Leitsatz (amtlich)

Zur Frage, ob die allmähliche Verschmutzung einer hellen Fassade durch Pilz- und Algenbewuchs einen Mangel des Werkes darstellt.

 

Normenkette

BGB § 633 Abs. 2 Nr. 2

 

Tenor

Der Senat weist darauf hin, dass die Berufung keine Aussicht auf Erfolg haben dürfte, der Rechtssache auch keine grundsätzliche Bedeutung zukommt und die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Senats nicht erfordern. Der Senat beabsichtigt deshalb, die Berufung durch Beschluss gem. § 522 Abs. 2 S. 1 ZPO zurückzuweisen.

 

Gründe

Die in der klagenden Wohnungseigentümergemeinschaft zusammengeschlossenen Eigentümer haben von der Beklagten als Bauträger die im Jahr 2001 neu errichteten Eigentumswohnungen erworben. Mit der Klage beansprucht die Klägerin Vorschuss zur Beseitigung eines Mangels am Gemeinschaftseigentum. Der Mangel besteht nach Auffassung der Klägerin darin, dass sich an der weiß gestrichenen Fassade des Gebäudes schon nach 2 Jahren in weiten Teilen dunkle streifige Verfärbungen gebildet haben.

Die Beklagte hält sich nicht für gewährleistungspflichtig, weil eine allmähliche Verschmutzung einer hellen Fassade durch Umwelteinflüsse kein Mangel sei und, soweit die Wärmedämmung die Verfärbung möglicherweise begünstige, jedenfalls kein Ausführungsmangel bestehe, denn sowohl der Fassadenanstrich wie auch die Wärmedämmung selbst entsprächen den vertraglichen Vereinbarungen und seien technisch einwandfrei hergestellt. Die umlaufenden Zinkabdeckungen hätten nur die Funktion, dem Eindringen von Wasser von oben in das geschützte Mauerwerk entgegen zu wirken; dass die Überstände dieser Abdeckungen teilweise geringer seien, als es die Regelwerke vorsähen, sei mit dem Algenbefall nicht in Zusammenhang zu bringen. Die Beklagte hat ferner die Einrede der Verjährung erhoben.

Das LG hat unter Verwertung des in dem selbständigen Beweisverfahren LG Wiesbaden 14 OH 36/06 eingeholten Gutachtens vom 15.5.2007 und des Ergänzungsgutachtens vom 30.11.2007 des Sachverständigen SV1 die Beklagte antragsgemäß zur Zahlung eines abzurechnenden Vorschusses für die Kosten der Mängelbeseitigung i.H.v. 26.900 EUR nebst Zinsen verurteilt. Es hat angenommen, dass die Erwerber des neu hergestellten Wohngebäudes erwarten konnten, dass die Fassade bis zum Ende der Gewährleistungsfrist ansehnlich bleibt und jedenfalls eine Graufärbung nicht schon nach zwei Jahren eintrete. In der gleichwohl in dieser kurzen Zeit eingetretenen Verfärbung liege ein optischer Mangel. Dass es dazu gekommen sei, sei auch nicht unvermeidbar, denn der Sachverständige habe festgestellt, dass die Verfärbungen bei Ausführung größerer Dachüberstände nicht eingetreten wären. Diesen Konstruktionsfehler habe die Beklagte zu verantworten, wobei es auf Erkennbarkeit nicht ankomme, denn auf Verschulden komme es im Rahmen des Vorschussanspruchs nicht an. Zur Beseitigung des Mangels sei die Verbreiterung der Dachüberstände und eine Reinigung der Fassade erforderlich. Der hierfür nach der Schätzung des Sachverständigen erforderliche Betrag sei der Klägerin als Vorschuss zur Mängelbeseitigung zuzusprechen.

Die Ansprüche seien auch nicht verjährt, weil die Einleitung des selbständigen Beweisverfahrens zur Hemmung der Verjährung geführt habe und die Klage innerhalb der nach Beendigung der Hemmung verbliebenen Verjährungsfrist eingereicht und der Beklagten zugestellt worden sei.

Mit der hiergegen gerichteten Berufung bringt die Beklagte vor, dass Algen- und Pilzbefall auf Fassaden unvermeidbar sei, weshalb es sich nicht um einen Mangel handle. Ein biozid eingestellter Putz oder Anstrich sei eine Sonderleistung, die jedoch nur einen zeitlich begrenzten Effekt habe. Wegen solcher Verunreinigungen erforderliche Reinigungsarbeiten gehörten zu den gewöhnlichen Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten. Die Beklagte habe den in der Leistungsbeschreibung zugesagten mineralischen Putz auch ausgeführt. Wegen dessen alkalischer Zusammensetzung biete ein solcher Putz für eine gewisse Zeit einen natürlichen Schutz gegen Pilze und Algen. Im Jahr 2001 habe es in Deutschland noch keine Veröffentlichungen zur Problematik des Algenbefalls auf wärmegedämmten Fassaden gegeben.

Das Gutachten des Sachverständigen SV1 habe die streitgegenständlichen Tatsachen nicht bzw. nicht vollständig und jedenfalls nur schwer verständlich behandelt. Entgegen der Anregung der Streitverkündeten, der Fa. X, die die Putzarbeiten ausgeführt habe, habe das LG im selbständigen Beweisverfahren keinen Fachgutachter für Wärmedämmverbundsysteme bzw. Außenputz, sondern mit dem Sachverständigen SV1 einen allgemein für Schäden an Gebäuden bestellten Gutachter beauftragt. Das LG habe nicht berücksichtigt, dass die einschlägige Rechtsprechung - die Beklagte verweist insoweit auf ein Urteil des LG Darmstadt vom 7.8.2007 - einen zu Verfärbung führenden Algenbefall auf Fassadenoberflächen nicht als Mangel ansehe. Auch der Sachverständige SV1 gehe davon aus, dass der Putz und die Wärmedämmung fachgerecht...

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