LBS: Kaum Preisanstiege für Wohnungen und Bauland bis Herbst Infografik

Corona bremst den Preisanstieg bei Wohnimmobilien und Bauland aus. Bis Herbst dürften die Preise stabil bleiben, prognostizieren die Makler der Landesbausparkassen. Regional sind die Unterschiede allerdings groß. Der LBS-Immobilienpreisspiegel 2020 zeigt, wo sich der Kauf jetzt lohnt.

Im Januar 2020 sind die Landesbausparkassen (LBS) und Sparkassen von Preissteigerungen für Wohnimmobilien in Deutschland zwischen rund vier Prozent bei Häusern und Wohnungen sowie knapp sechs Prozent bei Bauland ausgegangen. Mittlerweile erwarten die rund 600 befragten Immobilienvermittler eine Wertstabilisierung.

"Corona bremst den Preisanstieg bei Wohnimmobilien zumindest vorübergehend aus." Axel Guthmann, Chef der LBS-Bundesgeschäftsstelle

Die Nachfrage nach Bauland und Wohneigentum werde "in den kommenden Monaten etwas zurückhaltender" ausfallen als vor der Krise, so Guthmann. Dieses Zusammenspiel von verknapptem Angebot und leicht nachlassender Nachfrage werde bundesweit zu einer "Atempause" in der Immobilienpreisentwicklung führen. Dauerhaft werde die Entspannung aber nicht sein. "Außerdem ist das aktuelle Interesse an Wohnimmobilien regional sehr unterschiedlich", sagt Guthmann.

Ausweichen ins Umland lohnt sich nicht unbedingt

Was kosten neue oder gebrauchte Wohnungen und Häuser in den etwa 1.000 analysierten deutschen Städte? Wie ist die Nachfrage und wie das Angebot? Was muss derzeit für Bauland bezahlt werden? Und wie entwickeln sich die Preise voraussichtlich? Im LBS-Immobilienpreisspiegel 2020 (Link siehe unten) können die Daten zu den verschiedenen Regionen abgerufen werden. Preis-Recherchen sind über eine Deutschlandkarte mit "Mouseover- und Zoom-Funktion" möglich.

Eigentumswohnungen

Neue Wohnungen (mittlere bis gute Wohnlage, drei Zimmer, Wohnfläche 80 Quadratmeter, ohne Garage / Stellplatz) haben sich den LBS-Im­mo­bilienexperten zufolge vor der Coronakrise nahezu überall in Deutschland spürbar verteuert. Vor allem in Metropolregionen und Universitätsstädten, aber auch in touristisch interessanten Orten. Am teuersten ist der Studie zufolge Gräfelfing bei München. Hier kostet ein Quadratmeter Wohnfläche typischerweise 8.500 Euro. Ähnlich teuer sind Starnberg (8.350 Euro) und Planegg (8.200 Euro). Diese ländlichen Orte übertreffen bei den Preisen sogar die Top-Metropolen Stuttgart (6.700 Euro), Frankfurt am Main (6.500 Euro) und Hamburg (5.200 Euro).

Erschwinglich sind laut LBS-Immobilien-Preisspiegel hingegen neue Wohnungen in den Großstädten Dortmund, Bremen und Leipzig mit durchschnittlichen Quadratmeterpreisen um die 3.700 Euro. Gebrauchte Eigentumswohnungen sind im bundesweiten Durchschnitt mehr als ein Drittel (36 Prozent) günstiger als Neubauwohnungen.

Einfamilienhäuser

Frei stehende gebrauchte Einfamilienhäuser (mittlere bis gute Wohnlage, Wohnfläche zirka 120 Quadratmeter, inklusive Garage, ortsübliches Grundstück) werden in München am teuersten gehandelt mit etwa 1,5 Millionen Euro. In Stuttgart werden rund eine Million Euro fällig, Freiburg im Breisgau kommt mit 950.000 Euro nah ran. Die hessische Metropole Frankfurt mit 900.000 Euro wird nur von der Landeshauptstadt Wiesbaden getoppt mit 1,2 Millionen Euro.

Im Umland sind die Häuser zum Teil noch höher: In Grünwald und Gräfelfing bei München zum Beispiel kostet ein freistehendes Haus bis zu knapp zwei Millionen Euro. Spitzenpreise werden auch in den bayerischen Touristenorten Herrsching am Ammersee oder Starnberg verlangt: 1,3 Millionen Euro. In Garmisch-Partenkirchen sind es 1,2 Millionen Euro.

Günstiger ist ein gebrauchtes Haus mit Preisen zwischen 300.000 bis 400.000 Euro etwa in den Großstädten Leipzig, Hannover, Bremen, Dortmund und Dresden.

Reihenhäuser

Selbst Reihenhäuser (Neubau, mittlere bis gute Wohnlage, Wohnfläche zirka 100 Quadratmeter, ohne Garage, ortsübliches Grundstück ) kosten in München und in Starnberg zirka 1,1 Millionen Euro. In den meisten deutschen Großstädten sind diese Häuser aber laut LBS-Preisspiegel deutlich günstiger zu haben. Ab 170.000 Euro in Sachsen bis zu 390.000 Euro in Nordrhein-Westfalen. Gebrauchte Reihenhäuser sind im bundesweiten Durchschnitt knapp ein Fünftel (16 Prozent) preiswerter als neue Reihenhäuser. In manchen Städten, etwa in Berlin und Köln, gibt es jedoch kaum einen Preisvorteil.

Bauland

Bauland bleibt den Experten zufolge Mangelware. Doch auch hier sind die Preise regional sehr unterschiedlich. Besonders teuer sind süddeutsche Großstädte wie München mit Umland, wo für den Quadratmeter Bauland 2.600 Euro gezahlt werden, oder Stuttgart (1.600 Euro pro Quadratmeter). In manchen Großstädten, etwa in Bremerhaven und Cottbus, gibt es den Quadratmeter Bauland aber auch schon für 100 Euro oder weniger. Für die Studie haben die Landesbausparkassen Daten für baureife Grundstücke in mittlerer bis guter Wohnlage mit einer Größe zwischen 300 bis 800 Quadratmetern zugrunde gelegt.

Was macht die Coronakrise mit den Wohnimmobilienmärkten?

Die Landesbausparkassen gehen nicht davon aus, dass sich in den angespannten Märkten etwas am Angebot von Baugrundstücken, gebrauchten Einfamilienhäusern oder neuen Wohnungen und Reihenhäusern ändern wird. Die allgemeine Tendenz lautet: Das Angebot wird konstant bleiben oder leicht abnehmen.

Die Nachfrage nach Wohneigentum wird den Experten zufolge aber vorerst nicht wieder wachsen, sondern bestenfalls auf gleichbleibendem Niveau stagnieren. Bei den frei stehenden Häusern gehen die Befragten davon aus, dass das Interesse in den nördlichen Bundesländern hoch bleiben und in den südlichen und östlichen Bundesländern leicht zurückgehen wird.

"Ein Grund könnte sein, dass die Wirtschaftslage in Regionen unsicherer ist, die stark von der Autoindustrie geprägt sind." Axel Guthmann, Chef der LBS-Bundesgeschäftsstelle

Die rund 600 befragten Experten in den Immobiliengesellschaften von LBS und Sparkassen, die zu Jahresbeginn noch von einem nahezu ungebrochenen Aufwärtstrend bei den Preisen ausgegangen sind, rechnen jetzt in allen Segmenten und Bundesländern mit einer Stagnation.

Die LBS-Makler betonten jedoch auch, dass es derzeit schwierig sei, konkrete Prognosen abzugeben. Und das hängt den Experten gerade damit zusammen, dass sich die Immobilienmärkte regional  unterschiedlich entwickeln, je nachdem, wie sehr eine Region von der Covid-19-Pandemie betroffen ist, wie stark die Wirtschaft leidet und wie schnell sie sich erholt.


LBS-Immobilien-Preisspiegel 2020


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