Studentisches Wohnen: Trendwende bei Mieten in 30 Städten Infografik

Die Mieten für Singlewohnungen sind seit Jahren stetig angestiegen. Laut einer Analyse des Maklerportals immowelt.de deutet sich in 30 von 68 Universitätsstädten eine Trendwende an: In München etwa sind die Mieten um drei Prozent gesunken. In Baden-Württemberg ist aber noch Luft nach oben.

Untersucht wurden 80.500 Angebote aus 68 Universitätsstädten mit einer Wohnfläche von bis zu 40 Quadratmetern und ein bis zwei Zimmern, die zwischen Juli 2018 und Juli 2019 auf immowelt.de inseriert wurden. Bei den Preisen handelt es sich um durchschnittliche Nettokaltmieten bei Neuvermietung. Sie wurden mit den Mieten aus dem entsprechenden Vorjahreszeitraum (Juli 2017 bis Juli 2018) verglichen. In 30 der untersuchten Städte stagnieren die Mieten der Analyse zufolge oder sind rückläufig.

Dass die Assetklasse Studentenwohnen bislang ausschließlich in einer Boomphase großgeworden ist, zeigt auch das aktuelle Scoring zum Investitionspotenzial von Union Investment und Bulwiengesa: Mietpreiserwartungen und Wertsteigerungen werden künftig knapper zu kalkulieren sein; die Preisdynamik der Startphase wird nicht im bisherigen Maße beibehalten werden können, heißt es da.

Sättigungseffekt: Preise in 30 Städten ganz oder nahezu ausgereizt

In Städten wie Ingolstadt (plus/minus null Prozent), Konstanz (minus zwei Prozent) oder Gießen (minus sechs Prozent) scheinen die Preise ausgereizt. Es tritt laut Immowelt ein Sättigungseffekt auf: Das heißt, die Schmerzgrenze des Bezahlbaren ist für viele Studierende erreicht. Das trifft auch auf Großstädte zu: In München, Nürnberg und Bremen sind die Mieten um jeweils drei Prozent zurückgegangen und pendeln sich auf einem konstanten Preisniveau ein. Vor allem in München ist eine Singlewohnung für Studenten finanziell kaum noch zu stemmen: Im Durchschnitt werden hier 690 Euro fällig, vor einem Jahr waren es sogar noch 710 Euro.

Auch in den sogenannten strukturschwachen Regionen im Osten bewegen sich die Preise zum Teil nach unten: In Chemnitz sind die Mieten um fünf Prozent auf 180 Euro gesunken. Den gleichen Rückgang verzeichnen Halle (aktuell 200 Euro) und Rostock (210 Euro). In den Großstädten Dresden und Magdeburg liegen die Mieten unverändert bei 270 Euro beziehungsweise 220 Euro für eine bis zu 40 Quadratmeter große Wohnung.

Baden-Württemberg: Nachfrage treibt Preise weiter – Studenten konkurrieren mit Pendlern

In Baden-Württemberg gibt es laut Immowelt noch Städte, in denen die Mieten weiter steigen: Etwa in Tübingen – hier hat sich die durchschnittliche Miete für eine Singlewohnung innerhalb eines Jahres um deutliche 22 Prozent auf 440 Euro Miete verteuert. Die Universität Tübingen zählt zu den renommiertesten Hochschulen Deutschlands. Mit knapp 28.000 Studenten ist rund jeder dritte Einwohner Tübingens an der Universität eingeschrieben. Die Nachfrage nach Singlewohnungen und Studentenbuden ist folglich groß.

Ähnlich sieht es Immowelt zufolge in Stuttgart aus, wo sich die Singlewohnungen um 19 Prozent verteuert haben. Die durchschnittlichen Mieten von 500 Euro liegen sogar noch über denen von Tübingen. Vor allem in der baden-württembergischen Landeshauptstadt konkurrieren Studenten mit Pendlern, die einen Zweitwohnsitz haben, um die wenigen freien kleinen Wohnungen. Generell ist das Preisniveau in Baden-Württemberg hoch und die Kurve zeigt nach wie vor nach oben.

Auch Heidelberg (plus 14 Prozent) und Ulm (plus zwölf Prozent) zählen zu den Städten in Baden-Württemberg mit starken Anstiegen. Doch auch in Siegen / Hessen (plus 16 Prozent), Mainz / Rheinland-Pfalz (plus 13 Prozent) und Würzburg / Bayern (plus zwölf Prozent) scheint das Potenzial bei den Mietpreisen noch nicht ausgeschöpft.

Die teuersten Städte im Vergleich

RangStadt

Angebotsmiete

Juli 2018 bis Juli 2019

Angebotsmiete

Juli 2017 bis Juli 2019

Veränderung
1München690 Euro710 Euro- 3 %
2Frankfurt am Main540 Euro490 Euro+ 10 %
3Stuttgart500 Euro420 Euro+ 19 %
4Berlin470 Euro440 Euro+ 7 %
5Ingolstadt450 Euro450 Euro+- 0 %
6Mainz450 Euro400 Euro+ 13 %
7Köln430 Euro410 Euro+ 5 %
8Freiburg im Breisgau420 Euro410 Euro+ 2 %
9Hamburg420 Euro410 Euro+ 2 %
10Konstanz420 Euro430 Euro- 2 %

Quelle: immowelt.de

Wohnungen für Studenten bleiben knapp – vor allem in Baden-Württemberg

Dass Studenten in vielen Städten, darunter vor allem in Stuttgart, mit Pendlern um die wenigen freien Singlewohnungen konkurrieren müssen, liegt auch daran, dass es kaum noch freie Zimmer in Wohnheimen gibt. Die Zimmer reichten für die Bewerberzahlen bei weitem nicht aus, teilte etwa das Studierendenwerk in Stuttgart mit.

Bis 2020 sollen hier und im nahen Ludwigsburg jeweils knapp 1.000 neue Wohnplätze geschaffen werden. Die durchschnittliche Miete betrage 289 Euro im Monat. Bislang gibt es 7.200 Plätze in 35 Wohnanlagen. Im nächsten Jahr fallen 1.000 Plätze weg, da die Eigentümer von drei Wohnanlagen die Verträge gekündigt haben. Auch andere Universitätsstädte setzten sich für mehr Wohnraum ein, wie eine dpa-Umfrage zeigt. Darunter Freiburg, wo die wenigen freien Plätze ausgelost werden müssen. Hier werden noch im September 80 Plätze bezugsfertig sein. 2020 soll ein Gebäude mit weiteren 130 Zimmern folgen.

Auch Senioren konkurrieren zunehmend um Singlewohnungen

Um kleinere und bezahlbare Wohnungen konkurrieren aber nicht nur Sudierende mit Singles und Berufspendlern, auch Ehepaare und Senioren suchen vermehrt nach dieser Wohnform, wie eine Studie des Deutsche Anlage-Immobilien Verbunds (DAVE) zeigt.

Die zukünftige Generation 60+ wolle möglichst lange und selbstbestimmt in der eigenen Wohnung sowie im gewohnten Wohnviertel leben. Nach Angaben von DAVE rücken bei der älteren Generation kleinere Wohneinheiten – vergleichbar mit Mikroapartments – zunehmend in den Fokus: Der Wohnraum bleibe bezahlbar, auch wenn die Quadratmeterzahl dann kleiner sei, sagt Marc Antonio Unverzagt, Geschäftsführer beim DAVE-Partner Robert C. Spies Bremen/Hamburg: "Nicht nur der Mangel an städtischem Wohnraum treibt diese Entwicklung, sondern insgesamt ein Wandel unserer Gesellschaft. Wir werden zunehmend eine Sharing-Community – Co-Living und Co-Working rücken in den Fokus".

Studentisches Wohnen: Es geht noch kleiner

Microliving und kleinteiliges Wohnen sind Lösungsansätze, um für mehr Wohnraum und eine gesteigerte Flächeneffizienz in den Ballungsräumen zu sorgen, diese Auffassung teilt der Bundesverband für Studentisches Wohnen (BfSW). Der Verband sieht dabei Optimierungsmöglichkeiten.

"Der internationale Vergleich zeigt uns, dass auch noch kleinere Wohneinheiten möglich sind", sagt etwa Christian Wetzel, Director Acquisition bei GSA Global Student Accommodation Germany GmbH und seit Beginn dieses Jahres Vorsitzender des BfSW. Etwa die Cluster-Bauweise bringe eine große Platzersparnis, die auch in teuren Metropolen wie London den wirtschaftlichen Betrieb der Einheiten ermögliche. Angesichts des anhaltenden Trends der Urbanisierung und Landflucht sei es unabdingbar, verstärkt auf kleinteilige Wohneinheiten zu setzen.

  

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