Deutsche Analysten haben die Entwicklung von Immobilienkursen kritisch bewertet: Auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 im neuesten "Stimmungsindikator Immobilien-Aktien" von Kirchhoff Consult lag der Index im zweiten Quartal 2018 nur noch bei 8,3 Punkten. Bei der letzten Befragung waren es noch 21,4 Punkte. Grund sind die Perspektiven für Wohnimmobilien-Aktien, die mit minus 2,1 Punkten nach zuletzt 12,5 Punkten erstmals negativ bewertet wurden.

Die Aussichten für Gewerbeimmobilien-Aktien bleiben mit 37,5 Punkten auf dem Niveau der letzten Befragung für das erste Quartal 2018. Die Analysten sehen hier vor allem im Value-add-Bereich noch Wachstumspotenzial, während im Segment Wohnimmobilien keiner der Analysten in den kommenden zwölf Monaten steigende Kurse erwartet. Im mittelfristigen Szenario für die kommenden zwölf Monate weist der Stimmungsindikator mit minus 8,3 Punkten einen negativen Wert auf.

Grund sei das hohe Wachstum der vergangenen Monate und das bisher erreichte hohe Plateau. Die Aktienkurse der größten deutschen Wohnimmobilien-Aktiengesellschaften haben sowohl langfristig, im Zeitraum von drei Jahren (plus 77 Prozent), als auch kurzfristig im Rahmen von sechs Monaten (plus acht Prozent) deutlich stärker zugelegt, als die Kurse der größten Gewerbeimmobilien-Aktiengesellschaften (drei Jahre: plus 23 Prozent, sechs Monate: minus ein Prozent). Mit 83 Prozent erwarten die meisten Analysten stagnierende Aktienkurse, während die weiteren 17 Prozent der Analysten mit leicht fallenden Kursen in der Spanne von minus Prozent bis minus 15 Prozent rechnen.

Im kurzfristigen Szenario für die kommenden drei Monate erreichen die Wohnimmobilien-Aktien immerhin noch einen Wert von 4,2 Punkten. Die überwiegende Mehrheit der befragten Analysten erwartet in den nächsten drei Monaten eine Seitwärtsbewegung der Wohnimmobilien-Aktien. Nur acht Prozent der Analysten erwarten für diesen Zeitraum leicht fallende Aktienkurse, 17 Prozent gehen von leicht steigenden Kursen aus.

Optimismus bei Gewerbeimmobilien-Aktien

Die Einschätzung der Entwicklung der Gewerbeimmobilien-Aktien unterscheidet sich deutlich von der Einschätzung der Wohnimmobilien-Aktien. "Im aktuellen Marktumfeld wird die Fähigkeit aus eigener Kraft zu wachsen immer wichtiger", sagt Stefan Scharff, Immobilienanalyst bei SRC Research.

Im kurzfristigen Szenario (für die kommenden drei Monate) rechnen zwei Drittel der befragten Analysten mit steigenden Kursen der Gewerbeimmobilien-Aktien um mindestens fünf Prozent. Alle anderen Analysten erwarten eine Seitwärtsbewegung der Aktienkurse. Damit steigt der Stimmungsindikator auf Drei-Monats-Sicht nochmal leicht auf 37,5 Punkte an.

Auf Jahressicht (mittelfristiges Szenario) rechnen drei Viertel der befragten Analysten damit, dass die Gewerbeimmobilien-Aktien steigen. Nur acht Prozent der Analysten erwarten eine negative Entwicklung. Die positive Einschätzung wird laut Kirchhoff Consult auch durch die sich bietenden Chancen im Bereich der Büroimmobilien gestützt.

Mindestens zwei Börsengänge bis 2022 erwartet

Erstmals hat die Agentur Kirchhoff Consult die Analysten auch hinsichtlich ihrer Erwartungen nach Börsengängen im Immobiliensegment befragt. Die Mehrheit erwartet mindestens zwei Börsengänge innerhalb der kommenden zwölf bis 24 Monaten in der deutschen Immobilienbranche.

"Angesichts des knappen Angebots an geeigneten Immobilienportfolien dürfte das akquisitionsgetriebene Wachstum der großen Immobilienunternehmen abnehmen", sagt Dr. Adam Jakubowski, Geschäftsführer von SMC-Research. Potenzial für höhere Dynamik bestehe insbesondere für Unternehmen, die auf kleinere Portfolien oder auf Immobilien mit Entwicklungspotenzial setzten.

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Schlagworte zum Thema:  Wohnimmobilien, Aktien