Nachbarrecht von A-Z / 78 Hahn

Von wegen "da kräht kein Hahn nach": Geht von einem Hahn aufgrund seines Geschreis eine wesentliche Lärmbelästigung aus, muss der Besitzer durch geeignete Maßnahmen die Lärmstörung verhindern.

Ein krähender Hahn kann deswegen lästig werden, weil der Lärm plötzlich kommt, die Tonalität und die Modalität des Geräuschs von Nachbarn als störend empfunden werden können (LG München I, Urteil v. 3.3.1989, 30 O 1123/87). Der Hahn "Bläsi" krähte tagsüber so laut und so oft, dass sich der Grundstückseigentümer auf seiner 8-10 m entfernten Terrasse nicht mehr wohl fühlte. Das Gericht gestand dem Grundstückseigentümer einen Anspruch auf Unterlassung der Eigentumsstörung durch die Geräusche des Hahns zu (§ 1004 BGB).

Ähnlich sah es ein anderes Gericht: Das häufige Krähen eines Hahnes in unmittelbarer Nachbarschaft stellt eine Störung des Eigentums dar (LG Hildesheim, Urteil v. 21.2.1990, 7 S 541/89).

Weil der Schallpegel eines krähenden Hahnes vor einem offenen Schlafzimmerfenster bei etwa 75 dB(A) liege, musste der Hahnbesitzer für Ruhe sorgen. Demgegenüber fiel der Schallpegel der Umgebungsgeräusche wie Straßenlärm und Baulärm deutlich niedriger.

Praxis-Tipp

In ländlichen Gebieten ist ein Hahn erlaubt

Ein Hahn ist in ländlichem Gebiet üblich und muss deshalb von den Bewohnern hingenommen werden. Selbst, wenn der um 3 Uhr in der Nacht kräht, besteht gegen seine Geräusche kein Unterlassungsanspruch (LG Kleve, Urteil v. 17.1.1989, 6 S 311/88).

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