02.05.2012 | Serie Von den Finanzgerichten

Im April – Neue Abschreibungsmöglichkeit bei Erbschaft

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Trotz unentgeltlicher Erbauseinandersetzung muss der Fiskus Anschaffungsnebenkosten steuermindernd berücksichtigen.

Anschaffungsnebenkosten bei Erbauseinandersetzungen sind beim Erwerb von Vermietungsobjekten im Wege der Abschreibung einkünftemindernd zu berücksichtigen, auch wenn die Erbauseinandersetzung unentgeltlich erfolgte. Das hat das Finanzgericht Münster mit Urteil vom 25. Oktober 2011 (Az. 13 K 1907/10 E) entschieden und damit der bisherigen Rechtsauffassung der Finanzverwaltung eine klare Absage erteilt.

Die Klägerin war neben ihrem Bruder Mitglied einer Erbengemeinschaft. Im Rahmen der Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft erhielten sowohl die Klägerin als auch ihr Bruder bebaute Grundstücke zum Alleineigentum. Aus der Vermietung dieser Grundstücke erzielte die Klägerin - wie die Erbengemeinschaft in den Jahren davor - Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Eine der Wohnungen nutzte die Klägerin zu eigenen Wohnzwecken. Die durch die Erbauseinandersetzung entstandenen Aufwendungen (Kosten des Erbauseinandersetzungsvertrags, Kosten der Grundbucheintragungen) in Höhe von 5.300 Euro machte die Klägerin (etwa 4.650 Euro) als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung geltend, als diese nicht auf die selbst genutzte Wohnung entfielen. Das Finanzamt lehnte die steuerliche Berücksichtigung der Aufwendungen jedoch ab, da die Klägerin die Grundstücke unentgeltlich erworben habe. Die Einkünfte aus den Grundstücken ermittelte das Finanzamt unter Berücksichtigung der Abschreibungsbeträge gemäß § 11d EStDV nach den Herstellungskosten und dem AfA-Satz der Rechtsvorgänger. Diese Regelung basiert auf einem Erlass des Bundesfinanzministeriums vom 13. Januar 1993 (Bundessteuerblatt 1993 I Seite 239, Randziffer 13).

Ergebnis noch umstritten

Entgegen dieser Verwaltungspraxis entschied das Finanzgericht Münster, dass die Erbauseinandersetzungskosten dem Grunde nach Werbungskosten darstellen. Die den Kosten zugrunde liegenden Rechtshandlungen und Vorgänge seien zwar zur Durchführung der Erb­auseinandersetzung erforderlich gewesen, aber auch, um der Klägerin das Alleineigentum an den Mietobjekten und damit die vollen Mieteinnahmen zu verschaffen. Die entstandenen Kosten ließ das Finanzgericht Münster im Wege der Abschreibung zum Abzug als Werbungskosten zu, soweit sie nicht auf die selbst genutzte Wohnung entfielen.

Die Behandlung von Aufwendungen im Zusammenhang mit einem unentgeltlichen Grundstückserwerb ist umstritten und noch nicht höchstrichterlich geklärt. Gegen das Urteil wurde deshalb die Revision zugelassen. Das Verfahren ist vor dem Bundesfinanzhof (BFH) unter dem Az. IX R 43/11 anhängig.

Schlagworte zum Thema:  Finanzgericht, Anschaffungsnebenkosten, Steuerrecht

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