Verwaltungen berechnen kleinen WEG einen höheren Vergütungssatz, um kostendeckend zu arbeiten Bild: Haufe Online Redaktion

Die Honorare für die WEG- und Mietverwaltung steigen weiter, wenn auch seit sieben Jahren nur moderat, wie das Branchenbarometer des Dachverbands Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) zeigt. 86 Prozent der befragten Unternehmen erhöhten ihre Vergütungssätze 2016 im Rahmen einer Vertragsverlängerung im Schnitt um 7,1 Prozent. Die Verwaltervergütungen bleiben jedoch laut DDIV noch hinter den erbrachten Leistungen zurück.

59 Prozent der Verwaltungen passten ihre Honorare 2016 auch bei laufenden Verträgen an. In diesem Jahr wollen 83 Prozent der 334 befragten Verwaltungsunternehmen Preisanpassungen von etwa acht Prozent im Rahmen einer Wiederbestellung vornehmen.

Etwas zurückhaltender agieren die Unternehmen bei neu akquirierten Objekten. Hier streben rund 60 Prozent eine Erhöhung ihrer Vergütungssätze an. Im Vergleich zum Jahr 2010 habe sich die WEG-Vergütung inflationsbereinigt allerdings nur um 5,9 Prozent erhöht, heißt es weiter. Im vergangenen Jahr war eine Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass Verwalterhonorare seit 2010 nur um bis zu zwei Euro netto monatlich gestiegen sind.

Laut aktuellem DDIV-Branchenbarometer stieg der Regelsatz um durchschnittlich 1,20 Euro pro Wohneinheit an. Bei Neubewerbungen für Verwaltungsaufträge liegen die erzielten Vergütungshöhen im Durchschnitt 1,30 Euro je Einheit und Monat über der durchschnittlichen Vergütung von 19,92 Euro.

Ähnliches ist laut DDIV-Branchenbarometer auch bei der Mietverwaltung festzustellen. Der durchschnittliche Regelsatz liegt hier bei 21,66 Euro. Damit stieg die Pauschalvergütung zwischen 2010 und 2016 inflationsbereinigt um 4,7 Prozent. Rund 60 Prozent der Befragten rechnen dabei pauschal ab.

DDIV: Honorare nicht angemessen

Der DDIV hält das Verwalterhonorar trotz der Zuwächse nicht für angemessen.

„Der moderate Anstieg der Vergütungen hält noch immer nicht Schritt mit der komplexen Tätigkeit", kommentiert DDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler.

In nahezu allen Bereichen müssten Verwaltungen investieren: "Wir werden daher nicht müde, uns in der Öffentlichkeit für weiter steigende Verwaltergebühren einzusetzen." Qualität habe eben ihren Preis. Der Dachverband spricht sich für höhere Verwalterhonorare aus. Immobilienverwaltungen müssten in nahezu allen Bereichen investieren. Insbesondere gut ausgebildetes Personal und moderne, digitalisierte Anwendungen sind kostenintensiv, jedoch unerlässlich, um dauerhaft am Markt zu bestehen.

Dazu kommen stetig neue Anforderungen durch den Gesetzgeber und wachsende Ansprüche von Eigentümern und Mietern, die Aufgabenpalette und Verantwortungsbereiche erweitern. Dies sollte sich dem DDIV zufolge auch in den Vergütungen manifestieren.

Größe der Verwaltungsobjekte bestimmt über den Preis

Ausschlaggebend für die Höhe der Honorare ist vor allem die Größe der Verwaltungsobjekte und ihre Lage. Der Regelsatz der WEG-Verwaltung im Bestand lag 2016 inflationsbereinigt bei 18,55 Euro je Einheit und Monat.

Kleine Eigentümergemeinschaften mit weniger als zehn Wohneinheiten müssen tiefer in die Tasche greifen: Sie zahlen rund 4,40 Euro mehr als große Gemeinschaften. Noch teurer wird es in Süddeutschland, denn hier werden mit 25,21 Euro durchschnittlich die höchsten Vergütungen für kleine WEG erzielt. Im Osten der Republik sind es drei Euro weniger. So zahlt ein kleines Miethaus in Stuttgart fast zehn Euro pro Einheit mehr als ein vergleichbares Objekt in Brandenburg.

Grundsätzlich werden in Ballungsräumen die höchsten Vergütungen erreicht.

Während eine kleine WEG in der Stadt durchschnittlich 26,03 Euro pro Einheit und Monat entrichten muss, sind es auf dem Land rund 3,30 Euro weniger. Für kleine Gemeinschaften wird es demnach auch künftig schwierig, einen professionellen Immobilienverwalter zu finden, denn die Verwaltung kleiner Objekte ist für viele Unternehmen unrentabel.

Die Verwaltungen berechnen kleinen WEG daher einen höheren Vergütungssatz, um kostendeckend zu arbeiten. Viele Unternehmen berechnen für die Betreuung kleiner Häuser rund 7,68 Euro mehr als den üblichen Regelsatz von 21,66 Euro pro Einheit und Monat. Die Pauschalvergütung stieg hier in den letzten sechs Jahren um 17,7 Prozent.

Sonderleistungen nicht immer im Regelsatz enthalten

Nicht immer sind alle Sonderleistungen im Regelsatz enthalten. So rechnen rund 58 Prozent der befragten Verwaltungen eine außerordentliche Eigentümerversammlung pauschal mit durchschnittlich 235 Euro ab, wobei nur 6,8 Prozent diese Sonderleistung pro Einheit ausweisen. Anders die Begleitung von Gerichtsverfahren: 75 Prozent der Unternehmen nehmen eine Zusatzgebühr nach Aufwand.

Lediglich 14 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Leistung bereits im Regelsatz enthalten ist. Die Verwalter können also den erforderlichen Arbeitsaufwand zur Vor- und Nachbereitung einer Eigentümerversammlung einschätzen. Das Arbeitspensum für die Begleitung eines Gerichtsverfahrens ist hingegen vorab kaum absehbar.

Immobilienverwalter: Fachkräftemangel trübt die Aussichten

86 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass es künftig schwierig wird, qualifiziertes Fachpersonal zu finden, 24 Prozent mehr als noch 2014. Mehr als die Hälfte der Befragten gaben dabei an, dass die Bewerber nicht ausreichend qualifiziert sind, unzureichende soziale Kompetenzen aufweisen oder zu wenig Berufserfahrung mitbringen. Die Unternehmen legen daher gesteigerten Wert auf die Weiterbildung ihres bestehenden Personals. So unterstützen knapp 69 Prozent der Befragten Fortbildungsmaßnahmen. Nahezu 40 Prozent der Befragten haben neue Stellen geschaffen, demgegenüber bauten lediglich 3,4 Prozent Personal ab.

WEG-Verwaltung bleibt Kerngeschäft 

Die befragen Immobilienverwaltungen erwarten laut Branchenbarometer das vierte Jahr in Folge Umsatzgewinne. Für 2017 rechnen sie im Durchschnitt mit einem Umsatzplus von sieben Prozent. Entsprechend positiv fallen auch die Gewinnprognosen aus, die im Mittel bei 4,5 Prozent liegen.

Wie in den Vorjahren bleibt dabei die Wohnungseigentumsverwaltung das Kerngeschäft. Mehr als 90 Prozent der Befragten erachten dies als ihr wichtigstes Tätigkeitsfeld. Diese Einschätzung ist auch am Jahresumsatz ablesbar: So werden 68 Prozent des Umsatzes mit der WEG-Verwaltung erzielt, in großen Unternehmen, die mehr als 3.000 Wohneinheiten verwalten, sind es 77 Prozent.

Demgegenüber ist die Mietverwaltung bei Kleinstunternehmen eine nicht unerhebliche Einnahmequelle. Die Mietverwaltung trägt mit 24 Prozent zur positiven Geschäftsentwicklung bei. 70 Prozent der befragten Unternehmen sind mit der Mietverwaltung betraut. Sie ist nach der WEG-Verwaltung zweitwichtigstes Tätigkeitsfeld. Hier stiegen die Vergütungen seit 2010 um 4,7 Prozent. Dabei rechnen 59 Prozent der Befragten ihre Mietverwaltungsleistungen pauschal ab.

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