Neuer "alter" Basiszinssatz seit 1.7.2019: Wie Sie jetzt Ihre Verzugszinsen berechnen
  

Begriff

Wie sollen Sie als Vermieter reagieren, wenn der Mieter ständig die Miete verzögert oder gar nicht zahlt? Ihre Handlungsmöglichkeiten: Sie können den Mieter abmahnen und – wenn der Rückstand 2 Monatsmieten beträgt – fristlos kündigen. Gleichzeitig können Sie vom Mieter für die Zeit der nicht geleisteten Miete Verzugszinsen als Schadensposition verlangen. Schalten Sie einen Rechtsanwalt wegen der rückständigen Miete ein, müssen dessen Kosten auch vom säumigen Mieter übernommen werden.

Die Verzugszinsen orientieren sich am Basiszins der EZB. Dieser verändert sich jeweils zum 1.1. und 1.7. eines Jahres. Zum 1.7.2019 bleibt der Basiszinssatz mit -0,88 % konstant. Damit ist er schon seit dem 1.7.2016 unverändert geblieben.

Diese Verzugszinsen können Sie geltend machen

Als Privatmann stehen Ihnen nach § 288 Abs. 1 BGB 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz zu.

Vermieten Sie Gewerberaum, können Sie mindestens 8 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 2 BGB) geltend machen.

Für Schuldverhältnisse zwischen Geschäftsleuten (und dazu zählen auch Gewerberaummietverträge), die Sie seit dem 29.7.2014 abgeschlossen haben, können Sie sogar 9 Prozentpunkte über dem Basiszins verlangen.

Gleiches gilt für Gewerbemieten, die nach dem 30.6.2016 fällig wurden.

Wie viel Privatleute verlangen können

Wegen des seit 1.7.2016 unverändert geltenden Basiszinses können Sie vom Mieter für Mietschulden, die seit dem 1.7.2016 fällig wurden, nur noch Verzugszinsen in Höhe von 4,12 % (Privatleute) oder 7,12 % bzw. 8,12 % (Geschäftsleute/gewerbliche Vermieter) verlangen.

 

Praxis-Beispiel

Wie Sie Ihre Verzugszinsen taggenau berechnen

Ihr Wohnungsmieter hat die Juli-Miete nicht bezahlt. Die wäre am 3. Werktag im Monat Juli, also frühestens am 3.7.2019 fällig gewesen. Der Mieter befindet sich deswegen frühestens seit dem 4.7.2019 mit seiner Juli-Miete in Höhe von 850 EUR in Verzug.

Warten Sie geduldig bis zum 4.9.2019 auf Ihr Geld, stehen Ihnen für diese Zeit 6,04 EUR an Verzugszinsen zu.

Die berechnen Sie so: 4,12 % Jahreszins aus der geschuldeten Miete für Juli in Höhe von 850 EUR sind 35,02 EUR (= 850 EUR × 0,0412).

Um den Tageszins zu berechnen, müssen Sie den Jahreszinsbetrag von 35,02 EUR durch 365 Tage teilen, sodass sich ein Tageszins von 0,09594 EUR ergibt.

Die Verzugstage Ihres Mieters ermitteln Sie so:

 
Monat Juli: 28 Tage
Monat August: + 31Tage
Monat September: + 4 Tage
= 63 Tage × den Tageszins von 0,09594 EUR = 6,04 EUR Verzugszinsen

Hat Ihr Mieter also bis zum 4.9.2019 noch immer nicht die Juli-Miete gezahlt, können Sie von ihm 6,04 EUR Verzugszinsen plus die ausstehende Miete fordern. Dies ist aufgrund des niedrigen Basiszinssatzes nur ein kleines "Trostpflaster".

 

Praxis-Tipp

Weisen Sie per Bankbescheinigung höhere Zinsen nach

Sofern Sie als Vermieter tatsächlich höhere Zinsen als den derzeitigen Basiszinssatz als Überziehungskredit an die Bank zahlen, weil Sie wegen der fehlenden Miete Ihr Konto überziehen müssen, können Sie vom säumigen Mieter den höheren Zinsbetrag als Verzugszins verlangen. Dafür benötigen Sie jedoch als Nachweis eine Zinsbescheinigung der Bank.

Checkliste: Basiszinssätze von 2014 bis 2019

 
Gültig ab Basiszins Verzugszinsen unter Privatleuten Verzugszinsen unter Kaufleuten Verzugszinsen unter Kaufleuten (Mietvertrag ab 29.7.2014)*
1.7.2019 -0,88 % 4,12 % 7,12 % 8,12 %
1.1.2019 -0,88 % 4,12 % 7,12 % 8,12 %
1.7.2018 -0,88 % 4,12 % 7,12 % 8,12 %
1.1.2018 -0,88 % 4,12 % 7,12 % 8,12 %
1.7.2017 -0,88 % 4,12 % 7,12 % 8,12 %
1.1.2017 -0,88 % 4,12 % 7,12 % 8,12 %
1.7.2016 -0,88 % 4,12 % 7,12 % 8,12 %
1.1.2016 -0,83 % 4,17 % 7,17 % 8,17 %
1.7.2015 -0,83 % 4,17 % 7,17 % 8,17 %
1.1.2015 -0,83 % 4,17 % 7,17 % 8,17 %
1.7.2014 -0,73 % 4,27 % 7,27 % 8,27 %*
1.1.2014 -0,63 % 4,37 % 7,37 %

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