09.10.2014 | Top-Thema Gasversorgung: Vorsicht beim Lieferantenwechsel

Gasversorgung: Optimierungspotenziale für Verwalter

Kapitel
Gas ist ein teures Gut. Viele verdienen daran
Bild: EnBW/Peter Stumpf

Die Beschäftigung mit dem Energiemarkt kommt nicht nur dem Kunden zugute: Sie eröffnet für die Immobilienverwalter ungeahnte Optimierungspotenziale bei den internen Abläufen und kann die Rentabilität der Mietobjekte erhöhen.

Ganz nüchtern betrachtet haben Liegenschaftsverwalter eine eher gering ausgeprägte Motivation, sich mit dem Wechsel des Energieversorgers zu beschäftigen. Denn es macht Arbeit, eine Ausschreibung im Strom oder Erdgasbereich anzugehen.


Die Ausschreibung und anschließende Auswahl eines geeigneten und günstigen Energieversorgers gehört nicht zu den primären und vor allem nicht zu den vergütungsfähigen Leistungen eines Hausverwalters. Aus diesem Grund beschäftigen sich viele Verwalter nur ungern oder nur auf sanften Druck der WEG, des Beirats oder einzelner Kunden mit der Ausschreibung von Energieverträgen.


Doch der Druck nimmt zu


So werden beispielsweise die Stimmen der Mieter immer lauter, dass Vermieter und Verwalter die so genannte zweite Miete nicht genügend im Blick haben. Fast zwei Drittel der Mieter vermuten, dass es erhebliches Sparpotenzial bei Strom, Gas, Wasser, Müllabfuhr oder Hausmeisterdiensten gibt. 36 Prozent attestieren ihrem Vermieter Untätigkeit bei der Verpflichtung, die „zweite Miete“ so gering wie möglich zu halten, so eine Studie der Immobiliengesellschaft TAG gemeinsam mit der TU Darmstadt.


Doch für Immobilienverwalter bedeutet eine Ausschreibung im Energiebereich Mehraufwand für die ohnehin schon knappen Ressourcen der Mitarbeiter. Hinzu kommt die häufig fehlende Branchenkenntnis der Energiewirtschaft, die in kurzer Zeit angelernt werden muss, falls man sich nicht der Dienstleistungen eines Energieberaters bedienen möchte.


Also schiebt man die Beschäftigung mit dem Gasversorger in der Prioritätenliste immer weiter nach hinten. Doch dies ist zu kurz gedacht. Gerade durch die Beschäftigung mit der Reduktion der Energiebezugskosten (insbesondere wenn dies erstmalig erfolgt) lassen sich hohe Optimierungspotenziale bei den internen Prozessen erschließen.


Reduktion des Aufwands


Dieses Potenzial liegt in einer deutlichen Reduktion des Verwaltungsaufwandes.  Dieser kann dadurch verringert werden, wenn man beispielsweise alle verwalteten Abnahmestellen zu einem Bündel zusammenfasst und aus der Vielzahl von Einzelverträgen diese eben zu einem Bündelvertrag konzentriert. Bundesweit tätige Versorger ermöglichen es, selbst bei räumlich weit verstreuten Liegenschaften diese mit nur einem Bündelvertrag abzudecken.


Dahinter steht dann ein einheitlicher Tarif für alle Abnahmestellen. Alle Verträge werden zeitlich auf eine bestimmte Laufzeit synchronisiert. Die Schlussabrechnung kann zum Stichtag auf Wunsch des Verwalters erstellt werden. Die Übermittlung der Abrechnungsdaten erfolgt in elektronischer Form direkt in ein Abrechnungssystem.


Vorbei sind dann die Zeiten voller Aktenordner mit unterschiedlichen Energielieferverträgen, die oft umständlich einzeln und händisch in die Betriebskostenabrechnungen integriert werden müssen. Ein Bündelvertrag spart Verwaltungsaufwand und erleichtert es, auch künftige Ausschreibungen zu tätigen. Durch die Bündelung lassen sich bis zu 15 Prozent Verwaltungsaufwand reduzieren.


Allein aus diesem Grund dürfte das Interesse einer Verwaltungsgesellschaft groß sein, sich dieses Themas anzunehmen. Es gilt also, einen Versorger zu finden, der Erfahrung in der Immobilienwirtschaft hat und neben dem Angebot von günstigem Erdgas auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Immobilienwirtschaft ausgerichtet ist. Mit einem solchen Partner lassen sich die genannten Optimierungspotenziale leicht erschließen und nicht zu unterschätzende Wettbewerbsvorteile aufbauen.


Reduktion der Zweiten Miete


Eine weitere Motivation, sich mit dem Wechsel des Gasversorgers zu beschäftigen, liegt in der Reduktion der zweiten Miete. Die Nachfrage nach den verwalteten Mietobjekten lässt sich mit ganz einfachen Maßnahmen deutlich erhöhen: Die Reduktion der Heizkosten durch den Wechsel zu einem günstigen Gasversorger zeigt unter allen Maßnahmen die größte Wirkung, denn Heizkosten bilden den größten Anteil an den Betriebskosten.


Eine Ersparnis beim Gasbezugspreis reduziert eins zu eins die Warmmiete eines vermieteten Objektes und macht damit für einen Mietinteressenten das Objekt deutlich interessanter. Oder renditeorientiert ausgedrückt, eröffnet die Reduktion der Heizkosten die Möglichkeit der Erhöhung der Kaltmiete bei gleichbleibender Warmmiete.


All diese Überlegungen machen deutlich, dass es sich durchaus rechnen kann, sich mit dem Erdgasmarkt ein wenig genauer zu beschäftigen und auf die Suche nach einem günstigen Erdgasversorger zu begeben. Sich hier als proaktiver Vermieter oder Verwalter über die Optimierung des Energiebezugs vom Wettbewerb zu differenzieren, bedeutet auch die Erschließung von Wettbewerbsvorteilen in einem hart umkämpften Verwaltermarkt. Dies betrifft sowohl privatwirtschaftliche wie auch kommunale Einrichtungen.

Schlagworte zum Thema:  Energie, Gas, Gasverbrauch, Immobilienwirtschaft

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