Zusammenfassung

 
Überblick

In den letzten Jahren haben alternative Kreditinstrumente deutlich an Fahrt aufgenommen. Neben Schuldscheindarlehen und Private-Debt-Fonds gibt es mittlerweile auch zahlreiche, oft von Fintechs vorangetriebene Initiativen. Diese zielen zum einen auf eine Erweiterung der Refinanzierungsmöglichkeiten von Banken ab, zum anderen ermöglichen sie Unternehmen einen zur klassischen Bankfinanzierung alternativen oder zumindest ergänzenden Zugang zu Fremdkapital. Im nachfolgenden Beitrag wird untersucht, welche Faktoren für diese Entwicklung ursächlich waren und welche Strukturen und Instrumente sich am Markt mittlerweile entwickelt haben. Zudem wird aufgezeigt, welche Schlussfolgerungen insbesondere mittelständische Unternehmen aus dieser Entwicklung ziehen können.

I. Einleitung

Als Folge der Finanzkrise kam es zu zahlreichen gesetzlichen Initiativen im Bereich der Bankenregulierung, von denen die im Jahr 2013 vom europäischen Gesetzgeber verabschiedete CRD-IV-Richtlinie[1] und die CRR-Verordnung[2] zweifellos die wichtigsten sind. Von vielen Experten wurde darauf hingewiesen, dass diese Reformen zu einer weitreichenden Veränderung des klassischen Bankgeschäfts führen werden.[3] Die deutliche Anhebung der Eigenkapitalunterlegung, die Verschärfung von Liquiditätsvorschriften, die Einschränkung der Fristentransformation und die Intensivierung der aufsichtlichen Kontrolle könnten nicht ohne Rückwirkungen auf die Praxis des Bankgeschäfts bleiben.

Aus heutiger Sicht kann man feststellen, dass sich diese Veränderungen bereits klar abzeichnen. Aber das klassische Kreditgeschäft, so wie es sich in Deutschland seit der Nachkriegszeit entwickelt hat, steht auch aus anderen Gründen vor großen Umwälzungen: Allen voran ist hier die technologische Entwicklung zu nennen, insbesondere die sich durch die Digitalisierung des Bankgeschäfts ergebenden Veränderungen der Geschäftsmodelle. Verschärft wird dieser Trend durch die aktuelle Niedrigzinsphase, die zu einem erheblichen Teil durch die Geldpolitik der EZB verursacht wird. Darüber hinaus gibt es auch gesamtwirtschaftliche Faktoren, insbesondere das weltweit rückläufige Produktivitätswachstum, die diese Entwicklung anheizen. Und schließlich muss man auch im Auge behalten, dass die Zinsmarge deutscher Kreditinstitute bereits seit den 90er Jahren kontinuierlich fällt und die Profitabilität derselben kontinuierlich schwächt.

In dieser Gemengelage stellt sich nun heraus, dass es tatsächlich zu nennenswerten Veränderungen auf den Kreditmärkten gekommen ist. Diese kommen in zahlreichen Kredit- und Produktangeboten zum Ausdruck, die sich als Ergänzung oder gar Alternative zum klassischen Bankkredit positionieren. Obwohl sich diese Angebote zunächst sehr stark auf den Bereich der Verbraucherkredite fokussiert haben, kann man mittlerweile erkennen, dass auch Unternehmenskredite davon betroffen sein werden. Viele dieser Angebote führen heute zwar noch ein Nischendasein. Es ist aber mehr als wahrscheinlich, dass sich einige von ihnen etablieren und damit die Kreditmärkte nachhaltig verändern werden.

[1] Vgl. Richtlinie 2013/36/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 über den Zugang zur Tätigkeit von Kreditinstituten und die Beaufsichtigung von Kreditinstituten und Wertpapierfirmen, zur Änderung der Richtlinie 2002/87/EG und zur Aufhebung der Richtlinien 2006/48/EG und 2006/49/EG, ABlEU v. 27.6.2013, L 176, 338.
[2] Verordnung (EU) Nr. 575/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 über Aufsichtsanforderungen an Kreditinstitute und Wertpapierfirmen und zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 646/2012, ABlEU v. 27.6.2013, L 176, 1.
[3] Beispielhaft sei hier auf Zimmermann et al., Diskussion um Basel IV: Übermäßige Belastung für europäische Banken oder noch zu lax?, ifo-Schnelldienst 2017 (3), 3-22, verwiesen.

II. Strukturelemente

Da sich der Markt in gewisser Weise noch in einer "Trial-and-Error"-Phase befindet, gibt es nicht nur eine große Vielfalt unterschiedlicher Kreditfinanzierungsangebote, sondern es ist aus heutiger Sicht auch schwierig zu prognostizieren, welche Finanzierungsformen sich langfristig durchsetzen werden. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass diese Finanzierungsangebote entlang von zwei Strukturelementen klassifiziert werden können. Erstens gibt es die klassischen Kreditangebote, bei denen die Banken nach wie vor als Kreditgeber auftreten; sie nutzen aber in deutlich verstärkter oder gar innovativer Weise Verbriefungsstrukturen für eine effizientere Refinanzierung. Für den Kreditnehmer führt dies dazu, dass er nach wie vor einen Kreditvertrag mit einer Bank hat. Bei klassischen Verbriefungslösungen sind die im Hintergrund ablaufenden Refinanzierungsprozesse für den Kunden gar nicht spürbar, er verfügt nach wie vor über einen traditionellen Bankkredit. Dass sich durch diese Refinanzierungsprozesse die Kreditkonditionen im Wettbewerb zwischen den Banken verbessern, ist zwar ein wesentliches Ergebnis dieser Entwicklung, für den Kunden aber nicht unmittelbar spürba...

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