Verkaufsschlager: Geldwelle für offene Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds sind beliebter denn je bei Privatanlegern. Rund sieben Milliarden Euro netto sind laut Intreal von Januar bis August 2019 geflossen – 100 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das Problem: Es gibt zurzeit mehr liquide Mittel als Immobilien, in die investiert werden könnte.

Es sei für die etablierten Fondsangebote und Anbieter im derzeitigen Marktumfeld offensichtlich kaum noch möglich, so hohe Summen zeitnah im Rahmen ihrer bestehenden Fondsstrategien anzulegen, kommentiert Michael Schneider, Geschäftsführer der Service-KVG Intreal. Fast alle Anbieter hätten mittlerweile die "Reißleine" gezogen und arbeiteten mit restriktiven Kontingentierungen.

"Die sehr hohen Zuflüsse zeigen, dass es derzeit zu viel Geld für zu wenig Produkte gibt. Die Nachfrage vonseiten der Privatanleger wird – bei drohenden Negativzinsen auch auf private Konten – eher weiter steigen." Michael Schneider, Geschäftsführer von Intreal

Die Nettomittelzuflüsse in offene Immobilien-Publikumsfonds lagen nach Zahlen des Fondsverbands BVI, auf die sich Intreal bezieht, zwischen Januar und August 2018 noch bei 3,5 Milliarden Euro, im Vergleichszeitraum 2019 waren es bereits rund 7,3 Milliarden Euro. Diese Zahl liegt auch deutlich über den starken Werten der Vorjahre: In den ersten acht Monaten 2017 erreichten die Zuflüsse 4,1 Milliarden Euro, 2016 waren es 3,9 Milliarden Euro.

Vier große Fondsanbieter kassieren Gros der "frischen Mittel"

92 Prozent der Nettomittelzuflüsse – rund 6,7 Milliarden Euro – flossen laut Intreal den vier großen deutschen Fondsanbietern zu: Alleine 2,1 Milliarden Euro verzeichnete Union Investment, 1,7 Milliarden Euro gingen jeweils an die Deka-Gruppe und die DWS, eine Tochter der Deutschen Bank. Die Commerz Real liegt mit rund einer Milliarde Euro an vierter Stelle.

Andere Fondhäuser streben mit neuen Produkten auf den Markt: Unter ihnen ist Intreal zufolge der offene Immobilienfonds "Working & Living" der Swiss Life KVG derzeit am erfolgreichsten: Um rund 209 Millionen Euro konnte die Gesellschaft das Fondsvolumen nach eigenen Angaben in den ersten acht Monaten 2019 steigern. Die KanAm Grund Gruppe mit dem Fonds "Leading Cities Invest" soll netto rund 140 Millionen Euro an frischen Mitteln eingesammelt haben. Die Service-KVG Intreal teilte mit, in diesem Segment ein Nettowachstum in Höhe von rund 114 Millionen Euro zu verzeichnen.

Neue alternative Anlagevehikel bieten zudem Ausweichstrategien für Investoren. Als Beispiel nennt Schneider den jüngst über Intreal aufgelegten "Habona Nahversorgungsfonds Deutschland", der nur in Lebensmitteleinzelhändler mit Nahversorgungsfunktion investiert.


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