27.02.2013 | Köln

Ex-Oppenheim-Chefs wird Untreue in besonders schwerem Fall zur Last gelegt

Das Verfahren im Fall Oppenheim wird sich bis ins nächste Jahr hineinziehen
Bild: Sal. Oppenheim jr. & Cie. S.C.A., Luxemburg

Die Staatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen die Angeklagten im Fall Sal. Oppenheim: Die die vier ehemals persönlich haftenden Gesellschafter sollen sich der Untreue im besonders schweren Fall schuldig gemacht haben. Das Verfahren gilt als einer der größten Wirtschaftsstrafprozesse der Nachkriegsgeschichte (Az 111 KLs2/12).

Die Oberstaatsanwälte listeten am Mittwoch vor dem Kölner Landgericht mehrere Fälle auf, in denen sich die Bankenchefs Matthias Graf von Krockow, Christopher Freiherr von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt auf Kosten der Bank bereichert haben sollen. Zudem wird der Immobilienmanager Josef Esch beschuldigt, der eng mit der Führung der Bank zusammengearbeitet hatte. Alle fünf beteuern - soweit sie sich bisher geäußert haben - ihre Unschuld.

In dem Verfahren, das sich bis ins nächste Jahr hinziehen wird, geht es um drei Immobiliengeschäfte in Köln und Frankfurt. In allen drei Fällen profitierten die Angeklagten nach Darstellung der Staatsanwaltschaft vom Aus- und Umbau einer Villa und zweier Bürogebäude. Die immer weiter wachsenden Kosten seien der Bank in Rechnung gestellt worden.

Graf von Krockow (63) trat 1984 in die Kölner Traditionsbank ein. Seit 1998 war er deren Sprecher. Unter seiner Geschäftsführung gelang der Sprung an die europäische Spitze. Nach Fehlspekulationen und einem Milliarden-Verlust im Jahr 2009 brach Sal. Oppenheim fast zusammen und wurde Anfang 2010 von der Deutschen Bank gekauft. Krockow verließ die Bank Heiligabend 2009.

Von Oppenheim (47) verantwortete das exklusive Privatkundengeschäft. Er ist Ururururenkel des Bankengründers und wollte das Geldhaus in Krisenzeiten radikal verkleinern, um die Unabhängigkeit zu wahren. Das scheiterte am nötigen Kapital. Er ging Anfang 2010.

Janssen (68) kam im Jahr 2002 zu Sal. Oppenheim und war seit 2004 für das Risikomanagement zuständig. Er wurde vier Jahre später vorübergehend Aufsichtsratschef beim angeschlagenen Konzern Arcandor, bei dem die Bank im großen Stil eingestiegen war. Janssen galt als wichtiger Stratege des Geldhauses.

Pfundt (60) war Chef des Investmentbankings. In den Krisenjahren machte sein Investmentgeschäft hohe Millionenverluste. Die Deutsche Bank übernahm die Vermögensverwaltung mit den reichen Kunden, das Investmentbanking wurde aber an eine australische Bank verkauft.

Esch (56) ist Immobilienunternehmer aus Troisdorf bei Bonn und galt als wichtiger Berater und Partner von Sal. Oppenheim. Mit der Bank legte der gelernte Maurerpolier Dutzende Fonds auf. Er ist Geschäftsführer der weit verzweigten Oppenheim-Esch-Holding, zu deren Projekten etwa die Veranstaltungshalle Lanxess Arena in Köln oder die dortigen Messehallen gehören.

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister, Immobilienfinanzierung, Untreue

Aktuell

Meistgelesen