Die (plötzliche) Vakanz des Aufsichtsratsvorsitzes stellt Gesellschaften nicht nur vor die (herausfordernde) Suche nach einem geeigneten Nachfolger; auch die aktienrechtliche Publizitätsvorschrift des § 80 AktG ist in solch einem Fall zu beachten und sollte nicht durch das Raster fallen. Solange die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden noch nicht neu besetzt ist, sollte die Position bis zur Neuwahl auf Geschäftsbriefen als vakant gekennzeichnet werden (z. B. mit "n/a", "derzeit vakant""N.N." oder durch Platzhalter). Dieser Lösungsvorschlag steht im Einklang mit dem Aktiengesetz und setzt die betroffene Gesellschaft den geringsten rechtlichen Risiken aus. Bei einem plötzlichen Ausscheiden des Aufsichtsratsvorsitzenden muss der Aufsichtsrat ferner unverzüglich reagieren und die vakante Stelle durch eine Neuwahl schnellstmöglich besetzen. Etwaige Spezialkompetenzen in der Satzung und Geschäftsordnung des Aufsichtsrats zur Sitzungsleitung bei der Neuwahl sind hierbei zwingend zu beachten um den Aufsichtsrat keinen Formfehlern bei der Neuwahl auszusetzen und diese angreifbar zu machen.

 

Dr. Thyl N. Haßler, RA, LL.M. (Köln/Paris I), Maître en droit, ist Rechtsanwalt im Düsseldorfer Büro von Allen & Overy LLP. Er berät Unternehmen schwerpunktmäßig bei nationalen und internationalen M&A-Transaktionen sowie in allen Fragen des Gesellschaftsrechts (insbesondere im Aktien- und Konzernrecht einschließlich Corporate Governance-Aspekte).

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