Lexikonbeitrag aus VerwalterPraxis

Balkon- und Treppengeländer – Haftungsfalle für den Verwalter

Balkon- und Treppengeländer – Haftungsfalle für den Verwalter

Nach einer Bestandsaufnahme durch Experten sollen etwa 80 % der existierenden Geländer einer statischen Prüfung nicht standhalten und ein Sicherheitsrisiko darstellen (Quelle: Autor Hans-Walter Goldius – Balkon- und Treppengeländer richtig planen, konstruieren und montieren, 2. Auflage 2007 – Verlagsgesellschaft Müller).

Die Gründe der mangelnden Statik sind meist in zu geringen Pfostenquerschnitten, zu kleinen Fußplatten und falschen Dübeln zu suchen. Kommt es dann zu Personenschäden (Abstürzen) trotz vorhandener Geländer, werden nach der Ursachenermittlung die Verantwortlichen belangt.

Dies sind meistens die Metallbauer, die die Geländer gebaut und montiert haben. Aber auch der Planer ist betroffen, wenn die Ausschreibung fehlerhaft war oder dort bereits falsche Vorgaben gemacht wurden. Mitunter liegen bei Unglücksfällen jedoch komplizierte Verflechtungen vor. Dies insbesondere, wenn Wohnungsverwaltungen Geländererneuerungen selbst ausschreiben, der Preis dann das bestimmende Vergabekriterium ist und daraufhin durch einen Montagebetrieb ein Fertiggeländer verbaut wird, welches einer statischen Überprüfung nicht standhält.

Grundsätzlich haften Hausbesitzer für Unfälle mit Geländern, wenn der Zeitpunkt der Sanierung verpasst worden ist. Der WEG-Verwalter ist gemäß § 27 WEG für Überwachung und Kontrolle verantwortlich.

Geländer aus Stahl besitzen nur eine beschränkte Lebensdauer. Mit dem Wegrosten der Querschnitte der Pfostenprofile ist die Standsicherheit erheblich eingeschränkt oder gar nicht mehr vorhanden.

Die Lebensdauer von Geländern hängt maßgeblich von der Qualität sowie den Umwelteinflüssen ab. So gibt es Beispiele, wonach bereits nach 15 Jahren eine Sanierung erforderlich war. Andere Geländer konnten über 50 Jahre die Anforderungen des Personenschutzes sicherstellen.

Das Problem für uns als Verwalter liegt in der Ungewissheit des jeweiligen Geländerzustands der von uns verwalteten Objekte. Können wir bei einer Geländererneuerung während unserer Verwalterzeit noch alles richtig machen, sieht es bei der Übernahme von älteren Objekten in den Verwaltungsbestand anders aus.

Daher kann ich nur empfehlen, bei den Objektbegehungen verstärkt auf die Balkon- und Treppengeländer zu achten! Reagieren Sie auf Mängelmeldungen von Bewohnern (rostige Geländer, lockere Fußpunkte!!, wackeliger Gesamtzustand!!) unverzüglich! Hier muss ein Statiker hinzugezogen werden, der dann in eigener Verantwortung die Standsicherheit der Geländer bewertet. Nur so kann sich der Verwalter aus der eigenen Haftung befreien.

Sehr ratsam ist es zudem, gerade bei anstehenden Anstrichen von zumeist älteren Balkongeländern, gleichzeitig den Nachweis der Standsicherheit erbringen zu lassen. Hier sollte der Verwalter den Eigentümern im Zusammenhang mit der Beauftragung des ausführenden Unternehmens immer den Einsatz eines Statikers vorschlagen. Lehnt die Gemeinschaft dies ab, so ist der Verwalter m. E. im Schadensfall nicht mehr haftbar zu machen.

Dieses Thema zeigt erneut, mit welch enormen Haftungsrisiken der Verwalterberuf belegt ist. Ich wünsche Ihnen allen auch weiterhin eine ebenso erfolgreiche wie auch glückliche Hand bei Ihrer Tätigkeit.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich ferner ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest sowie einen guten Start in das neue Jahr 2010.

Es grüßt herzlich

Ihr Michael Keuter

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