Das Jahr 2015 war am deutschen Markt für die Übernahme börsennotierter Unternehmen durch zwei – letztlich nicht erfolgreich durchgeführte – große Transaktionen, nämlich die Übernahmeverfahren Potash/K+S und Vonovia/Deutsche Wohnen, sowie durch eine in Anzahl und Volumen leicht unter den Vorjahren liegende Zahl kleinerer bis mittelgroßer Transaktionen geprägt. Die Gesamtanzahl der Übernahmeverfahren nach dem WpÜG blieb dabei etwas hinter dem Niveau der vergangenen Jahre zurück (in 2015: 18; in 2014: 25; in 2013: 22), wobei das Transaktionsvolumen – bedingt insbesondere durch das großvolumige Verfahren Vonovia/Deutsche Wohnen – mit knapp 14 Mrd. Euro etwas über dem Vorjahr lag (in 2014: 12, 1 Mrd. Euro). Das Interesse der Marktteilnehmer an Public M&A-Themen blieb unverändert hoch, wie sowohl die intensive Presseberichterstattung insbesondere über die großen Transaktionsvorhaben als auch die anwaltliche und investmentbankseitige Beratungspraxis zeigt.[1]

Bemerkenswert ist, dass sich im Jahr 2015 die Anzahl der reinen Tauschangebote (alstria office/DO Deutsche Office sowie DEMIRE/Fair Value) sowie der kombinierten Bar- und Tauschangebote (Vonovia/Deutsche Wohnen sowie ADLER Real Estate/WESTGRUND) im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt vier Transaktionen verdoppelte, wobei Angebotsverfahren, bei denen die Gegenleistung ganz oder teilweise in Aktien bestand, auf den Immobiliensektor beschränkt blieben. Die von Marktbeobachtern seit längerem erwartete Trendwende in dieser Hinsicht auch außerhalb des Immobiliensektors kann dabei das im Februar 2016 veröffentlichte Angebot der Diebold, Inc. an die Aktionäre der Wincor Nixdorf AG eingeläutet haben, welches als erstes Angebot außerhalb des Immobiliensektors seit Mitte 2011[2] keine reine Barleistung, sondern eine Kombination aus Bar- und Sachleistung (eigene, neu ausgegebene Aktien von Diebold), als Gegenleistung vorsieht (s. hierzu unter II. 2. b).

Übernahmeangebote mit barer Gegenleistung blieben damit auch im Jahr 2015 der am häufigsten zu verzeichnende Transaktionstyp, wenngleich ihr Anteil an der Gesamtzahl der Transaktionen auf ca. 39 % gesunken ist (Vorjahr: 54 %). Die Anzahl der Pflichtangebote war gemessen am Vorjahresniveau ebenfalls rückläufig (in 2015: drei; in 2014: sechs), und die Anzahl der freiwilligen Erwerbsangebote überschritt nur knapp das Vorjahresniveau (in 2015: vier; in 2014: drei), wobei drei Viertel dieser Angebote im Zusammenhang mit einem Antrag auf ein Delisting der Zielgesellschaftsaktien noch vor Inkrafttreten des neuen § 39 BörsG[3] abgegeben wurden. Konkurrierende Angebote i. S. d. § 22 WpÜG gab es im Jahr 2015 – ebenso wie in den Vorjahren – nicht, was primär darin begründet liegen dürfte, dass sich die Bieter vor Veröffentlichung der Entscheidung nach § 10 WpÜG – durch ein unmittelbares Stakebuilding (dazu unten III.1.) oder durch den Abschluss entsprechender Vereinbarungen mit Groß- oder Mehrheitsaktionären der Zielgesellschaft bereits so viele Aktien der letzteren "gesichert" hatten, dass konkurrierende Angebote keine Aussicht auf Erfolgt haben konnten.[4] Bei dem im Februar 2016 bekanntgewordenen Zusammenschlussvorhaben der Deutsche Börse AG mit der London Stock Exchange Group plc. (LSEG) sind zwar konkurrierende Angebote der Wettbewerber Intercontinental Exchange Inc. (ICE) und CME Group Inc. (CME) im Gespräch – jedoch nur für die LSEG, nicht aber für die Deutsche Börse AG.[5]

Ein Blick auf die Transaktionsvolumina zeigt weiterhin, dass im Jahr 2015 lediglich zwei Transaktionen (Vonovia/Deutsche Wohnen,

(s. dazu unter II.1.b), und DMG MORI/DMG MORI SEIKI) die Schwelle von 1 Mrd. Euro überschritten, wobei das – letztendlich nicht erfolgreich durchgeführte – Übernahmeangebot der Vonovia SE für die Deutsche Wohnen AG mit einem Transaktionsvolumen von rund 9 Mrd. Euro mit signifikantem Abstand die größte Transaktion im deutschen Übernahmemarkt des Jahres 2015 darstellte (das Transaktionsvolumen bei DMG MORI/DMG MORI SEIKI lag bei rund 1, 6 Mrd. Euro). Das Volumen fünf weiterer Transaktionen bewegte sich zwischen 100 und 850 Mio. Euro, weitere zwei Transaktionen unterschritten die 100 Mio. Euro-Grenze nur knapp. Von den verbleibenden neun Transaktionen wiesen sechs ein Transaktionsvolumen von weniger als 10 Mio. Euro auf. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass es sich in den einzelnen Fällen um sehr unterschiedliche Transaktionstypen handelte – ein Angebot im Rahmen eines geplanten Delistings wird in den allermeisten Fällen ein deutlich niedrigeres Volumen aufweisen als die Übernahme eines wichtigen Wettbewerbers in einem boomenden Markt wie der deutschen Immobilienbranche. Dennoch reflektiert das verhältnismäßig niedrige Volumen nicht zuletzt auch den im Jahr 2015 insgesamt eher verhaltenen deutschen Transaktionsmarkt.[6]

Neben der fehlgeschlagenen Übernahme der Deutsche Wohnen AG durch die Vonovia SE gab es im Jahr 2015 keine weiteren sog. "feindlichen", also mit dem Management der Zielgesellschaft nicht abgestimmten Übernahmea...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt VerwalterPraxis. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich VerwalterPraxis 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge