Rz. 6

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass eine zunehmende Nachfrage hierzu in Deutschland registriert werden kann. Die Anzahl der Dollar-Millionäre (High Net Worth Individuals, HNWI) 2019 ist weltweit gestiegen. In Deutschland wurden 8,6 Prozent mehr Dollar-Millionäre registriert. Das Gesamtvermögen und die Anzahl von High Net Worth Individuals (HNWI) sind im Jahr 2019 trotz eines leichten globalen Wirtschaftsabschwungs, internationaler Handelskriege und geopolitischer Spannungen weltweit um fast neun Prozent gestiegen, so das Ergebnis des World Wealth Report 2020 von Capgemini. Den stärksten Zuwachs an HNWI und Vermögen gab es in Nordamerika (11 %) und Europa (9 %), womit diese Regionen seit 2012 in Bezug auf das Wachstum erstmals wieder vor der Region Asien-Pazifik (mit 8 %) liegen. Doch der weitere Verlauf des Booms aus dem Jahr 2019 ist mit Unsicherheiten behaftet, da sich die Weltwirtschaft 2020 laut Internationalem Währungsfonds auf einen prognostizierten Rückgang von 4,9 Prozent einstellen muss. Mit dem Anstieg von sowohl der Anzahl als auch dem Gesamtvermögen der US-Dollar-Millionäre um jeweils rund elf Prozent in Nordamerika (gegenüber einem Vermögensrückgang um 1 % im Jahr 2018) steht diese Region im Jahr 2019 für 39 Prozent des HNWI- und 37 Prozent des Vermögenswachstums weltweit. Europa übertraf mit der wachsenden Anzahl sowie dem angestiegenen Gesamtvermögen der HNWI von fast neun Prozent ebenfalls das Wachstum in den Regionen Asien-Pazifik und Lateinamerika. Trotz der robusten Marktleistung mehrerer asiatischer Länder, darunter Hongkong, China und Taiwan, wuchs diese Region 2019 insgesamt nur um knapp acht Prozent und blieb damit hinter der durchschnittlichen weltweiten Wachstumsrate bezüglich Anzahl der HNWI von fast neun Prozent zurück. In Deutschland wuchs die Anzahl der HNWI von 2018 bis 2019 um 8,6 Prozent (2017–2018: -1,1 Prozent) auf 1.466.000 Dollar-Millionäre. Das Gesamtvermögen der deutschen HNWI stieg um 8,8 Prozent, nachdem es im Vorjahreszeitraum (2018) noch um 3,9 Prozent gesunken war. Als Millionär, genauer als "High Net Worth Individuals" (HNWI) gilt man in dieser Zählweise, wenn man ein investierbares Vermögen von mehr als einer Million Dollar besitzt; selbstgenutzte Immobilien würden dabei nicht mitgerechnet. Ein wichtiger Grund für die überdurchschnittliche Entwicklung der Millionärszahlen hierzulande lag im überproportionalen Anstieg der Immobilienpreise sowie in den positiven Börsenentwicklungen.[2]

 

Rz. 7

Das IfM Bonn schätzt seit Beginn der 1990er Jahre in regelmäßigen Abständen die Anzahl der anstehenden Unternehmensübertragungen in Deutschland. Nach aktuellen Schätzungen steht im Zeitraum von 2018 bis 2022 in rund 150.000 Unternehmen die Übergabe an. Dies entspricht 30.000 Übergaben pro Jahr. Der Großteil entfällt hierbei auf Familienunternehmen. Die meisten Übernahmen stehen im Dienstleistungssektor an, gefolgt vom Produzierenden Gewerbe und dem Handel.[3]

 

Rz. 8

Gut die Hälfte (53 %) der Eigentümer übergeben das Unternehmen an die eigenen Kinder bzw. an andere Familienmitglieder (familieninterne Lösung). Weitere 29 % der Übertragungen erfolgen an externe Führungskräfte, andere Unternehmen oder andere Interessenten von außerhalb (unternehmensexterne Lösungen). Etwa 18 % der Familienunternehmen übertragen das Unternehmen an Mitarbeiter (unternehmensintern).

 

Rz. 9

Nach einer Schätzung der Statista werden im Zeitraum 2015 bis 2024 insgesamt ca. 3 Billionen Euro vererbt. Somit ist eine deutliche Steigerung des Erbschaftsvolumens erkennbar. Nach Ansicht des Autors könnte aber in Zukunft die Dynamik des Erbschaftsvolumens nachlassen, da die aktuelle "Nullzinspolitik" der EZB negative Folgen auf das Steigerungspotential der Vermögenswerte von Privathaushalten hat. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Vermögensklassen wie Versicherungen, festverzinsliche Wertpapiere und Geldwerte deutlich an Rentabilität eingebüßt haben. Mittlerweile haben viele Banken auch eine Negativverzinsung (Verwahrentgelt/Geldaufbewahrungsvergütung) eingeführt. Dies bedeutet, dass Sichteinlagen (in der Regel ab ca. 100.000 EUR) mit einem Zins seitens der Bank belastet werden. Seit dem 18. September des Jahres 2019 gilt ein durch die EZB festgelegter Zinssatz für die Einlagefazilität von -0,50 Prozent. Somit erfolgt in diesem Bereich für den Anleger/Sparer nicht nur eine theoretische Geldentwertung in Höhe der Inflation, sondern auch eine praktische im Rahmen der Belastung des Verwahrentgelts. Das Segment Immobilien konnte in der Vergangenheit aufgrund des Nachfrageüberhangs deutlich an Wert zulegen. Hierunter leidet in hohem Maße die laufende Rentabilität durch die stark gestiegenen Kaufpreise, da die laufenden Mieteinnahmen nicht im gleichen Maße gestiegen sind. Insgesamt kann festgestellt werden, dass in Deutschland tendenziell die Einkünfte in den höheren Einkommensgruppen überproportional zugenommen haben, sodass dies neben einer Vermögensübertragung zu Lebzeiten, oder von Todes wegen, zu e...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt VerwalterPraxis. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich VerwalterPraxis 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge