Mipim 2019: Messedirektor Ronan Vaspart im Interview

Die internationale Investorenmesse Mipim findet in diesem Jahr zum 30. Mal statt - und befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs. Was die 26.000 prognostizierten Besucher zur Jubiläumsausgabe erwartet, verrät Messedirektor Ronan Vaspart im Interview.

Wo liegt der Hauptfokus bei der Mipim 2019?

Ronan Vaspart: Wir freuen uns, das 30-jährige Bestehen der Mipim zu feiern. Das diesjährige Thema befasst sich mit den nächsten 30 Jahren der Immobilienwirtschaft und wie die Industrie dazu beitragen kann, eine technologisch fortschrittliche, nachhaltige und innovative Zukunft zu schaffen. Wir freuen uns darauf, die weltweit führenden Experten aus einer Reihe von Branchen zu diesem wichtigen Thema zu beherbergen.

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Katalysatoren für diesen Übergang sind unter anderem die demografische Entwicklung, der Klimawandel und fortschrittliche Technologien. Der Wert eines Gebäudes liegt jetzt in seinem Zweck, nicht in seiner physischen Konstruktion.

Auf der Suche nach den richtigen Strategien

Das zentrale Thema wird unter Berücksichtigung des künftigen Wirtschaftswachstums, des Zusammenhalts der Gemeinschaften und der Nachhaltigkeit untersucht. Die Einkommensströme in der Immobilienbranche entwickeln sich im digitalen Zeitalter rasch weiter. Infolgedessen ändern Unternehmen und Investoren ihre Ansätze in Bezug auf Immobilien als Anlage- und Produktservice. Auf der Messe werden die Panel-Teilnehmer versuchen, die Schlüsselfragen zu beantworten. Was sind die besten Strategien für langfristigen Nutzen, was sind die besten Strategien, um eine optimale Lebensqualität zu gewährleisten, und mit welchen Praktiken können wir vorhandene Ressourcen optimal nutzen?

Welche Immobilien sind am meisten gefragt, und hat sich das Suchprofil der Anleger geändert?

Vaspart: Eine Entwicklung, die sich im Investmentsektor abzeichnet, ist die Tatsache, dass traditionell "unmoderne" Anlageklassen, insbesondere Lagerhäuser und Logistikzentren, die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich ziehen. Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass internationale Investoren vorsichtig sind, da sie die Risiken möglicher Zinserhöhungen und geopolitischer Faktoren wie den Brexit in Großbritannien abwägen.

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Darüber hinaus haben sich Rechenzentren zu einem der wertvollsten Vermögenswerte für internationale Investoren entwickelt.

Wird der Run auf Logistikimmobilien (und auf City Logistik) auf der Mipim weitergehen?

Vaspart: Die Logistikbranche wächst und entwickelt sich sehr schnell. Die Entwicklung wird durch die Online-Einkäufe verstärkt und durch den Wunsch der Kunden, sich ihre Waren so schnell wie möglich liefern zu lassen. Während die großen Online-Einzelhändler ihren Bestand an Logistikdrehscheiben ausbauen, besteht ihre letzte Herausforderung darin, die berühmte "letzte Meile" zu bewältigen, die ihre Produkte tatsächlich zum Kunden nach Hause bringt. Dies führt dazu, dass Unternehmen in Lagerhäuser investieren, die dem Kunden so nahe wie möglich sind, statt sich auf riesige "Mega-Lagerhäuser" zu verlassen, die große Einzugsgebiete bedienen.

Was gibt es sonst noch Neues auf der Mipim?

Vaspart: Wir sind wir stolz, drei neue Funktionen vorstellen zu können: einen Beirat, Konferenzen für Logistikimmobilien und ein Matchmaking-Event. Der Beirat setzt sich aus bis zu sechs Mitgliedern zusammen. Mit dabei sind anerkannte Unternehmen wie die amerikanische Firma Prologis oder der britische Investor Gazeley. Dieses Board wird mehrmals im Jahr zusammenkommen und das Mipim Logistics Asset Team beraten. Darüber hinaus haben wir bislang drei Konferenzen bestätigt, die sich in diesem Jahr auf den Logistikmarkt konzentrieren. Schließlich, und dies ist auch neu, findet erstmals das Matchmaking-Event statt, um den Teilnehmern neue Geschäftsmöglichkeiten zu bieten.

Disruptive Technologien beim Innovationsforum

Ein Highlight der Messe ist das Innovationsforum. Was ist da geplant?

Vaspart: Das vor sechs Jahren initiierte Mipim-Innovationsforum ist ein Schlüsselereignis der Messe. Dieses Jahre werden disruptive Technologien wie das Internet der Dinge, Blockchain, Künstliche Intelligenz und 3D-Druck diskutiert. Sie stellen die Zukunft unserer Branche dar, denn heutzutage dreht sich alles um die digitale Transformation von Immobilien und des Immobilienmarktes. Deshalb werden 2019 mehr Teilnehmer und Aussteller als im letzten Jahr dabei sein. Beispiele sind Leica Geosystems, die Messwerkzeuge entwickeln, um das Risiko im Bauwesen zu reduzieren, der Coworking-Anbieter We Work oder Sage Glass, das seine intelligenten Fenster präsentiert.

Stände von Städten sind sehr präsent. Sind auch kleinere Städte wie Bremen nach langer Zeit wieder mal in Cannes?

Vaspart: Bremen kehrt nach 16 Jahren Abwesenheit zur Mipim zurück. Die Entscheidung von Bremen spiegelt eine wachsende Notwendigkeit für Stadtverwalter wider. Immobilien sind zu einem wichtigen Element in der globalen Wirtschaft geworden, und Städte stehen nun vor zwei großen Herausforderungen.

Die erste besteht darin, dass der öffentliche und der private Sektor Hand in Hand zusammenarbeiten, um die Städte der Zukunft zu entwickeln, die den Anforderungen der wachsenden städtischen Bevölkerung mit unterschiedlichen Lebensstilen und Arbeitserwartungen entsprechen. Die Mipim bietet ein ideales Forum für diese öffentlichen und privaten Partner, um wichtige Themen im internationalen Austausch zu diskutieren.

Die zweite Herausforderung, der sich die Städte mit immer enger werdenden öffentlichen Mitteln gegenübersehen, ist die Gewinnung internationaler Investitionsmittel. Dies gilt insbesondere für zweitrangige Städte. Natürlich ziehen Berlin, London, Paris oder Madrid weitere Investitionen nach sich, kleinere Städte werden jedoch immer attraktiver. Dies bedeutet, dass sich Lyon, Leeds oder Münster auf der Mipim für die internationalen Investmentfonds bewerben.

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Schlagworte zum Thema:  Mipim, Messe, Immobilieninvestoren, Logistikimmobilie