Verzugszinsen, neuer Basiszins seit 1.1.2017

Was tun, wenn der Mieter ständig zu spät oder gar nicht zahlt? Rechtlich ist es so: Sie können ihn abmahnen und – wenn der Rückstand groß genug ist – sogar fristlos kündigen. Gleichzeitig können Sie vom Mieter Verzugszinsen verlangen. Die orientieren sich am Basiszins und der ändert sich jeweils zum 1.1. und 1.7. eines Jahres. Meistens jedenfalls. Doch zum 1.1.2017 hat sich gegenüber dem 1.7.2016 nichts geändert: Der Basiszinssatz ist mit -0,88 % nicht noch tiefer in den Negativbereich gerutscht.

Wieviel Verzugszinsen Sie verlangen können

Wer sich fürs Warten aufs Geld entschädigen lassen will, kann mithilfe des Basiszinssatzes vom Schuldner Verzugszinsen verlangen.

Der Basiszins ist erstmalig am 1.1.2013 mit -0,13 % in den Negativbereich gerutscht. Zum 1.1.2017 bleibt er mit -0,88 % konstant gegenüber dem Wert vom 1.7. bis zum 31.12.2016.

Als Privatmann stehen Ihnen laut § 288 Abs. 1 BGB 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz zu.

Was für Gewerberaumvermieter gilt

Vermieten Sie Gewerberaum, können Sie als Mindestschaden 8 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 2 BGB) verlangen.

Für Schuldverhältnisse zwischen Geschäftsleuten (und dazu zählen auch Gewerberaummietverträge), die Sie seit dem 29.7.2014 abgeschlossen haben, können Sie sogar 9 Prozentpunkte über dem Basiszins verlangen.

Gleiches gilt für Mieten, die nach dem 30.6.2016 fällig wurden.

Wie viel Privatleute verlangen können

Wegen des seit 1.1.2017 unverändert geltenden Basiszinses können Sie vom Mieter für Mietschulden, die ab dem 1.1.2017 fällig werden, nur noch Verzugszinsen in Höhe von 4,12 % (Privatleute) bzw. 7,12 %/8,12 % (Geschäftsleute) verlangen.

Praxis-Beispiel

Wie Sie die Verzugszinsen berechnen

Ihr Wohnungsmieter hat die Januar-Miete nicht bezahlt. Die wäre an sich am 3. Werktag, also hier frühestens am 5.1.2017 fällig gewesen. Der 5.1.2017 ist der 4. Werktag im Monat Januar. Wegen des neuen BGH-Urteils zur Mietzahlung muss der Mieter seine Miete erst am 3. Werktag überweisen, sodass sie frühestens am 4. Werktag auf Ihrem Konto sein muss. Der Mieter befindet sich deswegen frühestens seit dem 6.1.2017 mit seiner Januar-Miete in Höhe von 850 EUR in Verzug.

Warten Sie geduldig bis zum 4.3.2017 auf Ihr Geld, stehen Ihnen für diese Zeit 5,56 EUR an Verzugszinsen zu.

Die berechnen Sie so: 4,12 % Jahreszins aus der geschuldeten Miete für Januar in Höhe von 850 EUR sind 35,02 EUR (= 850 EUR x 0,0412).

Um den Tageszins zu berechnen, müssen Sie den Jahreszins von 35,02 EUR durch die 365 Tage teilen, sodass sich ein Tageszins von 0,09594 EUR ergibt.

Die Verzugstage Ihres Mieters berechnen Sie so:

  • Monat Januar • 26 Tage
  • Monat Februar • + 28 Tage
  • Monat März • + 4 Tage
  • = • 58 Tage x den Tageszins von 0,09594 EUR = 5,56 EUR Verzugszinsen

Hat Ihr Mieter also bis zum 4.3.2017 noch immer nicht seine Januar-Miete gezahlt, können Sie von ihm 5,56 EUR Verzugszinsen plus die ausstehende Miete fordern. Dies ist aufgrund des gefallenen Basiszinssatzes weniger denn je.

Praxis-Tipp

Weisen Sie höhere Zinsen per Bankbescheinigung nach

Zahlen Sie an Ihre Bank tatsächlich höhere Zinsen als der derzeitige Basiszins, weil Sie wegen der fehlenden Miete Ihr Konto überziehen mussten? Dann können Sie vom Mieter diesen höheren Zinsbetrag als Verzugszins verlangen. Dafür benötigen Sie jedoch als Nachweis eine Zinsbescheinigung.

Arbeitshilfe: Wie viel Verzugszinsen Sie verlangen können

  • Gültig ab • Basiszins • Verzugszinsen unter Privatleuten • Verzugszinsen unter Kaufleuten (Gewerberaummietverträge ab dem 29.7.2014) • Verzugszinsen unter Kaufleuten (vor dem 29.7.2014)
  • 1.1.2017 • -0,88 % • 4,12 % • 8,12 % • 7,12 %
  • 1.7.2016 • -0,88 % • 4,12 % • 8,12 % • 7,12 %
  • 1.1.2016 • -0,83 % • 4,17 % • 8,17 % • 7,17 %
  • 1.7.2015 • -0,83 % • 4,17 % • 8,17 % • 7,17 %
  • 1.1.2015 • -0,83 % • 4,17 % • 8,17 % • 7,17 %
  • 1.7.2014 • -0,73 % • 4,27 % • 8,27 % • 7,27 %
  • 1.1.2014 • -0,63 % • 4,37 % • 7,37 %
  • 1.7.2013 • -0,38 % • 4,62 % • 7,62 %
  • 1.1.2013 • -0,13 % • 4,87 % • 7,87 %
  • 1.7.2012 • 0,12 % • 5,12 % • 8,12 %
  • 1.1.2012 • 0,12 % • 5,12 % • 8,12 %
  • 1.7.2011 • 0,37 % • 5,37 % • 8,37 %
  • 1.1.2011 • 0,12 % • 5,12 % • 8,12 %
  • 1.7.2010 • 0,12 % • 5,12 % • 8,12 %
  • 1.1.2010 • 0,12 % • 5,12 % • 8,12 %
  • 1.7.2009 • 0,12 % • 5,12 % • 8,12 %
  • 1.1.2009 • 1,62 % • 6,62 % • 9,62 %
  • 1.7.2008 • 3,19 % • 8,19 % • 11,19 %
  • 1.1.2008 • 3,32 % • 8,32 % • 11,32 %
  • 1.7.2007 • 3,19 % • 8,19 % • 11,19 %
  • 1.1.2007 • 2,70 % • 7,70 % • 10,70 %
  • 1.7.2006 • 1,95 % • 6,95 % • 9,95 %
  • 1.1.2006 • 1,37 % • 6,37 % • 9,37 %

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