| Hamburg

Wölbern-Chef zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt

Ex-Wölbern-Chef Heinrich-Maria Schulte bleibt vorerst in U-Haft
Bild: Wölbern Invest

Das Hamburger Landgericht hat den früheren Chef der Fondsgesellschaft Wölbern Invest wegen gewerbsmäßiger Untreue zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Heinrich Maria Schulte (61) soll in 360 Fällen mehr als 147 Millionen Euro aus Fonds abgeschöpft und zweckentfremdet haben. Betroffen sind 35.000 Anleger.

Der Arzt und Unternehmer hat die Vorwürfe zurückgewiesen. "Ich habe mich weder privat bereichern noch Anleger vorsätzlich schädigen wollen", erklärte er vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von zwölf Jahren gefordert, die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

Von den 147 Millionen Euro soll Schulte nach Darstellung der Staatsanwaltschaft 50 Millionen privat vereinnahmt haben. Den Rest habe er in Gesellschaften umgeleitet, an denen er selbst beteiligt oder deren Geschäftsführer er gewesen sei. Verschwunden sind den Angaben zufolge 115 Millionen Euro. Betroffen sind rund 35.000 Anleger, die etwa 1,1 Milliarden Euro investiert haben. Das Kapital steckt vor allem in geschlossenen Immobilienfonds, in Bürohäusern in den Niederlanden, Deutschland, Österreich und Frankreich.

Für insgesamt 23 Immobilien-Fonds hatte zu Beginn vergangenen Jahres die Hamburger Paribus-Gruppe das Management übernommen, für die übrigen Wölbern-Fonds treuhänderisch die Aufsicht. Bei der Stabilisierung der Fondsgesellschaften sei man in den ersten zwölf Monaten vorangekommen, meldete Paribus im Januar. Einige der Fonds seien aber nicht mehr zu retten gewesen.

Schulte hatte das private Bankhaus Wölbern in Hamburg 2006 übernommen und den Investmentbereich abgespalten. Im September 2013 hatten Polizei und Staatsanwaltschaft seine Geschäfts- und Privaträume durchsucht und den Mediziner verhaftet. Er sitzt seitdem in U-Haft. Der Prozess begann vor elf Monaten. In Gang gebracht worden waren die Ermittlungen durch eine anonyme Anzeige, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte.

Schultes Verteidiger warfen dem Gericht vor, nicht über ausreichenden wirtschaftswissenschaftlichen Sachverstand zu verfügen. Die Richter hätten auch keine vollständige Einsicht in die Prozessunterlagen genommen, bemängelte Rechtsanwalt Wolf Römmig.

Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zufolge will der Verteidiger vor dem Bundesgerichtshof in Revision gehen.

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