07.08.2012 | Serie Kuriose Fälle vor Gericht - Auch das noch

Fluch der Karibik

Serienelemente
Piratenflagge als Stein des Anstoßes
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Immer wieder haben es Richter mit ungewöhnlichen und skurrilen Fällen zu tun. In jeder Ausgabe von "Der Verwalter-Brief" stellen wir solch einen Fall vor. Lesen Sie die Fälle jetzt auch online. Diesmal: Fluch der Karibik

Was im Einzugsbereich des FC St. Pauli wohl nicht einmal ein müdes Schulterzucken zur Folge gehabt hätte, brachte in Chemnitz Vermieter und Mieter einer Wohnung vor Gericht: Eine Piratenflagge im Fenster. Die Tochter der Mieterin – Fan des Seeräuberfilms „Fluch der Karibik“ – hatte den umstrittenen Stoff, der einen grinsenden Schädel mit Augenklappe zeigt, aufgehängt. Das behagte dem Vermieter nicht. Er fürchtete, der Anblick eines Totenschädels könne Mietinteressenten abschrecken und zog vor Gericht.

„Die Flagge darf bleiben“, sagte das Landgericht Chemnitz (Urteil v. 21.10.2011, 6 S 27/11), nachdem es sich von der Situation vor Ort überzeugt hatte. Die Flagge sei nämlich deutlich als Kinderpiratenflagge erkennbar. Da die Abbildung keinen aggressiven Eindruck vermittle, ließen sich keine Rückschlüsse auf irgendwelchen anderen Hintergründe ziehen.

Zugleich betonte das Gericht, dass sein Urteil kein Freibrief sei, Flaggen jeglicher Art und Anzahl aufzuhängen, da es sich um eine Einzelfallentscheidung handle.

Schlagworte zum Thema:  Mietvertrag

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