Im August verlor der Stoxx-600-Index für den breiten europäischen Aktienmarkt 2,1 Prozent an Wert. Bei den Immobilienaktien ergab sich eine äußerst ungewöhnliche Diskrepanz zwischen REITs und klassischen Immobilienaktien: Der E&G-ERIX-Index für europäische REITs verlor 2,3 Prozent an Wert, während der FTSE-EPRA-Index für europäische Immobilienaktien sogar ein Plus von 0,5 Prozent schaffte. Was sich sonst noch auf dem Markt getan hat, analysiert Helmut Kurz, Leiter Immobilienaktien/REITs und Makrostrategie bei Ellwanger & Geiger Privatbankiers.

Die steigenden US-Zinsen treffen insbesondere Länder, die auf Auslandskapital angewiesen sind. War es bisher vor allem Argentinien, hat es nun die Türkei richtig schlimm erwischt. Weil das Land seit langem ein großes Leistungsbilanzdefizit aufweist und seine Bürger sowie Unternehmen zusätzlich hohe Kredite in Fremdwährungen (vor allem US-Dollar und Euro) aufgenommen haben, steht das Land nun vor dem Abgrund.

Mit billigem Auslandsgeld gelang es lange Zeit eine ökonomische Scheinblüte aufrechtzuhalten, die nun verwelkt.

Insgesamt hat sich die türkische Lira gegenüber dem US-Dollar im Laufe von zwölf Monaten halbiert. Ob die schwere Wirtschaftskrise gar zu einer Staatspleite führen wird, ist noch unklar.

Negative Folgen für Banken in Spanien, Italien und Frankreich

Negative Folgen für die damit besonders verflochtenen Banken Spaniens, Italiens und Frankreichs sind sicher.

Auch andere Länder, die ähnlich marode politische und ökonomische Verhältnisse haben, werden von den Geldgebern mit Skepsis behandelt.

Entsprechend kamen auch die Währungen Südafrikas und Argentiniens weiter unter die Räder. Die globalen Auswirkungen sind klar: Weniger Wachstum und geringere Unternehmensgewinne vor allem für Exporteure, die in die betroffenen Länder liefern. Sorge machte auch die zunehmende Verspannung im Euro-Raum, welche an den hohen Renditeaufschlägen für italienische Staatsanleihen ablesbar ist.

Große Diskrepanz zwischen REITs und klassischen Immobilienaktien

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Bei den Immobilienaktien ergab sich eine äußerst ungewöhnliche Diskrepanz zwischen REITs und klassischen Immobilienaktien: Der E&G-ERIX-Index für europäische REITs verlor 2,3 Prozent an Wert, während der FTSE-EPRA-Index für europäische Immobilienaktien sogar ein Plus von 0,5 Prozent schaffte. Dass die normalerweise noch defensiveren REITs in einem schwachen Marktumfeld zurückblieben, liegt primär an der guten Entwicklung der großen deutschen Wohnungs-Bestandshalter. Weil sie nicht in der Rechtsform eines REITs notieren, können sie keine ERIX-Bestandteile werden.

Niederländischer Büro-REIT führt Ranking an

An der Spitze der ERIX-Mitglieder lag der niederländische Büro-REIT NSI NV. Hier half eine nachdrückliche Kaufempfehlung zu einem Gewinn von 5,9 Prozent. Der große Verlust des Vormonats wurde damit wieder ausgebügelt.

Wie bereits im Juli landete Warehouses de Pauw Comm VA aus Belgien auf dem zweiten Platz. Diesmal kletterten die Papiere dieses Vermieters von Logistikflächen um 5,8 Prozent. Die Aktien stiegen nach den am Monatsbeginn publizierten, wie erwartet guten Halbjahreszahlen weiter.

Britische Intu Properties PLC verliert am meisten

Am meisten verloren wieder einmal die Aktien des britischen Vermieters von Einkaufszentren, Intu Properties PLC, mit einem Minus von 9,5 Prozent. Hier gaben mehrere Verkaufsempfehlungen und die anhaltende Unbeliebtheit von Einzelhandelsflächen den Ausschlag.

Der erwähnte Zinsaufschlag bei italienischen Staatsanleihen schickte nicht nur italienische Aktien allgemein, sondern auch die Anteilscheine von Immobiliare Grande Distribuzione SpA auf Talfahrt. Trotz ordentlicher Unternehmenszahlen resultierte ein Minus von 9,4 Prozent.

Aktien von Hansteen Holdings PLC aus England – in den letzten Jahren häufig bei den Gewinnern zu finden – erlitten einen Wertverlust von 9,2 Prozent. Offenbar missfiel den Anlegern der Halbjahresbericht, weil die Verwaltung in diesem Zusammenhang ankündigte, weitere Portfolioverkäufe vorzunehmen.

Immobilienaktienmarkt im Überblick: Monat August 2018

E&G-ERIX   Marktkapital in EuroSchlusskursSchlusskursPerformance TR [%] Monat
    31.07.201831.08.2018 
1CofinimmoBE2.577.543.100112,00112,100,09%
2BefimmoBE1.276.402.80051,4049,90-2,92%
3WDPBE2.732.301.500114,80121,405,75%
4Merlin PropertiesES5.648.993.30012,6512,03-4,94%
5HispaniaES1.992.344.10018,2518,250,00%
6Unibail-Rodamco-WestfieldFR25.029.217.000189,85181,00-4,66%
7ICADEFR6.264.366.50082,8084,051,51%
8GecinaFR11.273.100.700145,90147,901,37%
9KlépierreFR9.713.602.30032,2730,90-4,25%
10CovivoFR6.778.836.00089,1590,051,01%
11MercialysFR1.352.202.30015,3214,69-4,11%
12Land SecuritiesGB7.594.878.100942,80916,50-2,79%
13British LandGB6.949.693.600660,20635,60-3,73%
14Intu Properties GB2.392.819.900174,60158,00-9,51%
15HammersonGB4.134.493.700521,80471,10-7,63%
16SegroGB7.442.014.000665,00658,20-0,17%
17Derwent LondonGB3.792.051.1003.123,003.042,00-2,59%
18Londonmetric PropertyGB1.438.962.200188,20184,50-0,95%
19Great Portland EstatesGB2.271.265.600715,90721,500,78%
20Hansteen HoldingsGB461.063.300110,0099,90-9,18%
21Grivalia Properties REICGR862.735.2008,578,52-0,58%
22Alstria Office REITD2.306.414.50013,2313,00-1,74%
23Hamborner REITD742.968.5009,109,322,42%
24Green-REITIE1.062.363.0001,511,531,59%
25Beni StabiliIT1.718.081.8000,760,760,26%
26IGDIT723.180.8007,236,55-9,36%
27WereldhaveNL1.269.339.40031,7831,52-0,82%
28Eurocommercial Prop.NL1.646.601.00036,2033,22-8,23%
29Vastned RetailNL675.800.90038,8535,50-6,93%
30NSINL655.672.70033,3535,305,85%
   122.779.308.900   

  (Quelle: Ellwanger & Geiger Privatbankiers)

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