Der Verband der Immobilienverwalter Baden-Württemberg e.V. hat eine Zukunftswerkstatt veranstaltet. Thema war das aktuelle Topthema der Branche, die Digitalisierung. Susanne Vieker, Mitglied der Geschäftsleitung der Haufe-Lexware Real Estate AG, hat dort einen Vortrag über den Weg zum digitalen Verwalterbüro gehalten. Welche Schritte für Immobilienverwalter wichtig sind und wie digital die Verwalterbranche inzwischen aufgestellt ist, verrät sie im Interview.

Frau Vieker, vor einem Jahr hat die Online-Redaktion des Fachmagazins Immobilienwirtschaft eine Umfrage unter 240 Immobilienverwaltern durchgeführt. Dabei hat sich herausgestellt, dass das Thema Digitalisierung im Arbeitsalltag der Unternehmen bislang noch wenig verankert ist. Wie ist Ihre Einschätzung ein Jahr später? Hat sich etwas verändert?

Das Bewusstsein für die digitale Transformation ist wesentlich größer geworden, als sich dies noch bei der Umfrage dargestellt hat. Durch die starke Präsenz von Digitalisierungsthemen in der Politik und in den Medien bleibt kaum ein Mensch davon unberührt. Was jedoch häufig fehlt, ist Fantasie und der Wille, sich mit der Zukunft des eigenen Unternehmens auseinander zu setzen. Es ist auf den ersten Blick nicht immer leicht, Chancen und Mehrwerte der Digitalisierung zu erkennen.

Mit ein wenig Neugier und Mut entdeckt aber auch der Verwalter zahlreiche Möglichkeiten, seinen Arbeitsalltag zu erleichtern oder gar zu revolutionieren.

Jedes Unternehmen muss eigene Digitalisierungsstrategie finden

Ihr Vortrag hat den Titel „Der Weg ins digitale Verwalterbüro“. Was sind die einzelnen Schritte, worauf sollten die Immobilienverwaltungen achten?

Besonders wichtig ist, nicht den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen.

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Jedes Unternehmen muss seine eigene Digitalisierungsstrategie finden und das Ziel der Digitalisierung definieren. Softwaresysteme und Tools werden zur Automatisierung von Prozessen oder zur schnelleren und leichteren Kommunikation eingesetzt. Das ist aber erst möglich, wenn ich einen Überblick über meine Arbeitsweisen, über das Kommunikationsverhalten meiner Mieter und Kunden sowie über die einzelnen Schritte meines eigenen Digitalisierungsprozesses habe.

Unbedingt die Mitarbeiter mit in den Prozess einbeziehen

Auf was sollten Immobilienverwaltungen bei dem Prozess auf keinen Fall verzichten?

Mitarbeiter sind das wichtigste und wertvollste Gut eines Unternehmens. Wenn diese nicht einbezogen werden, können sie den Digitalisierungsprozess nicht mitgehen. Das Unternehmen wird das Potenzial der Mitarbeiter nicht mehr nutzen können und sie auf kurz oder lang verlieren.

Digitalisierung eines Unternehmens bedeutet gleichzeitig auch Kulturveränderung.

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Unternehmenskultur und auf die Mitarbeiter der Immobilienverwaltungen aus?

Oft haben langjährige Mitarbeiter eines Unternehmens große Angst. Sie befürchten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, wenn beispielsweise ihre manuelle Tätigkeit durch den Computer übernommen werden soll. Sie haben Sorge, neue Anwendungen und Systeme nicht bedienen zu können und sich in der digitalen Welt nicht zurecht zu finden. Möchte das Unternehmen ein attraktiver Arbeitgeber für junge Fachkräfte sein, muss es andererseits deren Ansprüchen gerecht werden. Die Entwicklung einer geeigneten Unternehmenskultur, bei der Erfahrung und Wissen wertschätzt und sinnvoll einsetzt wird und die gleichzeitig jungen Menschen einen selbstverwirklichenden Arbeitsplatz bietet, ist für die Digitalisierung einer Immobilienverwaltung der komplexeste und langwierigste, aber auch der nachhaltigste Schritt für das Bestehen des Unternehmens in der Zukunft.

Anbieten von neuen Services bietet viel Potenzial für Verwalter

In welchen Feldern können Immobilienverwaltungen durch die Digitalisierung neue Geschäftsmodelle generieren?

Im Bereich Smart Home, Internet of Things, Vernetzung und Kommunikation sind viele neue Geschäftsfelder entstanden. Ich persönlich denke, dass das Anbieten neuer Services, die dem Mieter das Leben erleichtern und das Wohnen komfortabel machen, viel Potenzial in sich bergen.

Blockchain, Internet of Things, Augmented Reality: Wo sehen sie die größten Potenziale für die Immobilienbranche? Was interessiert die Unternehmen am meisten?

Alle diese Themen haben aus meiner Sicht unendliches Potenzial. Einige sind jedoch vor allem für weniger technikaffine Menschen zu abstrakt, andere besser greifbar. Internet of Things ist bereits ein Bestandteil der modernen Gebäudetechnik geworden. Steigerung von Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz machen Smart Buildings für die Immobilienwirtschafft besonders attraktiv.

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Immobilienverwaltung