Nur jede zehnte deutsche Bank verdient ihre Eigenkapitalkosten. Das zeigt eine Studie von Bain & Company zur Lage der Kreditwirtschaft. Demnach ist die durchschnittliche Eigenkapitalrendite 2016 um 0,5 Prozentpunkte auf 1,8 Prozent gesunken. Direktbanken waren im vergangenen Jahr der Maßstab mit einer Eigenkapitalrendite von 12,6 Prozent, nach 7,1 Prozent im Jahr 2015. Digitale Technologien stellen Deutschlands Kreditinstitute vor eine doppelte Herausforderung.

Für die aktuelle Bankenstudie hat die Managementberatung Bain & Company die Bilanzen von mehr als 1.700 deutschen Banken analysiert. 

Nach den Direktbanken folgt mit Abstand die DZ Bank, die nach der Fusion mit der WGZ Bank aber auch noch überdurchschnittliche Renditen von 7,5 Prozent erzielte. Laut der Studie konnte die DZ Bank die Folgen aus Niedrigzinsumfeld und schrumpfendem Zinsüberschuss durch Kostensenkungen und Konsolidierung kompensieren.

Groß- und Landesbanken am stärksten betroffen

Alle anderen Institutsgruppen schneiden schwächer ab. Auch innerhalb der Gruppe der Genossenschaftsbanken. So lag die Eigenkapitalrendite der Volks- und Raiffeisenbanken 2016 nur bei 2,9 Prozent im Durchschnitt. Und die Sparkassen erwirtschafteten lediglich 1,7 Prozent Eigenkapitalrendite.

Noch schlechter sieht es bei den Groß- und Landesbanken aus. Die Eigenkapitalrendite der deutschen Landesbanken sank laut Bain im Jahr 2016 durchschnittlich von 3,8 auf 2,7 Prozent – ohne die NordLB. Großbanken erwirtschafteten 2016 sogar gar nur 1,1 Prozent ihrer Eigenkapitalkosten, nach 1,7 Prozent im Jahr 2015.

„Die tiefe strukturelle Krise des deutschen Bankensektors ist längst noch nicht ausgestanden“, erklärt Kapitalmarktexperte Schmundt.

Zu fragil sei die Ertragssituation vieler Häuser, so Schmundt, und zu gewaltig die Mammutaufgabe: die Digitalisierung.

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Cost-Income-Ratio höher als bei europäischen Wettbewerbern

Die so genannte Cost-Income-Ratio, das Kosten-Ertrags-Verhältnis, ist mit durchschnittlich 69 Prozent nach wie vor höher als bei vielen europäischen Wettbewerbern.

„Für die Banken gibt es keine Alternative zu weiteren Kostensenkungen und Konsolidierungen“, sagt Bain-Partner Dr. Wilhelm Schmundt, Co-Autor der Studie.

Jede Woche schließen nach Angaben von Bain in Deutschland im Durchschnitt 36 Bankfilialen, die Zahl der Beschäftigten in der Bankenbranche sinkt um mehr als 400 pro Woche. Der Strukturwandel im Bankensektor geht laut Bain weiter – mit steigender Geschwindigkeit.

Die neuen Eigenkapitalregeln könnten den Druck auf die Banken zusätzlich verstärken. Die Reform von Basel III wurde erst kürzlich nach langem Streit beschlossen.

Digitalisierung: Banken müssen ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln

Das Vordringen digitaler Technologien stellt Deutschlands Kreditinstitute vor eine doppelte Herausforderung

„Es geht jetzt um Transformation und Disruption“, so Walter Sinn, Deutschland-Chef von Bain & Company.

Das heiße: Die Banken müssen ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln und gleichzeitig in neue Angebote investieren. "Das erfordert eine Metamorphose im laufenden Betrieb“, sagt Sinn.

Was steht den Fortschritten im Weg? Was kann Abhilfe schaffen?

Drei Aspekte stehen derzeit laut Bain Fortschritten im Weg:

  • das Festhalten an bewährten Praktiken,
  • die Steuerung auf kurze Sicht und
  • knappe Budgets.

Abhilfe schaffen können Bain zufolge nur eine ganzheitliche Strategie und die Konzentration auf acht Erfolgsfaktoren. Dazu zählen:

  • herausragende Kundenerlebnisse über alle Vertriebs- und Kommunikationskanäle hinweg,
  • die Ende-zu-Ende-Automatisierung der meisten Prozesse und die bessere Nutzung vorhandener Daten,
  • der flächendeckende Einsatz agiler Methoden sowie
  • eine duale Organisation mit getrennten Budgets, die zum einen das bestehende Geschäftsmodell weiterentwickelt und zum anderen ein neues kreiert.

All dies bedingt der Managementberatung zufolge ein umfassendes Change-Management, zumal sich das Selbstverständnis der Banken ändert:

Aus Finanzdienstleistern werden Technologieanbieter.

„Mit Blick auf die Erfolgsfaktoren wird offensichtlich, vor welcher enormen Herausforderung Deutschlands Banken in den nächsten Jahren stehen“, bilanziert Sinn. Gelinge der Wandel, eröffneten sich auch Chancen: "Dann können Banken sich als Schaltstelle für die digitale Wirtschaft etablieren", ist Sinn überzeugt.

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