Mipim 2019: Treffen mit der Zukunft

Die Immobilien-Leitmesse Mipim öffnet in diesem Jahr vom 12. bis zum 15. März 2019 im Palais des Festivals im französischen Cannes ihre Pforten. "Engaging the future" lautet das diesjährige Motto der Veranstaltung, die zum 30. Mal stattfindet.

Die Ziele der Messeverantwortlichen sind gestern wie heute die gleichen. Wachstum heißt für die internationale Investorenmesse auch mehr Immobilien-Themen, mehr Internationalität und mehr Aussteller. 26.000 Teilnehmer, davon 341 Aussteller und Besucher vom Vorjahr aus Deutschland gilt es wenigstens zu halten. Die Macher um Mipim-Direktor Ronan Vespart wollen nichts Geringeres als die Zukunft vereinnahmen. "Engaging the future" als Messemotto bedeutet gerade 2019, auch die geopolitischen Unsicherheiten als nicht zu unterschätzendes Risiko für alle Brancheteilnehmer im Blick zu haben – heute und für die nächsten 30 Jahre. 

Digitale Innovation, Prop Tech und Nachhaltigkeit als Hauptthemen

Nach Großbritannien mit der höchsten Bevölkerungsdichte und stärksten Messepräsenz, gefolgt von Frankreich, ist Deutschland bei der Mipim das drittstärkste vertretene Land. Ronan Vespart nennt digitale Innovation, PropTech und Nachhaltigkeit erneut als wichtige Themen zur 30. Messeausgabe.

Auf der Mipim 2019 werde insbesondere ökologische Nachhaltigkeit ein Schlüsselthema sein. Denn hohe Energiepreise, Klimawandel und neue staatliche Vorschriften verändern die traditionellen Industrieplattformen und -praktiken aktiv. Darüber hinaus geht es um disruptive Technologien wie virtuelle Realität, künstliche Intelligenz und Big Data und um die Frage, wie das Immobilienmanagement und die Rentabilität im digitalen Zeitalter optimierbar ist.

Neues Angebot: Young Leader Summit

Welche Messeformate haben sich die Macher für 2019 ausgedacht? Neu in diesem Jahr ist laut Vespart der Young Leader Summit. Dies werde eine generationenübergreifende Diskussion sein, die auf den Ergebnissen einer öffentlichen Konsultationskampagne von Make.org basiert und die einen Einblick in die Stadt der Zukunft geben soll.

Den meisten Investoren ist nach Aussage von Catella-Analyst Dr. Thomas Beyerle sehr deutlich bewusst, dass nur eine gute Durchmischung innerhalb eines Gebäudes oder aber Stadtviertels (sozio)-ökonomisch mittel- bis langfristig Sinn macht. Hier herrsche mit dem Fokus auf pulsierende Städte weiter Nachholbedarf. Health Care, Serviced Appartements, Mikrowohnen und Wohntürme seien passende Stichworte, so der Geschäftsführer bei der schwedischen Catella Property Valuation GmbH sowie Head of Group Research im Catella Konzern.

Deutschland als Markt unterbewertet

Generell gilt laut Beyerle auch, dass Deutschland als Markt für Immobilieninvestoren im weltweiten Vergleich immer noch unterbewertet sei. Die nächste Wachstumsschleife werde indes auch 2019 weitergedreht, ist Beyerle trotz des vielfach prognostizierten Endes der Boomphase überzeugt.

"In Bezug auf die Gesamtinvestitionen, die alle Anlageklassen zusammenfassen, gehören die deutschen Städte nach wie vor zu den gefragtesten in Europa." Messechef Ronan Vespart

Wende im Immobilienzyklus deutet sich an

Wo liegen die eigentlichen Herausforderungen im neuen Jahr? Es verdichten sich die Anzeichen, die eine Wende im langen Immobilienzyklus andeuten. Wie müssen sich die Akteure der Immobilienbranche aufstellen, um über eine mögliche Korrektur an den Gewerbeimmobilienmärkten hinaus nachhaltig Wachstum sicherzustellen? Eine zentrale Frage, die laut Nikolai Dëus-von Homeyer, Managing Partner bei NAS Invest, auf der Mipim 2019 beantwortet werden muss. Denn auch in einem komplexeren und unsichereren Marktumfeld bestünden ja weiterhin interessante Investmentmöglichkeiten jenseits der Preis-Rallye und Renditekompression.

Investoren müssen sich klarer positionieren

Investoren müssen sich in dem komplexer werdenden Umfeld in der Tat noch klarer positionieren und das Mietsteigerungspotenzial einer Immobilie mit einkalkulieren. Gerade letzteres wird in Zukunft zur zentralen Determinante. Der Kapitalwert einer Immobilie wird sich dabei verstärkt an Faktoren wie einer digitalen Gebäudeinfrastruktur oder flexiblen Flächennutzung messen lassen müssen.

"Der Brexit, volatile Aktienmärkte, die drohende Zinswende und geopolitische Spannungen sind eine Reihe guter Gründe, die Mipim unter das Motto ‚Engaging the Future‘ zu stellen." Vincent Frommel, Head of Fund Management | Finance bei BMO Real Estate Partners Deutschland

Mipim - Cocktailparty
Gespräche - formelle und informelle - sind ein wichtiger Bestandteil der Messe

Vielleicht stärker als jemals zuvor müsse sich die Immobilienbranche mit globalen und sozio-politischen Themen, Trends und Entwicklungen und den daraus erwachsenden Risiken auseinandersetzen. Im spätzyklischen Marktumfeld stehen Zeichen eines möglichen wirtschaftlichen Abschwungs langfristigen Megatrends wie der Digitalisierung und Urbanisierung gegenüber.

Frommels Kollege und Head of Investment bei BMO, Thomas Hübner, erwartet im laufenden Geschäftsjahr ein erhöhtes Augenmerk auf das Management von Risiken, gerade auch angesichts zunehmender politischer Risiken. "Inhalte und Themen werden vom Immobilienzyklus geprägt – und von persönlichen Kontakten, die Online-Konferenzen nicht ersetzen können", erklärt Fondsmanager Ole Sichter, Head of Transactions Germany bei Principal Real Estate Europe.

Logistik gestärkt, alternative Assets gefragt

Für Sichter bleibt Deutschland auch 2019 einer der Lieblingsorte der Investoren, allerdings werden nach seiner Auffassung neben Berlin als Vorreiter auch die sogenannten "Secondaries" aus Renditegesichtspunkten immer mehr in den Fokus rücken. Neben der klassischen Büroimmobilie werde das Thema Nahversorgung als Grundbedürfnis an Bedeutung gewinnen und damit entsprechende Einzelhandelsobjekte. Auch Health-Care-Immobilien bleiben laut Sichter aufgrund der demographischen Entwicklung interessante Anlageobjekte. Der wachsende Anteil des E-Commerce werde zudem für ein weiter steigendes Interesse an Logistikimmobilien sorgen.

Das sehen die Messeverantwortlichen ähnlich, denn im Rahmen neuer Messeformate wird unter anderem der Markt für Logistikimmobilien sehr gezielt beleuchtet.

RE-Allocate-Gipfel als neues Format

Der RE-Allocate-Gipfel ist in diesem Jahr ebenfalls brandneu in Cannes. Er wird zusätzlich zum RE Invest Summit organisiert, einer vor acht Jahren gegründeten Veranstaltung für das Gedankenmanagement, bei der führende institutionelle Investoren zusammenkommen. Der neue Gipfel ist institutionellen Family Offices und anderen Kapitalbesitzern gewidmet.

Zum vierten Mal in Folge werden im Rahmen der Mipim Startup Competition in Zusammenarbeit mit dem globalen Technologiepartner MetaProp NYC zudem Unternehmen auf der MIPIM präsentiert. Eine Jury wählt in diesem Jahr aus sechs Unternehmen drei Gewinner aus. Schließlich soll den "Millennials" als Generation der Sharing Economy und Entscheidungsträgern von morgen ein besonderes Augenmerk gelten.

Mipim als Stimmungsbarometer

Aufgrund der polyzentrischen Wirtschaftsstruktur profitieren von Digitalisierung & Co. auch kleinere Großstädte oder Mittelstädte, in denen bonitätsstarke mittelständische Unternehmen ansässig sind. Sie waren bereits 2018 einer der wesentlichen Treiber der Flächennachfrage, und die weiterhin hohe Zahl an Mietgesuchen legt nahe, dass das im kommenden Jahr so bleiben wird. Mit der erforderlichen lokalen Marktkenntnis und einem Verständnis für langfristige Wachstumstreiber, die das Mietsteigerungspotenzial bestimmen, lassen sich noch immer attraktive Objekte identifizieren. In diesem Marktumfeld ist die Mipim 2019 ein wichtiges Stimmungsbarometer. Junge Assetklassen wie das Co-Living treten ebenfalls auf den Plan.

Wie den Mangel an Core ausgleichen?

"Die unaufhaltsame Entwicklung moderner Technologien wird sich auf die Immobilienbranche spürbarer denn je auswirken." Guido Nabben, Sprecher von German Property Partners (GPP)

Der geschäftsführende Gesellschafter von Anteon aus Düsseldorf erwartet abseits der Themen des Konferenzprogramms, dass "Manage-To-Core"- oder sogar "Build-To-Core"-Strategien ein beliebter Diskussionspunkt auf der Mipim sein werden. Schließlich müssten die Marktteilnehmer Mittel und Wege finden, um den Mangel an Core-Immobilien auszugleichen.

Längst wird nicht mehr alles gekauft, der Wachstumspfad hat nach dem Rekordjahr 2018 und trotz leichtem Rückenwind in 2019 schon an Dynamik eingebüßt. Sabine Barthauer, Mitglied des Vorstands der Deutschen Hypo, bleibt verhalten optimistisch.

"Die Stimmung und die Gespräche auf der Mipim werden sicherlich ein guter Fingerzeig dafür sein, ob der gewerbliche Immobilienmarkt in Deutschland erneut auf ein Jahr mit einem Transaktionsvolumen oberhalb von 50 Milliarden Euro rechnen darf." Sabine Barthauer, Mitglied des Vorstands der Deutschen Hypo

Deutscher Immobilienmarkt bleibt "sicherer Hafen"

Das Bild des deutschen Immobilienmarktes als "sicherer Hafen" in Europa bleibt intakt. Folglich werden institutionelle Investoren ihre "Wall of Money" weiter in Teilmärkte wie Frankfurt oder Berlin lenken und dort positive Impulse setzen. Hinzu kommt: Ungeachtet der zuletzt steigenden Spitzenmieten für Gewerbeimmobilien an den Top-7-Standorten liegen diese im internationalen Vergleich noch im Mittelfeld.

Trotz all der richtigerweise angestimmten Molltöne kann die deutsche Immobilienwirtschaft mit starkem Rücken und mit Zuversicht in das Jahr 2019 gehen, sagt Prof. Dr. Tobias Just von der Universität Regensburg und IREBS Immobilienakademie. "Der jahrelange Aufschwung auf dem deutschen Immobilienmarkt geht nun zu Ende", heißt es zwar beim Maklerhaus Savills. Doch eine Talfahrt sei nicht zu erwarten.

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