Rz. 203

PRIs Mission ist die Schaffung eines wirtschaftlich effizienten, nachhaltigen globalen Finanzsystems zur langfristigen Wertschöpfung. Dieses Ziel soll durch die Förderung sowie die Zusammenarbeit bei der Umsetzung der 6 Prinzipien (Rz 208) erreicht werden. Gute Unternehmensführung, Integrität und die Übernahme von Verantwortung sowie die Beseitigung von Hindernissen für ein nachhaltiges Finanzsystem, die im Bereich Marktpraktiken, Strukturen und Regulierung liegen, sind weitere Bausteine.[1]

 

Rz. 204

PRI besteht aus einem internationalen Netzwerk von sog. Signatories (Unterzeichnenden). Zur Gründung hatte PRI 51 Signatories, darunter z. B. die Munich Re, BNP Paribas Asset Management oder Amundi. Im Jahr 2021 lag die Zahl der Signatories bei 4.300 aus 60 Ländern mit ca. 120 Billionen USD verwaltetem Vermögen.[2]

 

Rz. 205

Um Signatory werden zu können, muss man in eine der folgenden Kategorien fallen:

  1. Eigentümer von Vermögenswerten (Asset Owner): Besitzer von langfristigen Altersvorsorge-, Versicherungs- oder anderer Vermögenswerte, z. B. Pensionsfonds, Staatsfonds, Versicherungsgesellschaften;
  2. Investment Manager: Dritte, die Investmentfonds verwalten oder kontrollieren und einen institutionellen Markt und/oder den Privatkundenmarkt bedienen;
  3. Dienstleistungsanbieter (Professional Service Partners): Dienstleister, die Produkte oder Dienstleistungen für Vermögenseigentümer und/oder Anlageverwalter anbieten.

Signatories der Kategorie a) stellen die Mehrheit der Unterzeichner. Je nach Kategorie muss ein bestimmter Mitgliedsbeitrag gezahlt werden, über den sich PRI finanziert.[3]

 

Rz. 206

Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums im Jahr 2016 hat sich PRI eine neue 10-Jahres-Vision gesetzt: "A Blueprint for Responsible Investment". Der Blueprint beschreibt 3 Bereiche, in denen sich PRI über 10 Jahre (2017–2027) weiterentwickeln will.

  1. Verantwortungsvolle Investoren: Dieser Bereich steht für den Kernbereich der PRI, der weiter ausgebaut und vertieft werden soll.
  2. Nachhaltige Märkte: Der 2. Bereich zielt auf die Abschaffung von Barrieren für ein nachhaltiges Finanzsystem.
  3. Eine prosperierende Welt für alle: Der 3. Bereich steht für die tatsächlichen Auswirkungen, die durch nachhaltiges Investieren erreicht werden können.[4]
 

Rz. 207

Alle 3 Jahre erarbeitet PRI eine Strategie, die die Ziele des Blueprint voranbringen soll. Die aktuelle 3-Jahres-Strategie (2021–2024) steht unter dem strategischen Thema: "Building a Bridge between Financial Risk, Opportunities and Real World Outcomes". Für jeden der 3 Bereiche des Blueprint legt die Strategie Einzelmaßnahmen fest.[5]

 

Rz. 208

PRI und damit auch alle Signatories verpflichten sich zu den 6 Prinzipien. Die Prinzipien fungieren als Plattform zur Formalisierung und Fokussierung von nachhaltigem Investieren.

 
  1. Wir werden ESG-Themen in die Analyse- und Entscheidungsprozesse im Investmentbereich einbeziehen.
  2. Wir werden aktive Anteilseigner sein und ESG-Themen in unserer Investitionspolitik und -praxis berücksichtigen.
  3. Wir werden Unternehmen und Körperschaften, in die wir investieren, zu einer angemessenen Offenlegung in Bezug auf ESG-Themen anhalten.
  4. Wir werden die Akzeptanz und die Umsetzung der Prinzipien innerhalb der Investmentbranche vorantreiben.
  5. Wir werden zusammenarbeiten, um unsere Wirksamkeit bei der Umsetzung der Prinzipien zu steigern.
  6. Wir werden über unsere Aktivitäten und Fortschritte bei der Umsetzung der Prinzipien Bericht erstatten.

Abb. 16: Die 6 Prinzipien[6]

 

Rz. 209

Das 1. Prinzip fordert die Unterzeichnenden auf, ESG-Themen in Investment- und Entscheidungsfindungsprozessen zu berücksichtigen. Mögliche Bereiche für Maßnahmen zur umfassenden Umsetzung sind Research- und Analyseaktivitäten, Portfolio-Gestaltung oder auch Training und Capacity Building von Mitarbeitenden.[7]

 

Rz. 210

Bei der Berücksichtigung in Investmentprozessen gibt es grds. 2 Strategien – Core-Strategien und Broad-Strategien. Bei Core-Strategien wird im 1. Schritt die ESG-Analyse durchgeführt und dann erst die finanzielle Analyse. Dies bedeutet, dass von vornherein gewisse Anlagemöglichkeiten ausgeschlossen werden. Beispiele für diese Art von Strategien sind Negativ-Screening, Positiv-Screening oder Best-in-class-Ansätze. Bei Broad-Strategien erfolgt die ESG- und finanzielle Analyse integriert. Es geht um die Beurteilung einzelner Risiko-Rendite-Profile und kann bis zur bewussten Einflussnahme reichen. Beide Strategiearten können auch kombiniert angewendet werden.[8]

 

Rz. 211

Das 2. Prinzip fordert die Signatories dazu auf, ihre Einflussmöglichkeiten aktiv zu nutzen und entsprechend in der Anlagepolitik zu verankern. Die gezielte Ausübung der Stimmrechte, die Einreichung von Aktionärsanträgen zu ESG-Themen oder auch das direkte Engagement mit Unternehmen zu ESG-Themen seien hier als beispielhafte Maßnahmen genannt. Die Möglichkeiten des Engagements werden für die unterschiedlichen Anlageklassen variieren. Teilweise sind sie durch Mechanismen wie die genannten Aktionärsanträge formalisiert.

 

Rz. 212

Die Sch...

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