Bertelsmann-Stiftung: Konzept für eine Non-Profit-Ratingagentur

Angesichts der anhaltenden Kritik an den drei gewinnorientierten US-Ratingagenturen hat die Bertelsmann-Stiftung ein Konzept für eine internationale Non-Profit-Ratingagentur vorgelegt. "Fragwürdige Beurteilungen der Bonität von Staaten haben erheblich zu der jüngsten Finanzkrise beigetragen", sagte Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung, bei der Vorstellung der Studie. „Wir benötigen dringend eine zusätzliche, unabhängige Institution für die Bewertung von Länderrisiken, und wir müssen die Qualität der Länder-Ratings verbessern.„

Die gemeinnützige Ratingagentur (INCRA – International Non-Profit Credit Rating Agency) könnte als erste Institution die Interessen von Investoren nach möglichst hoher Qualität der Ratings und die weltweiten Bestrebungen von Regierungen und der breiten Öffentlichkeit nach mehr Transparenz, Legitimität und Rechenschaftspflicht in diesem Sektor miteinander in Einklang bringen.

Um die Qualität der Ratings zu erhöhen, würde INCRA neben den traditionellen makroökonomischen Indikatoren sog. "zukunftsgerichtete Indikatoren" mit einbeziehen. Diese Indikatoren bilden die sozioökonomischen und politischen Rahmenbedingen sowie mögliche politische und soziale Hindernisse eines Landes bei der Rückzahlung seiner Schulden ab. Zukunftsgerichtete Indikatoren könnten bspw. Fragen beantworten, wie den Umgang eines Landes mit vergangenen Finanzkrisen und die Fähigkeit, künftige Krisen zu meistern. Fragen nach dem politischen Management sind ebenso Teil des Indikatoren-Sets wie die Analyse des Korruptionslevels eines Landes.

INCRA basiert auf dem Konzept eines internationalen Netzwerks von Büros in Europa, den USA, Lateinamerika und Asien. Eine neue rechtliche und organisatorische Struktur bildet die Grundlage für die Arbeit dieses Netzwerkes. Die jährlichen Ausschüttungen aus einem langfristig angelegten Fonds sollen die operativen Kosten von INCRA decken sowie die Unabhängigkeit und Langfristigkeit der Arbeit gewährleisten. In den Fonds können Regierungen, Unternehmen, Stiftungen und private Förderer einzahlen. Der Fonds sollte ein Volumen von rund 400 Mio. US-Dollar umfassen, um die jährlichen operativen Kosten zwischen 15 und 24 Mio. US-Dollar tragen zu können.

Ein supranationales Gremium von Interessenvertretern, der "Stakeholder Council", soll die Unabhängigkeit gewährleisten. Er bildet den Puffer zwischen den Geldgebern und der Organisation der betrieblichen Abläufe. Ein Ausschuss, das "Credit Policy Committee", bestimmt die Kreditpolitik und nimmt die Aufgabe der Qualitätskontrolle wahr. So soll sichergestellt werden, dass die Ratings auf sachgerechten und umfassenden Verfahren basieren.

Nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung ist die G20, wo die Notwendigkeit einer Reform der Kredit-Ratingagenturen bereits thematisiert wurde, eines der besten Foren, um politische Unterstützung für die Gründung von INCRA zu finden. Die Bertelsmann-Stiftung ruft auch die Privatwirtschaft, NGO und andere gemeinnützige Organisationen auf, sich zu verpflichten, durch die INCRA eine bedeutendere Rolle im globalen Finanzsektor zu übernehmen.

Den INCRA-Report und eine deutsche Zusammenfassung der Studie finden Sie auf der Homepage der Bertelsmann-Stiftung.

(www.bertelsmann-stiftung.de)

PwC-Studie: Emissionsmarkt Deutschland

Deutsche Unternehmen nutzen das anhaltend niedrige Zinsniveau verstärkt zur Finanzierung über Anleihen. Während Börsengänge und Kapitalerhöhungen am deutschen Aktienmarkt in den ersten drei Monaten des Jahres 2012 deutlich niedrigere Erlöse als im Schlussquartal 2011 erbrachten, stieg das Emissionsvolumen am Anleihemarkt deutlich. Wie aus dem erstmals veröffentlichten Bericht "Emissionsmarkt Deutschland" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervorgeht, sammelten in- und ausländische Unternehmen durch Bondemissionen im ersten Quartal rund 124 Mrd. Euro ein. Gegenüber dem Vorquartal entspricht dies einem Zuwachs von gut 83 %. Gleichzeitig sank die durchschnittliche Verzinsung der Neuemissionen von 3, 7 % deutlich auf rund 2, 8 %.

Auf sog. Medium Term Notes (MTN), also mittelfristige Schuldverschreibungen im Rahmen regelmäßiger Emissionsprogramme, entfielen im ersten Quartal 55, 2 Mrd. Euro (viertes Quartal 2011: 16, 9 Mrd. Euro) und damit gut 44 % des gesamten Anleihevolumens.

Deutlich gestiegen ist im Quartalsvergleich der Anteil der Fremdwährungsanleihen, insbes. der US-Dollar-Bonds. Mit einem Emissionsvolumen von umgerechnet rund 30, 2 Mrd. Euro machten Fremdwährungsanleihen knapp ein Viertel des gesamten Emissionsvolumens aus. Im vierten Quartal 2011 kamen Nicht-Euro-Anleihen mit umgerechnet rund 9, 7 Mrd. Euro lediglich auf einen Anteil von knapp 14, 4 %. Das Volumen der US-Dollar-Anleihen stieg im Quartalsvergleich von umgerechnet 8, 2 Mrd. Euro auf 20, 7 Mrd. Euro.

Das höchste Anleihe-Emissionsvolumen verzeichnete im ersten Quartal 2012 die Düsseldorfer Börse mit 62, 9 Mrd. Euro. Damit verwies der rheinlä...

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