1 Stand der Verordnung

Nach jahrelangen Diskussionen um zahlreiche Einzelheiten des Energieausweises für Bestandsgebäude hat das Bundeskabinett am 27.6.2007 den Energieausweis mit den vom Bundesrat beschlossenen Erleichterungen für Hauseigentümer verabschiedet. Damit kann die Neufassung der Energieeinsparverordnung (EnEV, BGBl I v. 26.7.2007, 1519) am 1.10.2007 in Kraft treten.

Für Neubauten ist die Erstellung eines Energieausweises bereits seit Inkrafttreten der Energieeinsparverordnung (EnEV ab 1.10.2007) am 1.2.2002 vorgeschrieben. Für den Gebäudebestand ergibt sich eine entsprechende Verpflichtung der Haus- und Wohnungseigentümer nunmehr aus der am 27.6.2007 verabschiedeten Neufassung der Energieeinsparverordnung. Danach ist ein Energieausweis bei Verkauf und Neuvermietung bzw. Verpachtung eines Gebäudes bzw. einer Wohnung erforderlich. Ist beides nicht der Fall und werden auch keine Mittel aus staatlichen Förderprogrammen für energetische Sanierungen in Anspruch genommen, muss auch kein Energieausweis erstellt werden.

2 Ausnahmen

Anwesen, die unter Denkmalschutz stehen (Baudenkmäler), sind von der Ausweispflicht ausgenommen. Ferner provisorische Gebäude mit einer Nutzungsdauer von bis zu 2 Jahren, Wohngebäude, die für eine Nutzungsdauer von weniger als 4 Monaten jährlich bestimmt sind, sowie Gebäude mit bis zu 50 qm Nutzfläche (§§ 1 Abs. 2, 16 Abs. 4 EnEV).

3 Übergangsfristen

Für Wohngebäude, die bis 31.12.1965 fertig gestellt worden sind, ist der Energieausweis ab 1.7.2008, für neuere Wohngebäude ab 1.1.2009, für Nichtwohngebäude, z. B. Geschäftshäuser ab 1.7.2009 erforderlich.

4 Zwei Varianten des Energieausweises

Die Energieeinsparverordnung unterscheidet zwischen dem Verbrauchsausweis und dem Bedarfsausweis.

In dem – relativ einfachen und kostengünstig zu erstellenden – Verbrauchsausweis wird lediglich der tatsächliche Heizenergieverbrauch des Gebäudes in den letzten 3 Jahren dokumentiert. Aus den Heizkostenabrechnungen bzw. den Rechnungen der Energielieferanten wird der – von witterungs- und nutzungsbedingten Schwankungen bereinigte – Heizenergieverbrauch pro qm Fläche ermittelt und (in kW-Stunden) in den Verbrauchsausweis aufgenommen.

Bei dem – wesentlich aufwändigeren und entsprechend teureren – Bedarfsausweis wird der Energiebedarf des Gebäudes errechnet. Dazu muss der energetische Zustand des Gebäudes festgestellt werden, insbesondere die Wärmedämmwerte der Bauteile (u. a. Außenwände, Fenster, Keller- und Speicherdecken) sowie die energetische Qualität der Heizungsanlage. Aus diesen Faktoren wird dann der theoretische Heizenergiebedarf des Gebäudes errechnet.

Die Ausweise enthalten auf vier Seiten die wesentlichen Gebäudedaten, den "Vergleichsbalken" (Energielabel) sowie Vergleichswerte und gegebenenfalls Modernisierungsempfehlungen.

 

Der Aussteller kann die benötigten Gebäudedaten vor Ort selbst erheben oder sich diese vom Eigentümer übermitteln lassen (§ 17 Abs. 5 EnEV).

5 Gültigkeitsdauer

Beide Varianten des Energieausweises gelten 10 Jahre ab Ausstellungsdatum. Auch bei Änderungen am Gebäude muss grundsätzlich kein neuer Ausweis ausgestellt werden.

 

Allerdings sollten Hauseigentümer im eigenen Interesse einen neuen Ausweis ausstellen lassen, wenn bauliche Maßnahmen am Gebäude (z. B. neue Fenster, Montage einer Wärmedämmung) oder Verbesserungen an der Heizungsanlage zu einer Verbesserung des energetischen Zustands führen, der in dem Energieausweis dokumentiert werden kann.

Erfahrungsgemäß fragen immer mehr Kauf- und Mietinteressenten nicht nur nach dem Kaufpreis bzw. der Nettomiete, sondern auch nach dem Energieverbrauch des Objekts. Dieser Trend wird sich künftig angesichts weiter steigender Energiepreise verstärken. Der Energieverbrauch bzw. -bedarf des Gebäudes wird daher zunehmend Einfluss auf die Marktchancen eines Objekts gewinnen.

6 Unbefristetes Wahlrecht

 

Eigentümer von Gebäuden mit mehr als 4 Wohnungen haben unabhängig vom Alter des Gebäudes ein zeitlich unbefristetes Wahlrecht zwischen den beiden Varianten des Energieausweises.

Gleiches gilt für Eigentümer von Ein-, Zwei-, Drei- und Vierfamilienhäusern, für die der Bauantrag nach dem 1.11.1977 gestellt worden ist. Ebenso für ältere Gebäude, wenn sie zwischenzeitlich energetisch saniert worden sind (entsprechend den Anforderungen der ersten Wärmeschutzverordnung).

7 Befristetes Wahlrecht

Eigentümer von Gebäuden mit bis zu 4 Wohnungen, für die der Bauantrag vor dem 1.11.1977 gestellt worden ist und die noch nicht energetisch saniert wurden, endet die Wahlfreiheit am 30.9.2008. Nach diesem Termin ist für die Eigentümer solcher Gebäude zwingend der aufwändige Bedarfsausweis vorgeschrieben.

 

Für diese Eigentümer ist die Ausstellung eines preisgünstigen Verbrauchsausweises "auf Vorrat" empfehlenswert, sofern nicht eine Vermietung oder ein Verkauf des Hauses in den nächsten zehn Jahren völlig ausgeschlossen ist.

8 Gebäudebezogene Ausstellung

Ein Energieausweis kann nur für das Gebäude, nicht für einzelne Wohnungen ausgestellt werden (§ 17 Abs. 3 Satz 1 EnEV).

Eine Ausnahme besteht nur für den Fall, dass ein nicht unerheblicher Teil des Gebäudes nicht für Wohnzwecke oder wohnähnliche Zwecke genutzt wird. Insofern sind die Ausweise für den Woh...

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