen wie die von Kiwi zielten die meisten auf ein Optimieren der Prozesse ab, erklärt der Marktbeobachter Jonas Haberkorn. Er liefert mit seinem Blog Gewerbe-quadrat.de einen monatlichen Überblick über die Startup-Szene.

"Im Property Management spielt sich viel in Kommunikationslösungen ab, die mehr oder weniger die Prozesse einer Hausverwaltung abbilden."

Nicht jede Lösung passt zum Problem

Ein genaues Erfassen der Digitalfirmen fällt nicht nur deswegen schwer, weil Startups auftauchen und genauso schnell wieder verschwinden. Häufig sind ihre Produkte und Dienstleistungen auch nicht auf einzelne Branchen und Geschäftszweige zugeschnitten – was wiederum ihren Auftritt am Markt erschwert, wie Martin Kaßler sagt.

Der Geschäftsführer des Dachverbands Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) erhält zwei bis drei Anfragen pro Woche aus dem PropTech-Bereich. "Das Produkt ist oft gut, aber nicht angepasst. Man versucht, eine Lösung anzubieten, ohne zu wissen, ob man das Problem getroffen hat", sagt Kaßler.

Erfolg verspricht hingegen die Idee, die auf ein konkretes Kundenproblem reagiert.

Oracom beispielsweise ist entstanden, als eine Hausverwaltung vor mehr als zehn Jahren die Kommunikation mit ihren Mietern auslagern wollte. Inzwischen betreut das Unternehmen mit Sitz in Berlin mehr als 300.000 Wohneinheiten.

Bei Immosolve war es das Hamburger Wohnungsunternehmen Saga, das angesichts der Bewerberflut auf die kommunalen Wohnungen nach einer Verwaltungs-IT gesucht hat. So ist ein digitales Interessenten-Management entstanden, das Bewerber-Wartelisten ablöst und dafür sorgt, dass alle Mitarbeiter standortübergreifend mit einem einheitlichen System in der Vermietung arbeiten können. Seit drei Jahren gehört die inzwischen 25 Mitarbeiter umfassende Firma mehrheitlich zum Portal Immonet / Immowelt.

Binnenkenntnis zahlt sich in der Verwalterbranche mit ihrer vielschichtigen Unternehmer- und Aufgabenstruktur ebenfalls aus. Wie bei Kiwi-Gründer Bogatu, der zuvor eine Firma für Sicherheitstechnik aufgebaut hatte. Mit Spannung wird der Markteintritt des Startups WeWash beobachtet, einer Ausgründung der BSH Hausgeräte GmbH. Gründer Philip Laukart saß nach Feierabend mit Kollegen in einem Münchner Biergarten, als ihnen die Idee zu der Weiterentwicklung kam. Immer wieder waren sie bei Aufträgen auf Probleme in den für München typischen Gemeinschaftswaschkellern gestoßen. WeWash digitalisiert Buchung und Nutzung der Maschinen, zur Entlastung von Hausverwaltern und Mietern.

Startups für Kommunikation

Andere Startups fokussieren auf die Kommunikation zwischen Verwaltern, Handwerkern und Technikern. Simplifa etwa kümmert sich um das Management von Aufzügen. Gründer Ludwig von Busse kommt vom Aufzugsbau. Auch deswegen war ihm klar, wie bedeutend das analoge Geschäft für die Branche nach wie vor ist. "Wir beraten, uns kann man anrufen, wir schauen uns die Anlage vor Ort an", sagt von Busse.

Click to tweet

Simplifa filmt die Aufzugsanlagen, so können sie Techniker ohne großen Aufwand begutachten. "Insofern professionalisieren wir eine Dienstleistung des Hausverwalters, was diese erleichtert und bei deren Kunden einen guten Eindruck hinterlässt", sagt von Busse.

Vernetzen, beraten, Ängste nehmen

Zu Startups, die ebenfalls auf das Vereinfachen von Kommunikationsprozessen setzen, zählen etwa Casavi, Cunio, Lireco und Diimt. Casavi vernetzt Akteure rund um die Immobilie – Verwalter mit Eigentümern und Mietern, Hausmeister mit Energieversorgern oder Gebäudeversicherern. Das zwölfköpfige Team berät mittelständische Fremdverwaltungen genauso wie große Wohnungsunternehmen und Projektentwickler.

Cunio vernetzt mit einer App Mieter und Bewirtschafter und führt sie auf einer Plattform zusammen, während Lireco den Lebenszyklus einer Immobilie ab Mietvertragsabschluss abbildet und es etwa ermöglicht, Dokumente und Unterlagen sicher und unkompliziert aufzubewahren. Das Aushängeschild der Deutschen Immobilien IT & Marketing GmbH (Diimt) wiederum ist eine Mieter-App zur Kommunikation mit Eigentümer und Verwaltern, außerdem stellt die Ausgründung aus der Beteiligungsgesellschaft Equity Seven digitale Schwarze Bretter zur Verfügung. Diimt zählt sowohl größere Immobilienfirmen als auch weitere Beteiligte im Vermietungsgeschäft wie die Deutsche Kautionskasse / DKK zu ihren Kunden.

"Bei manchen Unternehmen ist die Angst vor Digitalisierung und neuen Softwarelösungen kaum vorhanden, bei anderen sehr viel stärker", sagt Geschäftsführer Kai Teute.

Damit spricht er eine grundsätzliche Herausforderung der Branche an: Verwalter sind unterschiedlich strukturiert – vom Familienbetrieb bis zum börsennotierten Konzern. Je nach Hintergrund müssen Startups an unterschiedlichen Ausgangsbedingungen ansetzen, bei Wissensstand und Personal.

Problempunkt Standardisierung

Diese Heterogenität erschwert es, standardisierte und damit günstige Produkte auf den Markt zu bringen. Je passgenauer das Angebot, um so weniger ist es übertragbar. Dazu passt die Beobachtung von BVI-Geschäftsführerin Sandra Bohrisch, dass viele PropTechs ausgerechnet das zentrale Problem vieler Verwaltungen nicht im Blick hätten – die Schnittstellen zwischen Daten, die eben von Unternehmen zu Unternehmen anders aussehen.

Der Bundesfachverband der Immobilienverwalter (BVI) weiß von Mitgliedern, die letztlich ihre Programme selbst geschrieben haben. Dass die oft als behäbig und tradiert geltenden Verwalter nach wie vor skeptisch gegenüber digitalen Lösungen seien, verneint Bohrisch.

"Anders als bei Maklern ist das Spektrum von Verwaltern viel zu komplex, um es ersetzen zu können."

Dies sieht auch ihr Kollege Kaßler vom DDIV so. Viele seien froh, um zeitraubende Prozesse entlastet zu werden, auch mit Blick auf den Mitarbeitermangel in der Branche. Diese zentrale Herausforderung können seiner Ansicht nach indes auch die Startups nicht im Kern lösen.

"Deren Mitarbeiter sind in der Regel Programmierer unter 30 mit pfiffigen Ideen und Interesse an einer schnellen Umsetzung. Die tägliche Verwalterarbeit ist aber eben nicht schnelllebig."

Schlagworte zum Thema:  Immobilienverwaltung, Immobilienverwalter, Startup, PropTech

Aktuell
Meistgelesen