Studie: Hohes Nachfragepotenzial für Betreutes Wohnen in NRW

In zehn Jahren wird der Anteil der über 65-Jährigen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei einem Drittel liegen. Service-Wohnen für Senioren beziehungsweise Betreutes Wohnen bietet hohes Nachfragepotenzial – vor allem in Nordrhein-Westfalen (NRW), wie eine Studie von Terragon zeigt.

Das Thema "Wohnen im Alter" gewinnt aufgrund des demografischen Wandels an Relevanz. Dabei werden vielfältige Wohnformen für Projektentwickler, Betreiber und Investoren interessant, auch das sogenannte Premium-Wohnen für Senioren, wie der Fachverlag Vincentz Network prognostiziert. Demnach soll bis 2030 alleine in diesem Nischensegment der Bedarf auf mehr als 60.000 Wohnungen mit einem Investitionspotenzial von rund 20 Milliarden Euro wachsen.

Hohes Investitions- und Anmietungspotenzial

Dr. Michael Held, Chef des Projektentwicklers Terragon, sieht im Bereich des Service-Wohnens in Form von modernen barrierefreien Apartments insgesamt ein Investitionspotenzial von 64 Milliarden Euro bundesweit für die kommenden zehn Jahre. Held geht davon aus, dass sich das "Millionen von Senioren" auch leisten können. Einer neuen Terragon-Studie zufolge gibt es zahlungskräftige Senioren auch in Nordrhein-Westfalen, wo der Versorgungsgrad unter dem bundesweiten Durchschnitt liege, wie es in der Analyse heißt.

63 Prozent aller Seniorenhaushalte in dem Bundesland können sich demnach bei einer Mietbelastung von 50 Prozent des Nettohaushaltseinkommens eine Miete inklusive Servicepauschale von 1.000 Euro pro Monat leisten, 75 Prozent könnten monatlich 750 Euro für Betreutes Wohnen ausgeben. Die zahlungskräftigsten Seniorenhaushalte gibt es der Terragon AG zufolge im Stadtkreis Aachen (91 Prozent) sowie in den Landkreisen Olpe (86 Prozent) und Gütersloh (82 Prozent). Selbst am unteren Ende der Liste haben demnach die Stadtkreise Dortmund und Gelsenkirchen mit jeweils 66 Prozent sowie Duisburg mit 65 Prozent noch ein beachtliches Anmietungspotenzial.

Nordrhein-Westfalen bei Betreutem Wohnen unterversorgt

Die Studie zeigt jedoch auch, dass sich 25 bis 30 Prozent der Haushalte in Nordrhein-Westfalen Betreutes Wohnen nicht leisten können. Über alle Einkommen hinweg fehlt es in den 53 Stadt- und Landkreisen des Bundeslandes der Terragon AG zufolge an Angeboten von Service-Wohnungen für Senioren. Derzeit gebe es im ganzen Bundesland 1.587 solcher Wohnanlagen mit insgesamt 62.119 Apartments. Der Zusatzbedarf in allen Stadt- und Landkreisen liege aber bei 124.745 Apartments.

Dabei sind die regionalen Unterschiede groß: In dem am schlechtesten versorgten Stadtkreis Duisburg fehlen 4.533 Wohnungen, in Hamm, dem am besten versorgten Stadtkreis, sind es laut Terragon 256 Wohnungen, die zusätzlich gebraucht würden.

Bei einer flächendeckenden Versorgung mit altersgerechten Wohnungen könnten laut Terragon unter Berufung auf eine Prognos-Analyse von 2014 von den Kommunen 600 Millionen Euro jährlich eingespart werden. Dieser Betrag werde sich bis 2030 auf eine Milliarde Euro erhöhen. Der Fokus der Kommunen müsse unter anderem auf einer allgemeinen Förderung des Service-Wohnens für Senioren durch die entsprechende Konzeptvergabe von kommunalen Grundstücken liegen, so Held.

Savills: Große Wachstumschancen für Seniorenimmobilien in Deutschland

Dem aktuellen Senior Housing Opportunity Index von Savills zufolge befindet sich der Markt in Kontinentaleuropa noch in einer Entwicklungsphase. Die Auswertung zeigt, dass insbesondere der deutsche Markt große Potenziale aufzeigt und im Europa-Ranking noch vor Frankreich und Großbritannien auf dem ersten Platz liegt.

"In Deutschland sehen wir im Bereich der Seniorenimmobilien sehr große Wachstumsmöglichkeiten, da der Anteil der Senioren im Alter zwischen 70 bis 79 Jahren mit rund 7,8 Millionen sehr groß ist", berichtet Sascha Hanekopf, Director Investment bei Savills. Hinzukomme, dass die Deutschen eine der höchsten Sparquoten europaweit aufweisen und der Markt von einem hochliquiden Umfeld sowie einem reifen Wohnungsmarkt profitiere.


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