Hunde müssen an die Leine!
  
Begriff

Das Freilaufenlassen von einem Hund im Gebäude und auf dem Freigelände einer Wohnungseigentumsanlage stellt eine Beeinträchtigung der übrigen Wohnungseigentümer dar, die über das in § 14 Nr. 1 WEG bestimmte Maß hinausgeht (AG München, Urteil v. 21.3.2013, 484 C 18498/12 WEG).

Streit um nicht angeleinten Hund im Gemeinschaftseigentum

Ein Ehepaar hielt in seiner Wohnung einen Hund. Dieser wurde unangeleint auf den Gemeinschaftsflächen und im Gebäude geführt. Einer der übrigen Wohnungseigentümer störte sich hieran und beantragte, das Ehepaar zu verpflichten, seinen Hund nur noch angeleint im Bereich des Gemeinschaftseigentums führen zu dürfen. Das Ehepaar war demgegenüber der Auffassung, für den Anspruch des Wohnungseigentümers fehle es an jeglicher Grundlage. Es existiere keine entsprechende Hausordnung, auch seien keine entsprechenden Beschlüsse gefasst worden. Eine generelle Anleinpflicht verstoße auch gegen das Gebot der Verhältnismäßigkeit. Im Übrigen störe sich auch kein weiterer Wohnungseigentümer daran, dass der Hund unangeleint geführt werde.

Anleinpflicht folgt aus dem Rücksichtnahmegebot

Die Klage des Wohnungseigentümers war dennoch erfolgreich. Die Anleinpflicht folgt aus dem Rücksichtnahmegebot zwischen den Wohnungseigentümern. Das Freilaufenlassen eines Hundes im Gebäude und auf dem Freigelände einer Wohnungseigentumsanlage stellt eine Beeinträchtigung der übrigen Wohnungseigentümer dar, die über das in § 14 Nr. 1 WEG bestimmte Maß hinausgeht. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Hund gefährlich ist oder aggressives Verhalten zeigt. Die Beeinträchtigung ist bereits darin zu sehen, dass der Hund unangeleint herumläuft. Die anderen Wohnungseigentümer können nämlich nur dann sicher sein, der Hund werde nicht auf sie zulaufen und sie belästigen, wenn er an der Leine geführt wird. Es reicht bereits die Angst oder Besorgnis, der Hund könnte sie anspringen oder sonst belästigen. Eine solche Beeinträchtigung müssen die übrigen Wohnungseigentümer nicht akzeptieren.

Fehlende Regelungen sind unerheblich

Insoweit war unerheblich, ob eine Hausordnung vorhanden ist, die einen Leinenzwang einführt. Ebenfalls spielte es keine Rolle, ob diesbezüglich ein Beschluss der Wohnungseigentümer existiert. Der Leinenzwang folgt allein aus dem allgemeinen Rücksichtnahmegebot zwischen den Wohnungseigentümern. Weiter spielt es auch keine Rolle, ob ggf. andere Wohnungseigentümer ebenfalls Hunde unangeleint führen. Ein Wohnungseigentümer kann sich insoweit nicht auf eine "Gleichheit im Unrecht" berufen.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt VerwalterPraxis. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich VerwalterPraxis 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge