Zusammenfassung

 
Überblick

Auch nach der Abschaffung von Verlustzuweisungs- und Steuerstundungsmodellen ist die Attraktivität von Schiffsbeteiligungen ungebrochen. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Beteiligungen ist die Tonnagegewinnermittlung nach § 5a EStG. Besonders interessant wird diese Art der Kapitalanlage ab 2009, da die Abgeltungsteuer auf sie nicht anwendbar ist. Der folgende Beitrag stellt nicht nur das System vor, sondern bringt auch einen Steuerbelastungsvergleich mit privaten Geldanlegern.

I. Einleitung

Die maritime Wirtschaft ist nach wie vor Hauptträger des interkontinentalen Handels. Zurückzuführen ist das auch auf einen Mangel an Alternativen zu den Seeverkehrswegen. Im Zeitraum von 2004 bis 2008 erhöhte sich die Anzahl an Containerschiffen jährlich um über 8, 8 Prozent. Parallel dazu stieg der weltweite Containerumschlag, dargestellt in Abbildung 1, stetig an.[1] Angetrieben vom stetigen Wachstum der Weltwirtschaft werben Kapitalanlagen in Form von Schiffsfonds in den letzten Jahren mit attraktiven Renditen. Die Kapitalanlage in Schiffsfonds hat sich daher in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit erfreut.[2] So investierten allein private Anleger seit 1993 mehr als 24 Mrd. Euro in geschlossene Schiffsfonds.[3]

In früheren Zeiten hatten Beteiligungen an Schiffsfonds primär den Charakter von Verlustzuweisungsmodellen. Doch auch nach der Abschaffung von Verlustzuweisungs- und Steuerstundungsmodellen[4] (früher § 2b EStG, seit 2005 § 15b EStG) war es für Kapitalanleger möglich, eine attraktive Nachsteuerrendite zu erwirtschaften. Die Attraktivität von Schiffsfonds ist seither im Wesentlichen ungeschmälert.[5] Ein wichtiger Bestandteil der attraktiven Nachsteuerrendite für die Anleger ist die Tonnagegewinnermittlung nach § 5a EStG. Diese bietet seit 1999 eine günstige, vom Ertrag des Schiffsfonds unabhängige Besteuerung. Im Lichte der ab 2009 geltenden Abgeltungsteuer geraten die Schiffsfonds immer stärker in den Fokus der Kapitalanleger, denn die Abgeltungsteuer findet hier keine Anwendung.[6] Generell ist in den letzten Jahren bei Anlegern ein verstärkter Trend hin zu alternativen Kapitalanlagen zu beobachten, die zwar nicht die Liquidität etablierter Anlageklassen, wie Aktien oder Anleihen, aufweisen können, dafür aber im Ruf stehen, das Rendite-/Risiko-Profil eines Portfolios für den Anleger günstig zu beeinflussen.[7] Ausgehend vom platzierten Eigenkapital stellen Schiffsbeteiligungen mit mehr als 1 Milliarde Euro im 1. Halbjahr 2008 nach Immobilen das zweitgrößte Segment im Bereich geschlossener Fonds dar.[8] Der folgende Beitrag dient dem besseren Verständnis von Schiffsbeteiligungen aus Sicht des privaten Kapitalanlegers. Er erläutert das Finanzprodukt "geschlossener Schiffsfonds", stellt die steuerlichen Implikationen einer Beteiligung an einem solchen Fonds für den Anleger dar, und führt darauf aufbauend einen Steuerbelastungsvergleich mit privaten Kapitalanlagen unter Geltung der Abgeltungsteuer ab 2009 durch.

[1] Vgl. Institut of Shipping Economics and Logistics (ISL): Shipping Statistics and Market Review, Volume 52 No 5/6 – 2008; vgl. auch Statistisches Bundesamt, Wirtschaft und Statistik 2007, Wiesbaden 2007, 696 ff.
[2] Vgl. Fischer, in: Schiffsfonds – Kurs auf Rendite, in: StC 2007, 44 (Haufe-Index: 1818593); für grundsätzliche Informationen zum Schiffsmarkt vgl. Duchardt/Gillitzer, Aktuelle Übersicht des Marktes für steuerbegünstigte Kapitalanlagen 2001 – Wirtschaftliche Sinnfragen im Hinblick auf die Möglichkeit eines Vermögensaufbaus, in: DStR 2001, 1628.
[3] Vgl. Loipfinger, Zusammenfassung Marktanalyse der Beteiligungsmodelle, 2007; "TEU" steht für "Twenty Foot Equivalent Unit" und ist eine Maßeinheit für die Container-Transportkapazität von Schiffen und Hafeneinrichtungen und dient als Standard zur einheitlichen Zählung von Containern. 1 TEU entspricht dabei einer 20 Fuß (Standard-)Containereinheit.
[4] Bei so genannten "Kombi- oder Doppel-Whopper-Modellen" kombinierte der Anleger anfängliche steuermindernde Verlustzuweisungen mit einem späteren Wechsel zur günstigen Tonnagebesteuerung.
[5] Vgl. Drobetz/Tegtmeier/Topalov, Handelsplattformen für Schiffsbeteiligungen: Analyse und Vergleich von Zweitmärkten für Schiffsbeteiligungen unter Effizienzgesichtspunkten, in: Finanz-Betrieb 2008, 57.
[6] Vgl. Fischer, Neue Steuerregelung, Beteiligungen trumpfen auf, Kurs Nr. 9 vom 1.9.2008, 55 (WISO-Datenbank 1436-302X).
[7] Vgl. Grelck/Prigge/Tegtmeier/Topalov, (Diversification Properties of Investments in Shipping, 2007), 1.
[8] Vgl. Scope Holding GmbH, (Scope Analysis Report – Geschäftsklimaindex Geschlossene Fonds, 10/2008), 4.

II. Kapitalanlage in geschlossene Schiffsfonds

1. Geschlossene Schiffsfonds als Finanzprodukt

Üblicherweise sind geschlossene Fondsbeteiligungen in Form von Einzweckgesellschaften in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft (GmbH & Co. KG) strukturiert, die in ein Schiff oder eine Schiffsflotte investieren.[9] Das Fondsvermögen besteht damit in der Regel lediglich aus einem oder wenigen Objekt(en) mit geringer Nutzung von Risikodiversifikationspotenzialen. Diverse Emissionshäuser...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt VerwalterPraxis. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich VerwalterPraxis 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge