Zusammenfassung

 
Überblick

Der Beitrag verschafft zunächst einen Überblick über die wirtschaftliche Bedeutung des Crowdfunding bzw. Crowdinvesting und geht dabei näher auf die im Spannungsverhältnis stehenden Risiken des Investors ein. Es folgt eine Erläuterung der rechtlichen Ausgestaltung der Vertragsverhältnisse zwischen Plattform und Investor sowie zwischen Startup und Investor. Schließlich werden Lösungen unter Einbeziehung der US-amerikanischen Rechtslage diskutiert, die zu einem verbesserten Investorenschutz beitragen können.

I. Einleitung

Anfang 2011 wendete sich ein Team von Gründern an die Nutzer der amerikanischen Crowdfund-Plattform Kickstarter, um bei der Produktion von Hightech Video Sonnenbrillen finanziell unterstützt zu werden.[1] Die sog. Eyez Sonnenbrillen nehmen mittels integrierter Kamera die Umgebung auf und ermöglichen dem Träger, die so erstellten Aufnahmen auf sozialen Netzwerken, wie bspw. Facebook, zu präsentieren.[2] Mehr als 2 000 Supporter investierten rund 340 000 Dollar in die für Ende 2011 geplante Produktion.[3] Die Brillen wurden bis heute nicht produziert und auch die vorweg versprochene Gegenleistung, wie bspw. ein Paar High Tech Brillen, erhielten die Supporter bislang nicht.[4] Als Konsequenz wird über eine Sammelklage der mutmaßlich geprellten Supporter nachgedacht.[5] Unabhängig von der Häufigkeit eines derartigen Vorfalls, drängt sich die Frage auf, ob er vermeidbar war. Die Antwort kann nur lauten: Vielleicht, wir wissen es nicht. Jedoch sind wir der Ansicht, dass der Schutz von Supportern/Investoren umso größer ist, je mehr Informationsrechte und Einflussnahmemöglichkeiten ihnen zustehen und je durchsetzbarer dieselben sind.

[1] Das Projekt wurde unter "Eyez by ZionEyez HD Video Recording Glasses for Facebook" auf der Online Plattform Kickstarter finanziert, vgl. www.kickstarter.com/projects/zioneyez/eyeztm-by-zioneyez-hd-video-recording-glasses-for (Abruf: 29.3.2013).
[2] "Eyez by ZionEyez HD Video Recording Glasses for Facebook", vgl. www.kickstarter.com/projects/zioneyez/eyeztm-by-zioneyez-hd-video-recording-glasses-for (Abruf: 29.3.2013).
[3] "Eyez by ZionEyez HD Video Recording Glasses for Facebook", vgl. www.kickstarter.com/projects/zioneyez/eyeztm-by-zioneyez-hd-video-recording-glasses-for (Abruf: 29.3.2013).
[4] Vgl. Krantz, Crowd-funding dark side: Sometimes Investments Go Down Drain, USA Today, USA TODAY vom 14.8.2012, http://usatoday30.usatoday.com/money/markets/story/2012-08-14/crowd-funding-raising-money/57058678/1 (Abruf: 29.3.2013).
[5] Larson, Securities Crowd Funding Mayhem Soon to Begin, Class Actions Blog vom 20.9.2012, www. stollberne.com/ClassActionsBlog/2012/09/20/securities-crowd-funding-mayhem-soon-to-begin/ (Abruf: 6.3.2013).

II. Bedeutung und Potentiale des Crowdfunding bzw. Crowdinvesting

Eine gesetzliche Definition des Begriffs Crowdfunding bzw. Crowdinvesting fehlt. Die Crowd beschreibt Crowdfunding als den kollektiven Einsatz vernetzter Personen, die ihre Ressourcen zusammenführen, meist über das Internet, um Vorhaben anderer zu unterstützen.[6] Das uns hier in erster Linie interessierende Crowdinvesting als Unterform des Crowdfunding zeichnet sich zudem dadurch aus, dass Emittenten Eigenkapital oder hybride Finanzierungsinstrumente über das Internet an Kleinanleger ausgeben.[7] Das Interesse am Crowdfunding ist groß. Für das Videospiel "Star Citizen" sammelten Fans rund 6, 2 Mio. Dollar.[8] Auch wächst die Anzahl der Crowdfund-Plattformen rasant. Schätzungen zufolge existieren Ende 2012 weltweit mehr als 530 Crowdfund-Online-Plattformen, was einen Anstieg von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.[9] Zudem verdeutlichen erste Rechtsstreitigkeiten der Plattformbetreiber die wirtschaftliche Bedeutung des Crowdfunding. So verlangt die Plattform Kickstarter die gerichtliche Feststellung, dass ArtistShare’s Crowdfunding Patent nichtig ist und seitens Kickstarter nicht verletzt wird.[10] Hintergrund des Streits ist die Behauptung der Beklagten, sie habe ein registriertes Patent für "Methoden und Vorrichtungen zur Finanzierung und Vermarktung kreativer Produkte",[11] das die Klägerin durch den Betrieb ihrer Plattform verletze. Der Ausgang des Rechtsstreits bleibt abzuwarten.

Die skizzierten Entwicklungen zeigen, dass Crowdfunding bzw. Crowdinvesting für viele Startups eine ernst zu nehmende Finanzierungsalternative darstellt – es schließt, ähnlich dem Investment von Business Angels, die Lücke zwischen Bankfinanzierung und VC-Investment.[12] Crowdinvesting kann daher zu mehr Wachstum und Schaffung neuer Arbeitsplätze führen[13] und ist zumindest aus Sicht eines Startup ein vielversprechendes Finanzierungsmittel.

[6] Vgl. Wikipedia Eintrag, Stand: 10.3.2013, http://en.wikipedia.org/wiki/Crowd_funding (Abruf: 14.3.2013).
[7] Klöhn/Hornuf, ZBB 2012, 237, 239.
[8] Root, Star Citizen's Crowdfunding Campaign Finishes with Record, Stand: 19.11.2012, www.crowdsourcing.org/editorial/star-citizens-crowdfunding-campaign-finishes-with-record-62-million/21695 (Abruf: 29.3.2013).
[9] Richards, Crowdfunding in Numbers: Stats, Stand: 15.6.2012, http://econ...

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