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Nicolas Schulmann, Vorstand der FIO Systems AG Bild: Haufe Online Redaktion

Lokal auf dem eigenen Server, in einem Rechenzentrum oder gar über das Internet in der Cloud? Beim Thema Digitalisierung in der Wohnungswirtschaft spielt gerade die Entscheidung für die richtige Softwarelösung eine wichtige Rolle. Diese muss zukunftsfähig sein und auch noch in ein paar Jahren die Anforderungen erfüllen. Das sagte Nicolas Schulmann, Vorstand der FIO Systems AG, beim Haufe Kongress für die Wohnungswirtschaft. Er warb für webbasierte Systeme: Diese seien effizient und günstig - und die Daten seien dort sicherer, als viele Entscheider der Branche glaubten.

Wenn es um innovative Lösungen geht, ist die Wohnungswirtschaft nicht unbedingt an vorderster Stelle zu finden. Die Branche ist konservativ - das spiegelt sich auch beim Thema Digitalisierung wider. Bei einer exklusiven Umfrage, die die Online-Redaktion von Haufe-Immobilien im Sommer 2017 unter knapp 240 Immobilienverwaltern durchgeführt hat, gaben drei Viertel der Befragten an, bislang nur einfachste digitale Prozesse umzusetzen und keine umfassenderen Modelle wie Cloudsoftware und -services zu nutzen.

Bei der Software griffen die Unternehmen häufig auf ein Sammelsurium aus bestehenden Systemen zurück, an das neue Anwendungen angedockt werden, hat auch Nicolas Schulmann beobachtet, wie er beim Haufe Kongress erklärte:

"Und das führt dann im Alltag zu Problemen." Nicolas Schulmann

Zukunftsfähiger sei es deshalb, direkt in eine neue, innovative Lösung zu investieren, sagte er. Doch in welche?

Softwaresystem muss zukunftsfähig sein

Wichtig sei es, dass das System auch in ein paar Jahren noch den Anforderungen entspreche, sagte Schulmann. Sonst drohe die Gefahr, dass die Unternehmen - im übertragenen Sinn - "jetzt nur ein Dieselfahrzeug gegen einen Benziner austauschen, statt gleich in ein Elektroauto zu investieren", erklärte er.

Sein Unternehmen hat webbasierte Lösungen entwickelt - zur Vermarktung von Immobilien, Zahlungsverkehrslösungen für die Immobilienwirtschaft, das Management von Immobilienschäden sowie ein ERP-Softwaresystem für Wohnungsunternehmen und Hausverwaltungen. Die FIO Systems AG gehört seit April 2018 zur Hypoport AG, die Haufe Gruppe kooperiert seit 2016 mit dem Unternehmen.

Cloud-Technologie ist sicherer als gedacht

Webbasiert bedeutet: Die Technologie ist nicht auf dem lokalen Computer installiert, sondern wird über ein zentrales Netz zur Verfügung gestellt. Dadurch ergeben sich sehr große Rechenleistungen und Speicherkapazitäten sowie eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungen. Der Zugriff auf die IT-Infrastruktur ist standort- und endgeräteunabhängig und geht ohne Zusatz-Technologie ganz einfach über den Webbrowser.

Aber sensible Daten über das Internet in einer Cloud auslagern? Das halten viele Unternehmen der Wohnungswirtschaft für bedenklich.

"Die meisten glauben, dass die Daten auf dem Server im eigenen Keller sicher sind. Dabei ist das nur eine Scheinsicherheit." Nicolas Schulmann, FIO Systems AG

Denn wenn etwas am Computersystem kaputt gehe, dauere es meist mehrere Tage, bis ein Backup aufgespielt sei. Und da Sicherheitskopien nicht kontinuierlich erstellt würden, gingen dem Unternehmen zudem mehrere Tage Arbeit flöten. Wirklich sichere Inhouse-Server lohnten sich erst bei größeren Unternehmen, sagte Schulmann, unter die die meist mittelständischen Firmen der Wohnungswirtschaft nicht fallen.

Bei der Anbieterwahl gilt es einige Regeln zu beachten

Auch wenn es viele Entscheider der Branche nicht glaubten: "Aber die Daten sind in der Cloud sicher", sagte Schulmann - zumindest, wenn man einige Regeln beachte. So sei es zum Beispiel wichtig, nur qualitätsgeprüfte Rechenzentren und Anbieter mit Standort in Deutschland zu wählen. Der Anbieter sollte zudem Datenschutz- und Notfallkonzepte vorweisen können und konform zur Europäischen Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) arbeiten. Auch beim Datentransfer gebe es Unterschiede in der Qualität, erklärte Schulmann.

Von den Kosten seien webbasierte Systeme absolut vergleichbar mit herkömmlichen IT-Lösungen, sagte Schulmann. Er sehe den Vorteil auch in der flexiblen Einsetzbarkeit: Dass Mitarbeiter von überall auf die Daten des Unternehmens zugreifen könnten, spiele auch in Zeiten des Fachkräftemangels eine Rolle, glaubte er. Modern aufgestellte Unternehmen hätten es leichter, junge Mitarbeiter zu finden.

Cloud ist nicht gleich Cloud

Aber, Vorsicht: Cloud sei nicht gleich Cloud, warnte Schulmann. Häufig würden Softwareanbieter von Cloud-Systemen sprechen - dabei gehe es nur um eine herkömmliche Desktop-Lösung, auf die dann von unterwegs aus zugegriffen werden könne. Das sei nicht das Gleiche wie ein webbasiertes System, das direkt über eine Internetseite laufe und auch von Tablet oder Handy schnell und einfach zu bedienen sei.

Lesen Sie hier mehr zum Haufe Kongress 2018. 

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Wohnungswirtschaft

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