Teileigentum wird nicht anders behandelt als Wohnungseigentum
  
Begriff

Ist in einer Gemeinschaftsordnung das Objektprinzip vereinbart, besitzt auch der Teileigentümer eine Stimme in der Eigentümerversammlung (AG Wiesbaden, Urteil v. 13.1.2012, 92 C 4523/11).

Stimmrechtsregelung in der Teilungserklärung

Die Wohnungseigentumsanlage besteht vorliegend aus 14 Wohnungseigentumseinheiten und 8 Teileigentumseinheiten in Form von Hobbyräumen. Einer der Wohnungseigentümer ist Eigentümer einer Wohnung und eines Hobbyraums. Das Stimmrecht ist in der Gemeinschaftsordnung wie folgt geregelt: "In der Wohnungseigentümerversammlung hat grundsätzlich jeder Wohnungseigentümer eine Stimme. Ist ein Wohnungseigentümer Eigentümer mehrerer Wohnungen, so hat er für jede Wohnung eine Stimme". Anlässlich einer Wohnungseigentümerversammlung wurde unter anderem die Stimmrechtsproblematik erörtert. Der Verwalter erklärte jedenfalls, das Stimmrecht werde so praktiziert, dass die 14 Wohnungen je eine Stimme hätten, Hobbyräume dagegen keine. Hiergegen nun wendet sich der Wohnungseigentümer und begehrt die Feststellung, dass ihm als Teileigentümer ebenfalls ein Stimmrecht zusteht.

Wohnungs- und Teileigentum kommt keine unterschiedliche Rechtsqualität zu

Die Klage war erfolgreich. Zunächst wurde mit der Regelung in der Gemeinschaftsordnung das gesetzliche Kopfprinzip abbedungen und durch das Objektprinzip ersetzt. Dies führt dazu, dass der Wohnungseigentümer nicht nur für sein Wohnungseigentum, sondern auch für sein Teileigentum jeweils eine Stimme in der Wohnungseigentümerversammlung besitzt. Einziger Unterschied zwischen Wohnungseigentum und Teileigentum ist die bauliche Eignung und Zweckbestimmung des Sondereigentums. Nach den Regelungen des Wohnungseigentumsgesetzes ist Wohnungseigentum das Sondereigentum an einer Wohnung, Teileigentum das Sondereigentum an nicht zu Wohnzwecken dienenden Räumen. Da somit Wohnungs- und Teileigentum keine unterschiedliche Rechtsqualität zukommt, bestimmt § 1 Abs. 6 WEG, dass die Vorschriften über das Wohnungseigentum für das Teileigentum entsprechend gelten. Wird daher in einer Teilungserklärung nur der Begriff Wohnungseigentümer verwendet, umfasst dieser nicht lediglich die Wohnungseigentümer, sondern auch die Teileigentümer. Nichts anderes kann im vorliegenden Fall gelten, in dem die Gemeinschaftsordnung regelt, dass jede Wohnung eine Stimme besitzt. Dies ist dahin auszulegen, dass jedes Wohnungs- und jedes Teileigentum eine Stimme besitzt.

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