1 Allgemeines

Außenwände mit erhöhter Wärmedämmung – wie heute zunehmend gefordert – sind auf verschiedene Weise zu realisieren:

  • durch entsprechende Wanddicke und Verwendung wärmedämmender Mauersteine (einschalige oder "monolithische" Wand), tragende Schicht = dämmende Schicht,
  • durch Trennung zwischen Tragschicht und Dämmschicht, wobei entsprechend der Anordnung der Dämmschicht nach Außendämmung, Kerndämmung oder Innendämmung zu unterscheiden ist.

Die Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten konzentrierte sich auf die einschalige Wand und die Wand mit Außendämmung durch Wärmedämmverbundsysteme (WDV-Systeme). Die Kerndämmung hat eine Bedeutung in Norddeutschland, wo die zweischalige Bauart seit langem aus Gründen des Regenschutzes üblich ist, und die Innendämmung bietet sich in den Fällen an, in denen die Außenansicht erhalten bleiben soll, z. B. bei Fachwerkhäusern oder anderen Stilfassaden.

Die höhere Wärmedämmung verstärkt die hygrothermische Belastung des Außenputzes. Bei WDV-Systemen wird dem durch eine Gewebearmierung des Putzes begegnet, bei einschaligen Wänden ist ein Leichtputz üblich. Bei Letzteren kann die Vermauerung mit Dünnbettmörtel, um die Wärmebrücken durch die Mörtelfugen klein zu halten, eine Schadensursache sein.

Gegenüber früherem Mauerwerk aus im Verband vermauerten, kleinformatigen Mauersteinen führt dies nämlich zu einer geringeren Querfestigkeit des Mauerwerks. Dies wird in Beitrag A 3, Abschnitt 3 erläutert. In diesem Beitrag werden auch Hinweise zur Applikation von WDV-Systemen gegeben (vgl. A 3, Abschnitt 4.2).

Wegen der Bedeutung von WDV-Systemen als wirtschaftliche Möglichkeit zur Herstellung von Außenwandkonstruktionen mit hoher Wärmedämmung werden im Folgenden weitere Einzelheiten zu den Eigenschaften und der Anwendung von WDV-Systemen dargestellt.

2 Technische Anforderungen und spezifische Eigenschaften

2.1 Bauaufsichtliche Zulassung

Auf Mauerwerk aufgebrachte Wärmedämmplatten mit einem dünnen, armierten Putz, für die sich die Bezeichnung WDS-Systeme eingebürgert hat, standen bei der Einführung in den 60er Jahren nicht im Widerspruch zu einer geltenden Baunorm. Da auch in Schadensfällen – z. B. Abfallen der leichten Dämmplatten und dünnen Putzschichten – keine "Gefahr für Leib und Leben" vorstellbar war, war zunächst keine bauaufsichtliche Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik, Berlin, erforderlich.

Das änderte sich, als WDV-Systeme mit Mineralwolleplatten, die schwerer als Schaumstoffplatten sind, und mit dickeren Putzschichten zur Anwendung kamen. Daraus ergab sich die Notwendigkeit eines Standsicherheitsnachweises, der dann auf alle WDV-Systeme übertragen worden ist. Eine spezielle Norm gibt es aber für WDV-Systeme derzeit nicht.

Für die Ausführung eines WDV-Systems und die einzelnen Komponenten gibt es viele Varianten, die von den Herstellern angeboten werden und als System erprobt und bewährt sind. Es ist ratsam, die jeweiligen Herstellerrichtlinien genau zu beachten und nicht Varianten verschiedener Hersteller zu kombinieren.

2.2 "Entkopplung" des Außenputzes

Eine positive Eigenschaft von WDV-Systemen ist die Entkopplung des Außenputzes von der tragenden Wandkonstruktion durch eine "weiche" Wärmedämmschicht. Formänderungen der Tragkonstruktion können daher nicht unmittelbar auf den Putz übertragen werden. Damit haben z. B. Bewegungen des Mauerwerks keine Putzrisse zur Folge, wie es bei Mauerwerk mit geringer Querfestigkeit der Fall sein kann, wie eingangs erwähnt.

Die Entkopplung ist auch der Grund für das seltenere Auftreten von Putzschäden auf WDV-Systemen im Gegensatz zu den Verhältnissen bei Putzen, die unmittelbar auf Mauerwerk aufgebracht sind. In diesem Fall können sich hygrothermische Formänderungen des Mauerwerks eher auf den Putz übertragen.

Außer einer zusätzlichen Wärmedämmung sind WDV-Systeme deshalb besonders dafür geeignet, gerissene oder rissanfällige Putzgründe dauerhaft zu sanieren, z. B. bei Plattenbauten oder Fachwerkhäusern. Letztere sind bekanntermaßen wegen der Feuchteabhängigkeit der Holzkonstruktion "bewegliche" Fassadenkonstruktionen. Wenn Sichtfachwerk außen zusätzlich gedämmt werden soll, dann vermeidet ein WDV-System die Übertragung der Schwindbewegungen des Holzes auf den Putz und bietet außerdem einen guten Regenschutz.

2.3 Zusätzlicher Regenschutz

Da die gebräuchlichen Dämmstoffe für WDV-Systeme – EPS-Hartschaum und hydrophobierte Mineralwolleplatten – so gut wie kein Wasser in flüssiger Form aufnehmen, wirkt die Dämmschicht als eine zusätzliche "Sperrschicht" für Regenfeuchte. Selbst ein Riss im Außenputz wird in der Regel nicht zu einer Erhöhung der Dämmstofffeuchte führen.

Dies wird durch Untersuchungen an bewitterten Fassadenflächen mit und ohne Putzrisse bestätigt, dargestellt in Abb. 1. Für die Verhältnisse bei Rissen im Putz auf einem saugfähigen Wandbildner gilt dies nicht in gleicher Weise (übliches Mauerwerk oder Dämmschichten mit einer gewissen Saugfähigkeit, wie Kork oder organische Fasern).

Abb. 1 Gegenüberstellung der Dämmstofffeuchte bei nach Westen (Wetterseite) orientierten Wänden an rissfreien und an gerissenen Stellen im Außenputz nach mehrjähriger Bewitterung. Die Feuchte der...

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