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Ex-HRE-Chef Georg Funke versetzt Münchner Zivilrichter

Funke will nicht im Zivilprozess aussagen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Der ehemalige Chef der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE), Georg Funke, hat seinen für Donnerstag geplanten Auftritt im Schadenersatzprozess vor dem Oberlandesgericht München kurzfristig abgesagt. In dem Verfahren spielen die Aussagen von Funke zum Zustand der HRE in den Jahren 2007 und 2008 eine zentrale Rolle.

Er wolle wegen der laufenden Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft nicht zu dem Prozess zu erscheinen, sagte sein Anwalt am Donnerstag. Funke ist in dem Zivilprozess nur Beklagter, daher stand ihm die Aussage frei. Der Manager war nach dem HRE-Debakel von München nach Mallorca gezogen. Dort handelte er eine Zeit lang mit Ferienimmobilien. Wo er heute lebt, ist unklar.

Im laufenden Zivilprozess werfen ehemalige Aktionäre dem früheren Management um Funke vor, die wahre Lage der HRE in den Jahren 2007 und 2008 zu lange verschleiert und ihnen massive Verluste eingebrockt zu haben. Sie fordern mehr als eine Milliarde Euro Schadenersatz. Einige ehemalige Aktionäre reisten von weit her zum Prozess nach München, um Funke einmal persönlich zu sehen. In der Öffentlichkeit trat Funke seit seinem Umzug nach Mallorca im Jahr 2010 nicht mehr auf, wehrte sich aber in Interviews aus der Ferne gegen den Vorwurf, für das HRE-Drama verantwortlich gewesen zu sein.

In dem Verfahren spielen die Aussagen von Funke zum Zustand der HRE in den Jahren 2007 und 2008 eine zentrale Rolle. Nach Darstellung eines Zeugen soll der damalige Chef bereits lange vor der Krise der Immobilienbank im Jahr 2008 starke Zweifel an den Geschäftsaussichten geäußert haben. In einem Telefongespräch am 12. September 2007 habe Funke den Geschäftsplan der irischen HRE-Tochter Depfa als "Fantasie" bezeichnet, sagte der Zeuge, ein britischer Fondsmanager, am Donnerstag. "Ich habe mir das so notiert." Seine Notizen zeigte er im Gerichtssaal den Richtern und Anwälten.

Ex-Vorstand der Hypo Real Estate verteidigt Management

In einem weiteren Gespräch soll Funke dem Fondsmanager gesagt haben, er habe die Aktionäre bereits im Dezember 2007 in einer Pflichtmitteilung (Ad Hoc) über die Belastungen informieren wollen - und nicht erst im Januar 2008, wie es letztlich geschah. Dies hätten Anwälte aber untersagt. "Er hat gesagt, der Aufsichtsrat habe ihn gezwungen, die Ad Hoc im Januar herauszugeben."

Ein ehemaliger Vorstand hat die Strategie des früheren Managements im Prozess verteidigt. Der Kauf des irischen Staatsfinanzierers Depfa im Jahr 2007 sei im Vorstand als sehr positiver Schritt für die Hypo Real Estate angesehen worden, sagte Robert Grassinger am Freitag als Zeuge vor dem Oberlandesgericht München. "Größe an sich war zum damaligen Zeitpunkt ein positives Merkmal."

Die Depfa wurde gut ein Jahr später zum Fiasko für die Hypo Real Estate und stürzte sie fast in die Pleite.

Schlagworte zum Thema:  Immobiliendienstleister, Immobilienbank

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