Den Versicherern stellt sich im Hinblick auf ihre Anlage von (mindestens) zwei Seiten ein Dilemma: Zum einen bieten stetig sinkenden (Leit-)Zinsen ihnen keine auskömmliche Rendite mehr in ihrem dominierenden Anleiheportfolio. Zum anderen sind ihnen langfristige alternative Anlagen durch einen kombinierten Effekt aus Marktbewertung von Forderungen und Verbindlichkeiten (IASB) und Kapitalunterlegungspflichten (Solvency II) erschwert.[74] Die EU-Vorhaben in Sachen ELTIF setzen hier nur ein unzureichendes Gegengewicht.

Besteht also auf Seiten der (institutionellen) Anleger[75] ein Druck dahingehend, die Rendite durch aktive alternative Produkte nachhaltig zu erhöhen, so ist dies gleichermaßen für Fondsinitiatoren eine Notwendigkeit: Hierbei zeigt sich die weitere Besonderheit, dass eine Reihe traditioneller, aktiv verwalteter Produkte im Wachstum hinter passiven Produkten zurückbleibt – und zudem im Vergleich zu passiven Produkten wie ETFs auf Grund der höheren Kosten im Ergebnis relativ margenschwach abschließt, während alternative Produkte eine deutlich höhere Netto-Marge bieten.

Es bleibt also zu hoffen, dass sich auf Basis eines stabileren regulatorischen Rahmens 2014 wieder mit ruhigerem Fokus Anlageprodukte entwickeln lassen, die auf zunehmend aufgeklärte wie interessierte Anleger im institutionellen[76] wie (per se margenstärkeren) Retailsegment[77] treffen. Gerade für Letztere bleibt aber abzuwarten, ob z. B. die derzeit in der Tagespresse wieder stark in den Vordergrund gerückten "schwarzen Schafe" weiterhin das Interesse an einer aktiven und kundigen[78] Befassung mit der eigenen Finanzplanung lähmen.

 

Dr. Thomas A. Jesch, LL.M. Taxation (Georgetown), RA/FAStR, ist Counsel bei Kaye Scholer in Frankfurt a. M. Seine Tätigkeitsgebiete umfassen die steuerliche und regulatorische Beratung von Fondssponsoren mit dem Schwerpunkt Private Equity, Venture Capital, Cleantech, Real Estate, Infrastructure und Distressed Debt.

[74] Mansfeld, Kreditwesen 3/2012, 114. Letztere betreffen nicht nur etwa Hedgefonds und Private Equity, sondern insbesondere auch Aktien und Immobilien, vgl. Richter, Kreditwesen 16-17/2013, 824.
[75] Institutionelle Anleger sind im Übrigen durchaus zufrieden mit der Auswahl ihrer Asset Manager, wie das "Investor Screening 2013" von Telos und Homburg & Partner belegt, vgl. Bendix, Gutes Zeugnis für Anbieter, portfolio institutionell, 2013, 22 ff. Hier zeigen sich keine eruptiven Wellen von Börsenhype einerseits und Vogel-Strauss-Anlagepolitik andererseits wie jedenfalls bei vielen deutschen Retailanlegern.
[76] Über die gesamte Bandbreite der institutionellen Investoren wie Investitionen betrachtet, wachsen die Assets under Management stetig an – bis Ende Mai 2013 auf 1, 3 Bio. Euro, vgl. Richter, Kreditwesen 16-17/2013, 824.
[77] Zu deren Zurückhaltung insbesondere im Bereich der Aktienanlagen vgl. Mansfeld, Kreditwesen 3/2012, 114, 115.
[78] Möllers/Poppele, ZGR 2013, 437, 447 weisen zu Recht darauf hin, dass auf Produktebene die Informationsfülle für den Anleger i. d. R. nur mit Hilfe von Finanzintermediären zu bewältigen ist. Eine Bringschuld für den Anleger bleibt aber unabhängig davon eine Grundvorstellung von einer angemessenen, lebensphasengerechten Asset Allocation.

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