Gebäudeversicherung: Begriff des Sturmschadens
  
Begriff

BGB § 535; VGB 88

  1. Die Allgemeinen Versicherungsbedingungen sind so auszulegen, wie ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer sie bei verständiger Würdigung, aufmerksamer Durchsicht und unter Berücksichtigung des erkennbaren Sinnzusammenhangs verstehen muss.
  2. Die Regelung in § 8 Nr. 2 Buchst. b VGB 88 "Versichert sind nur Schäden, die entstehen ... dadurch, dass der Sturm Gebäudeteile, Bäume oder andere Gegenstände auf versicherte Sachen wirft ..." versteht ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer dahin, dass jedenfalls dann, wenn ein Sturm die maßgebliche Ursache dafür gesetzt hat, dass Gebäudeteile, Bäume oder andere Gegenstände auf eine versicherte Sache fallen und hierdurch einen Schaden verursachen, ein versicherter Sturmschaden vorliegt.
  3. Nicht entscheidend ist, ob die Gegenstände zeitlich unmittelbar durch den Sturm auf das versicherte Gebäude geworfen werden, wenn jedenfalls zwischen das Kausalereignis "Sturm" und den Erfolg "auf das Gebäude geworfen werden" keine weitere Ursache tritt, d. h. wenn der Sturm die zeitlich letzte Ursache des versicherten Ereignisses ist.

(Leitsätze des Gerichts)

Der Eigentümer eines Wohnhauses nimmt das Versicherungsunternehmen auf Zahlung von Versicherungsleistungen aus einer Gebäudeversicherung in Anspruch. Die Versicherung deckt u. a. auch Schäden, die durch Sturm oder Hagel verursacht werden. In den Versicherungsbedingungen (VGB 88) ist hierzu Folgendes geregelt:

§ 8 Sturm; Hagel

1. Sturm ist eine wetterbedingte Luftbewegung von mindestens Windstärke 8.

2. Versichert sind nur Schäden, die entstehen

a) durch unmittelbare Einwirkung des Sturms auf versicherte Sachen,

b) dadurch, dass der Sturm Gebäudeteile, Bäume oder andere Gegenstände auf versicherte Sachen wirft,

c) als Folge eines Sturmschadens gemäß a) oder b) an versicherten Sachen.

Am 28.2.2010 herrschte im Bereich des Gebäudes ein Sturm der Windstärke 8. Am 6.3.2010 – also 6 Tage nach diesem Ereignis – stürzte eine auf dem Nachbargrundstück stehende Buche auf das Flachdach des versicherten Gebäudes, wodurch ein erheblicher Schaden entstand. Nach dem Gutachten eines Sachverständigen bewirkte der Sturm einen Wurzelabriss, der nach einigen Tagen zum Umstürzen des Baumes führte. Der Versicherer hat die Regulierung des Schadens verweigert.

Sturmschaden nach Versicherungsregeln

Ein Versicherungsfall i. S. v. § 8 Nr. 2 b der VGB 88 liege nur vor, wenn ein Baum unmittelbar durch den Sturm auf das Gebäude gedrückt oder geworfen werde. Dies sei vorliegend nicht der Fall, weil zwischen dem Sturm und dem Umfallen des Baumes ein Zeitraum von 6 Tagen liege.

Sturmschaden und Standfestigkeit von Bäumen

Das Gericht ist anderer Ansicht: Allgemeine Versicherungsbedingungen sind so auszulegen, wie sie von einem durchschnittlichen Versicherungsnehmer zu verstehen sind. Nach diesem Verständnis liegt ein Versicherungsfall vor, wenn ein Sturm die maßgebliche Ursache für den Schaden gesetzt hat.

Insoweit genügt es, wenn feststeht, dass die Standfestigkeit des Baumes durch den Sturm aufgehoben und dass deshalb das Gebäude beschädigt wurde. Der Schaden muss nicht während des Sturms eintreten. Deshalb spielt es keine Rolle, dass zwischen dem Sturm und dem Schadenseintritt einige Tage liegen.

OLG Hamm, Urteil v. 25.9.2017, 6 U 191/15

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