09.10.2014 | Top-Thema Gasversorgung: Vorsicht beim Lieferantenwechsel

Unseriöse Energiemakler, unseriöse Berater

Kapitel
Energieberatung: Nicht alle arbeiten seriös
Bild: Haufe Online Redaktion

Wer in der Immobilienwirtschaft die Vorteile des liberalisierten Energiemarktes nutzen, aber den genannten Risiken aus dem Weg gehen will, wird die Leistung von Energieberatern oder Energiemaklern in Anspruch nehmen. Allerdings heißt es hier aufpassen: Immer häufiger zu beobachten sind Agenturen, die für ihre Leistungen vom Kunden zusätzlich zu den Provisionszahlungen der Versorger honoriert werden wollen.

Aus der Vielzahl der Unternehmen, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen, sind für die Immobilienwirtschaft insbesondere jene Beratungshäuser interessant, die Full-Service-Lösungen anbieten. Das heißt, diese Berater übernehmen von der Datenanalyse vor Ort, die Bündelung der Verträge, bis hin zur Ausschreibung und letztlich Auftragsvergabe den gesamten Energieeinkaufsprozess im Outsourcing.


Das geht am einfachsten, wenn der Verwalter eine entsprechende Vollmacht unterzeichnet. Damit haben die Energieberater über den gesamten Beschaffungsprozess vollständig freie Hand. Es wird eine Rangliste der zwei oder drei günstigsten Versorger aufgestellt, gepaart mit dem Abwägen von allgemeinen Entscheidungskriterien wird letztlich ein Versorger bestimmt, mit dem im Namen des Kunden der Vertrag abgeschlossen wird.

Energieberater nutzen die Intransparenz des Marktes, um ihren Kunden ein nur vermeintlich transparentes Angebot zu unterbreiten. Der Kunde erhält oftmals die Ausschreibung nicht zur Einsicht, sondern wird lediglich über das Ergebnis der Kosteneinsparung und über den neuen Versorger informiert. Schön für den Kunden: Das alles ist für ihn in der Regel kostenlos.


Wie verdient der Energieberater sein Geld?

 Es stellt sich hier direkt die Frage, wie Energieberater, die diese Leistungen für ihre Kunden kostenfrei anbieten, Geld verdienen. Man muss sagen: Ein Teil dieser Energieberater sind keine Berater. Es sind abhängige, unseriöse Energiemakler, die hinter dem Schutzschild eines unabhängigen Energieexperten am Markt auftreten. Übrigens ist die Berufsbezeichnung Energieberater kein geschützter Beruf, es kann ihn jedermann ohne Vorausbildung ausüben und sich so bezeichnen. Diese „Beratungs“-Agenturen erhalten für vermittelte Gasversorgungsverträge eine Provision vom Energieversorger, die in der Regel individuell ausgehandelt wird.


Dass eine Ausschreibung nur die unter einen Vermittlungsvertrag genommenen Versorger umfasst, versteht sich von selbst. Und nur von dieser Provision allein lebt ein Großteil der Energieberater, die sich auf die Immobilienwirtschaft konzentriert haben. Die Höhe der Provisionen hat mittlerweile ein Niveau erreicht, das zu denken gibt: Es werden zum Teil höhere Provisionen gezahlt, als der Versorger mit einem Kunden verdient.


Nur wenige sind unabhängig

Es gibt nur wenige Energieberater, die bundesweit unabhängig ausschreiben und vollständige Transparenz sowohl auf Anbieter- als auch Nachfrageseite bieten. Unseriöse Agenturen beschränken sich in der Regel auf eine sehr geringe Auswahl von Energieversorgern, und zwar auf jene, die die höchsten Provisionen bezahlen.


Und noch ärgerlicher: Wir haben Kenntnis von einer Agentur, die nach Beendigung einer Ausschreibung in weitere Preisverhandlungen mit dem Versorger getreten ist. Nach dem Motto: Die sich ergebende Ersparnis für den Kunden ist zu groß. Wenn der Versorger jetzt ein höheres Angebot abgibt, so lässt sich die neu entstandene Marge doch unter Berater und Versorger teilen. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn die Ausschreibung dem Kunden nicht direkt offengelegt wird. Und das ist auch nur dann möglich, wenn der Energieberater die Ausschreibung vornimmt und nicht der Kunde.


Der Endkunde zahlt ja

Immer häufiger zu beobachten sind Agenturen, die für ihre Leistungen vom Kunden zusätzlich zu den Provisionszahlungen der Versorger honoriert werden wollen. Oftmals mit einfachen Vereinbarungen: Die eine Hälfte der per Ausschreibung ermittelten Ersparnis erhält die Agentur als Honorar, die andere ist die Ersparnis für den Kunden. Auch hier geht der Schuss meistens nach hinten los, da dieses Geschäftsmodell nur einen Verlierer kennt: den Kunden. 


Die Agentur erhält in diesem Modell gleich doppelt Provision: einmal vom Versorger und zusätzlich vom Auftraggeber. Der Endkunde bekommt einen deutlich überhöhten Erdgasbezugspreis vermittelt und zahlt letztendlich die Zeche.


All diese Geschäftsmodelle bauen auf Vermittlungsprovisionen der Versorger auf, die in der Regel nur dann an den Energieberater gezahlt werden, wenn ein neuer Kunde an den Versorger vermittelt wurde. Damit diese Erlösquelle für einen Energiemakler nicht versiegt, ist es aus seiner wirtschaftlichen Sicht notwendig, dass er die bereits vermittelten Bestände alle zwei, drei Jahre zu einem neuen Versorger wechselt. Es besteht dann kein Interesse des Beraters mehr, mit einem bestehenden Versorger mit funktionierenden Prozessabläufen neue Konditionen auszuhandeln.


Unseriöse Praktiken

Es steht in diesem Falle die ausschließliche Motivation im Vordergrund, den Bestandskunden an einen neuen Versorger zu vermitteln. Denn nur auf diese Weise kommt der Berater wieder an neue Zahlungen von Vermittlungsprovisionen. 


Unseriöse Geschäftspraktiken üben auch manche Energieversorger aus, die immer wieder in der Praxis zu beobachten sind: Einige Versorger zahlen eine Art Aufwandspauschale oder Erstattung für Ausschreibungsaufwand oder für Kommunikationsaufwendungen an Verwaltungsgesellschaften, wenn das eigene Unternehmen zum Zuge kommt. Das ist nichts anderes als die Bezahlung einer unzulässigen Vermittlungsprovision an den Verwalter.


Rechtlich ist das höchst bedenklich. Der Verwalter macht sich möglicherweise durch die Annahme strafbar. Deshalb ist eindringlich davon abzuraten, Zahlungen von Versorgungsunternehmen anzunehmen, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Rückzahlung von Kundenansprüchen stehen.

 

Es geht auch seriös

Es soll hier keinesfalls ein falsches Bild entstehen: Nicht alle Energieberater oder Energiemakler wenden die beschriebenen Geschäftspraktiken an. Leider aber ein hoher Anteil jener, die in der Immobilienwirtschaft tätig sind. Als Property Manager ist es wichtig, solche Entwicklungen zu kennen. Bei Fremdvergabe einer Ausschreibung gilt es einen Energieberater auszuwählen, der die genannten Geschäftspraktiken nicht ausübt. Seriöse Energieberater beispielsweise rechnen auf Basis von zuvor festgelegten Beratungshonoraren ab und werden ausschließlich vom Auftraggeber bezahlt. Dessen alleinige Interessen sollte der Berater vertreten.

 

Dies ist der einzig richtige Weg, externe Hilfe bei Ausschreibungen anzunehmen. Jeder kann sich einen solchen seriösen, unabhängigen Berater suchen. Es sollten allerdings die Grundregeln beachtet werden. Die Alternative ist eine selbst ausgestaltete Ausschreibung. Auch diese zu realisieren, ist kein Buch mit sieben Siegeln. Wer mit den Energieversorgern seiner Wahl die Ausschreibungen selbst vornimmt, lernt gleich die Ansprechpartner kennen und kann direkt das Serviceniveau einschätzen.

Schlagworte zum Thema:  Energieberater, Gas, Energie, Gasverbrauch

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