20.10.2015 | Top-Thema Nachbericht Expo Real 2015 - Gute Stimmung, große Herausforderungen

Themen der Expo Real 2015: Entwicklungen in der Immobilienbranche

Kapitel
Bild: YouTube

Wie innovativ die Immobilienbranche sein kann, zeigte sich bei den weiteren Kernthemen der Expo Real: Ein Großteil des diesjährigen Konferenzprogramms stand im Zeichen der „Immobilienwirtschaft 4.0″ und behandelte die unterschiedlichen Aspekte der fortschreitenden Digitalisierung der Branche. Ein anderer, nicht weniger aktueller Schwerpunkt lag zudem auf der Konzeption von Lösungsansätzen zur Bewältigung der Flüchtlingsproblematik.

Diese betrifft bei Weitem nicht nur das "smarte Zuhause" – digitale Lösungen sind inzwischen auch beim Immobilienmarketing, beim Facility Management und Portfolio- sowie Asset Management gefragt und nicht zuletzt auch bei Architekten, Planern, Bauunternehmen und Projektentwicklern.

Die digitale Transformation der Immobilienwirtschaft hat begonnen

"Am Bau" dreht sich die digitale Transformation der Immobilienwirtschaft vor allem um die zukunftsträchtige Methode des BIM (Building Information Modeling oder zu deutsch "Gebäudedatenmodellierung"). Wie Peter Tzeschlock ausführt, ist es mittels BIM möglich, dass sich alle am Projekt Beteiligten zu jedem Zeitpunkt über den aktuellen Stand der Planung und des Baufortschritts informieren können: "Mit BIM bauen heißt, zu einem frühen Zeitpunkt der Planung die Grundlagen dafür zu legen, dass die Lebenszykluskosten einer Immobilie deutlich geringer ausfallen als beim herkömmlichen Bauen." Die Zusammenarbeit der einzelnen Gewerke bei einem Projekt werde durch BIM deutlich verbessert; gleichzeitig habe jedes beteiligte Gewerk ein Kostenziel und es werde beim BIM-Projekt frühzeitig deutlich, wenn die Kosten irgendwo aus dem Ruder laufen. "Für die Planer bedeutet es eine massive Aufwandsreduzierung", so Tzeschlock. "Häufig wird doch erst beim Bau klar, dass der zuvor gesteckte Kostenrahmen nicht einzuhalten ist – zum Ärger des Bauherren oder Investors", so Tzeschlock. "Um dennoch im Kostenplan zu bleiben, muss dann "nachgebessert" werden: Teure Natursteinfliesen weichen einem günstigeren Bodenbelag; statt Edelstahlgeländern gibt’s dann nur die eloxierte Variante", führt der Drees & Sommer-Chef weiter aus. "Bei BIM-Projekten ist das anders – hier kann der Bauherr davon ausgehen, dass keine teuren "Ehrenrunden" anfallen und er sich nicht nur bei der Planung auf sein Projekt freuen kann, sondern auch noch nach der Übergabe." Die Rechnung "Erstellungs-/Lebenshaltungskosten versus Ertragseite" werde einfacher – was BIM nicht nur für die Investoren, sondern auch für die finanzierenden Banken interessant mache.

Flüchtlingskrise beschäftigt deutsche Wohninvestoren

BIM könnte auch mit Blick auf die drängenden Probleme der Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum an Bedeutung gewinnen, allein schon weil die digitale Unterstützung schnelleres Bauen ermöglicht. Rasche Wohnraumbeschaffung zählt derzeit bekanntlich zu den größten Herausforderungen in der Bundesrepublik – vor allem wegen des nicht abreißenden Zustroms von Migranten, der auf der Expo Real für weiteren Diskussionsstoff sorgte. "Das Thema Flüchtlinge und der politisch korrekte Umgang der Branche mit der Thematik – irgendwo zwischen Verantwortung und Geschäft – hat die allermeisten Diskussionen irgendwann gestreift", berichtet Thomas Beyerle, Leiter Research bei Catella.
Eine Expertenrunde, initiiert vom Düsseldorfer Immobiliendienstleister Aengevelt, diskutierte auf der Expo Real über Lösungsansätze. Allein die nüchternen Fakten, die dort präsentiert wurden, beeindruckten: Das Immobilienunternehmen hat berechnen lassen, dass in ganz Deutschland mittelfristig rund 500.000 Wohnungen mit insgesamt 35 Millionen Quadratmetern Nettowohnfläche benötigt werden. Für die Flüchtlinge, die in diesem Jahr angekommen sind und dauerhaft in Deutschland bleiben werden, braucht es 185.000 Wohneinheiten, im kommenden Jahr werden weitere 135.000 benötigt. Bei einer Wohnungsgröße von 80 Quadratmetern und wenn man mit äußerst niedrigen Anschaffungskosten von 1.000 Euro pro Quadratmetern kalkuliert, entspricht dies einem Investitionsbedarf von rund 26 Milliarden Euro. Mittel der Wahl für den kurz- und mittelfristigen Bedarf an Wohnraum für Asylsuchende ist aus Sicht von Wulff Aengevelt die Ertüchtigung von Leerständen. Die Stadt Düsseldorf etwa hat ein leerstehendes Bürogebäude in Flughafennähe angemietet, um dort rund 250 der bis zu 7.000 Flüchtlinge unterzubringen. Der Vermieter, ein Privatinvestor, wird die Flächen mit einem Budget von 900.000 Euro umbauen und sie mit erweiterten Sanitärbereichen und Gemeinschaftsräumen ausstatten. Die Stadt Haan kaufte eine leerstehende Gewerbeliegenschaft zur Unterbringung von Flüchtlingen. In beiden Fällen liegen die Kosten für die Umnutzung der Gewerbeflächen bei wenigen hundert Euro; für einen Neubau fielen 1.000 Euro pro Quadratmeter an.

Soldider Wohnungsbau schnell und kosteneffizient

Andere Wege geht der Immobilienentwickler Markus Gildner, der derzeit "The Peoples Project" realisiert. In Eckental bei Nürnberg erstellt er in nur sechs Monaten Bauzeit eine Reihenhausanlage. Die sechs rund 160 Quadratmeter großen Häuser können in jeweils drei Untereinheiten, also insgesamt 18 Einheiten für 60 Personen, unterteilt werden. Gildner hält die Kosten niedrig – die Häuser sind nicht unterkellert und es wird mit vorgefertigten Normbauteilen gebaut. So kommt Gildner auf Baukosten von rund 1.150 Euro/qm. Die Regierung mietet für zehn Jahre, und wenn die Flüchtlinge ausziehen, soll die Siedlung auf dem freien Wohnungsmarkt angeboten werden. Das Vorhaben traf zwar in der Bevölkerung auf heftige Kritik, doch bei Kommunen scheint das Konzept gut anzukommen, wie Gildner berichtete: Weitere Kommunen hätten bereits Interesse bekundet.

Expo Real 2016: Neue Zeit, gleicher Ort

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion versprachen, sich im nächsten Jahr wieder zu treffen und dann zu erörtern, ob die Immobilienbranche ihren Beitrag zur Bewältigung der Flüchtlingskrise geleistet hat. Sie müssen sich allerdings – wie alle anderen Immobilienprofis – einen anderen Termin im Kalender notieren: Die Expo Real 2016 startet nicht wie gewohnt am Montag nach dem Oktoberfestausklang. Sie findet im kommenden Jahr von Dienstag, den 4. Oktober, bis Donnerstag, den 6. Oktober 2016, statt.

Lesen Sie auch:

Expo Real 2015: Alle Themen und Schwerpunkte finden Sie übersichtlich dargestellt im „Messespecial“ 

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Planung, Flüchtlinge, Expo Real, Immobilienwirtschaft, Investment Management, Investment, Revitalisierung

Aktuell

Meistgelesen